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Weshalb der Diamantweg-Buddhismus für Kritik sorgt | BR24

© picture alliance / dpa / Karl-Josef Hildenbrand

Buddhistentreffen bei Immenstadt (2016)

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    Weshalb der Diamantweg-Buddhismus für Kritik sorgt

    Bei Immenstadt im Allgäu läuft gerade die jährliche Tagung der Bewegung Diamantweg. Tausende Buddhisten werden erwartet. Der Diamantweg ist derzeit hoch umstritten, weil sich Gründer Ole Nydahl kritisch über den Islam geäußert haben soll.

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    Immenstadt im Allgäu. Es geht ruhig zu, unter der Mariensäule am Rathausplatz. Eine Eisdiele, eine Bäckerei, ein Blumenladen. Es gibt einen Asylhelferkreis im "Städtle" und eine Moschee, man lebt ein friedliches Miteinander. Auch das buddhistische Zentrum des so genannten "Diamantweg" am Hang, hoch über dem Alpsee, gehört dazu.

    Lama des Diamantweg: Islamfeindliche Aussagen?

    Doch seit einigen Jahren mehrt sich die Kritik am Gründer der Bewegung, dem Dänen Ole Nydahl. Er hat wiederholt mit Aussagen über den Islam Schlagzeilen gemacht. Viele, so zum Beispiel Politiker aus Immenstadt, stufen sie als rechtsradikal ein. Auch der Dachverband Deutsche Buddhistische Union (DBU) distanziert sich vom Lama des Diamantwegs.

    "Es gibt Aussagen von Ole Nydahl, die viele von uns als fremdenfeindlich und vor allem eben auch als islamfeindlich empfunden haben. Er hat wenig oder gar nicht zwischen Islam und Islamismus unterschieden. Seine Sprüche haben den Eindruck erweckt, dass er für alle Buddhisten spricht - das ist überhaupt nicht der Fall." Nils Clausen, Vorstandsmitglied der DBU

    "Andere hatten Hitler und Stalin, wir haben den Islam. Das ist alles dasselbe!" – das hat der Buddhistenlehrer vor seinen Anhängern im buddhistischen Europazentrum bei Immenstadt Medienberichten zufolge gesagt. In einer Stellungnahme aus dem letzten Jahr erklärt Ole Nydahl, seine Aussage sei aus dem Zusammenhang gerissen worden. Er würde lediglich den "politischen Islam" kritisieren.

    Eine Prüfung der Staatsanwaltschaft Kempten im letzten Jahr ergab: Die Äußerungen des Lamas sind von der Meinungsfreiheit abgedeckt. Es wurde daraufhin kein Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung eingeleitet.

    Diamantweg nicht mehr in Buddhistischer Union

    Die DBU hat deshalb im Frühling ein Ausschlussverfahren gegen den Diamantweg eingeleitet. Dem ist die Gruppierung zuvorgekommen, indem sie vor wenigen Wochen selbst aus dem Dachverband ausgetreten ist. In seinem Austrittsschreiben spricht der Diamantweg von einer "einseitigen Skandalisierung" von "Randbemerkungen Nydahls", die von "Skandalen der DBU" ablenken sollen.

    In einer E-Mail an den Bayerischen Rundfunk heißt es:

    "Die DBU e.V. vertritt nur circa drei Prozent aller Buddhisten in Deutschland und die Mitgliedschaft war für uns als ehemalige größte Mitgliedsgemeinschaft dieses Vereins ohne wesentliche Bedeutung. Die Gründe für unseren Austritt sind in unserem Austrittsschreiben vom 17. Juni 2019 genannt. Wir sehen daher keine Veranlassung, uns weitergehend zu diesem Thema zu äußern."

    Lama Ole Nydahl schreibt in seiner Stellungnahme zu den Aussagen in Immenstadt, "es sollte keinen Platz für Rassismus und Diskriminierung geben." Dennoch sieht Religionswissenschaftlerin Bee Scherer Nydahls Haltung zum Islam vor allem als Ausdruck einer persönlichen rechtspopulistischen Anschauung. Das Argument, man müsse zwischen dem umstrittenen Lama Ole Nydahl und dem Diamantweg differenzieren, lässt Scherer nicht gelten.

    "Seine Anti-Islam-Haltung charakterisiert Nydahl als Privatmeinung eines freiheitlich-demokratischen Bürgers. Wenn diese vermeintlichen Privatmeinungen aber fortdauernd zentral in seinen Belehrungen geäußert werden, vermischt sich hier nicht-buddhistischer Rechtspopulismus mit buddhistischer Unterweisung." Bee Scherer, Religionswissenschaftlerin an der Canterbury Christ Church University (GB)

    Auch bei vielen Bürgern in Immenstadt bleibt ein Unbehagen. Während der buddhistischen Tagung soll es eine Protestaktion geben. Schweigen sei jedenfalls keine Option, so Christina Mader, Kreissprecherin der Grünen: "Es ist wichtig, ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen. Wir wollen diese Aussagen, die schon über zehn Jahre immer wieder getätigt werden, die wirklich Programm haben, nicht tolerieren."

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    Sendung

    Religion und Orientierung

    Von
    • Alkyone Karamanolis
    • Markus Kaiser
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