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Die 49. Art Basel startet mit rekordverdächtigen Verkäufen | BR24

© Bayern 2

Der Gang über die Messe gleicht einem halben Marathon. 290 Galerien aus 34 Ländern, zwei große Messehallen und dazu der Art Parcours in der Stadt Basel. Die gigantische Kunstmesse fährt dieses Jahr mit ebenso gigantischen Preisen auf.

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Die 49. Art Basel startet mit rekordverdächtigen Verkäufen

Der Gang über die Messe gleicht einem halben Marathon. 290 Galerien aus 34 Ländern, zwei große Messehallen und außerdem der Art Parcours in der Stadt Basel. Die gigantische Kunstmesse fährt dieses Jahr mit ebenso gigantischen Preisen auf.

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Die beste Nachricht für den bayerischen Raum: Die Münchner Galerie Thomas ist wieder da, nachdem sie im letzten Jahr pausiert hatte, weil die Art Basel ihr nur die halbe Standgröße zugestehen wollte. Freiwillig pausieren, unkte mancher, das ist das Aus. Aber Thomas wurde nicht ausjuriert zugunsten einer jungen hippen Galerie oder einer aus Asien oder Südamerika, nein, nun haben die Münchner ihren großen Stand wieder zurück. "Das war von vornherein die Intention gewesen, und auch die Gespräche mit der Messe liefen in die Richtung. Und ich habe eigentlich auch nichts anderes erwartet," erklärt Galeristin Silke Thomas.

Ein Mobile von Calder für zwei Millionen

Gestern verkaufte sie für zwei Millionen US-Dollar ein Mobile von Alexander Calder in eine private Sammlung. Das ist ein typischer Verkauf in diesem Jahr. Beim Blick auf den abendlichen Sales Report der Galerien kann einem wirklich schwindlig werden, denn in Basel wechselt in diesen Tagen ein millionenschweres Werk nach dem nächsten den Besitzer. Iwan Wirth von der Zürcher Galerie Hauser & Wirth vermeldete schon, verkaufstechnisch sei es der beste Auftakt aller Zeiten gewesen. Wenn es keine Zinsen gibt, investiert man gern in Immobilien oder Kunst, aber es muss ein großer Name sein, damit der Wert noch weiter steigt. Das bislang teuerste Werk verkaufte auf der diesjährigen Art Basel die David Zwirner Galerie aus New York: Es ist ein frühes Gemälde von Gerhard Richter, eine verwischte Fotografie, grau in grau gemalt, für 20 Milionen US-Dollar. "Der Kunstmarkt heute ist stark, aber sehr inhomogen," sagt Art Basel-Chef Marc Spiegler. "Es gibt eine Gruppe von Galerien an der Spitze des Marktes mit viel Geld, die die teuersten Künstler für sich gewinnen. Es findet eine Verdichtung statt. Und dann ist da der Überlebenskampf der jungen und der mittleren Galerien."

© Art Basel 2019 /Galleries Kewenig

Art Basel 2019 - Rundgang. Dieses Jahr ist der Kampf kleinerer Galerien ums Überleben besonders hart

Um zumindest etwas gegenzusteuern, hat die Messe nun ein gleitendes Preismodell eingeführt, in dem neue Galerien anfangs Rabatt auf den Quadratmeterpreis bekommen. Iris Kadel aus Düsseldorf hat es geschafft, sich in Basel über die Jahre hochzuarbeiten. Sie meint, dass es auf jeden Fall eine sehr gute Neuerung sei, die Standkosten anzupassen, "weil es doch dem Rechnung trägt, dass gerade die Galerien, die im mittleren Preissegment agieren, auch Mid-Career-Artists vertreten."

Showrooms abseits des großen Verkaufstrubels

Junge Galerien und junge Kunst sind unerlässlich für die künftige Entwicklung der Art Basel. Bis heute ist es immer noch die wichtigste Kunstmesse der Welt, auf der sich alle großen Sammler treffen. Immer mehr Galerien mieten sich im Obergeschoss der Messe private Showrooms, um dort abseits vom Trubel eine größere Auswahl an Werken präsentieren zu können. Außerdem sind auf der Messe verstärkt Art Adviser unterwegs. Mathias Rastorfer von der Zürcher Galerie Gmurzynska meint: "Es ist ein Overkill. Hier gibt es teilweise pro Sammler bis zu drei Berater, die dann also natürlich auch ihre Existenzberechtigung brauchen, und das ist dann manchmal einfach hinderlich für ein normales Gespräch. Das ist ungefähr so, wie wenn Frau, Kind und Onkel mit entscheiden, was man fürs Zuhause kauft."

© dpa/ picture alliance/KEYSTONE

Ein gigantischer Donald Trump: Tin Man of the Twenty-First Century (2018) des kubanisch-us-amerikanischen Künstlers Coco Fusco auf der Art Basel

Am interessantesten ist in Basel wieder die Sektion Unlimited, mit ihren großen Werken, die die Dimensionen eines herkömmlichen Messestandes sprengen würden. Kuratiert von Gianni Jetzer, ist dort in diesem Jahr noch mehr politische Kunst als sonst zu sehen. "Wo es Rauch gibt, gibt es Feuer. Die Künstler reagieren auf die angespannte politische Lage und kommentieren auch gewisse Phänomene in frei künstlerischer Art. Es ist nicht Politik, welche sie betreiben, sondern es sind Kommentare," sagt Jetzer.

In denen geht es etwa um die #MeToo-Bewegung, um Fake News oder die Folgen des Kolonialismus. Was im Gedächtnis bleiben wird von dieser Messe ist auch eine Skulptur der kubanisch-stämmigen Künstlerin Coco Fusco aus New York. Sie zeigt Donald Trump als Blechmann ohne Herz und Hirn, frei nach "Der Zauberer von Oz."

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