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Brückenbauer: Autor Tuvia Rübner in Israel gestorben | BR24

© Maik Schuck

Tuvia Rübner bei der Verleihung des Literaturpreises der Konrad-Adenauer-Stiftung in Weimar (2012)

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    Brückenbauer: Autor Tuvia Rübner in Israel gestorben

    Geboren wurde Rübner 1924 in Bratislava als Kind jüdischer Eltern, 1941 flüchtete er nach Israel. Mit Gedichten und Übersetzungen arbeitete er für eine neue Annäherung zwischen Deutschen und Juden. Nun ist er im Alter von 95 Jahren gestorben.

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    Der israelische Autor Tuvia Rübner ist tot. Dies bestätigte Giddon Ticotsky, Herausgeber und Vertrauter Rübners, der Deutschen Presse-Agentur am Montag. Der Schriftsteller und Übersetzer sei in der Nacht in seinem Kibbuz Merchavia im Norden Israels im Alter von 95 Jahren gestorben.

    Vermittler zwischen den Kulturen

    Rübner wurde 1924 in Bratislava (Pressburg) als Kind jüdischer Eltern geboren. Als einzigem seiner Familie gelang ihm 1941 die Flucht ins heutige Israel. Seine Gedichte schrieb Rübner bis 1954 in deutscher, anschließend auch in hebräischer Sprache. Ticotsky sagte, Rübner sei letztlich ein "Migrant aus der Peripherie der deutschen Kultur" gewesen. Nach dem Zweiten Weltkrieg habe er versucht, "etwas von seinem intellektuellen Zentrum in der entfernten Provinz Israel wiederaufzubauen". Mit seinem literarischen Werk habe Rübner "Brücken zwischen beiden Kulturen gebaut, zu einer Zeit, als Kontakte zwischen beiden Seiten noch als Tabu galten".

    Der Lyriker und Übersetzer Rübner blieb dem Deutschen sein Leben lang treu, auch wenn ihm und seiner Familie in deutschem Namen so viel Leid angetan worden war. Mit der Sprache, die man in seiner Kindheit höre, sei man am engsten verbunden, sagte Tuvia Rübner selbst später im Rückblick. So sei es ihm mit dem Deutschen gegangen. Und so sehr er die israelische Landschaft liebe, so sehr sei ihm die Landschaft, in der er aufgewachsen sei, eine Herzenslandschaft geblieben.

    Dichter und Übersetzer

    Für sein Werk erhielt Rübner viele Auszeichnungen. Eine davon war der Paul-Celan-Preis (1999) für seine Übersetzung des Romans "Schira" von Literatur-Nobelpreisträger Samuel Agnon aus dem Hebräischen ins Deutsche. 2008 bekam er den Israel-Preis, die höchste Auszeichnung des Landes, und 2012 den Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung. Rübner arbeitete auch als Professor für deutsche und hebräische Literatur an der Universität Haifa. Der Dichter veröffentlichte zahlreiche Gedichtbände und übersetzte unter anderem Werke von Johann Wolfgang von Goethe ins Hebräische. Rübners Autobiografie "Ein langes kurzes Leben" (2004) gilt als eindrückliches Lebenszeugnis eines Überlebenden der NS-Verfolgung, der sich in Israel ein neues Leben aufbauen konnte.

    Mit Material von dpa.

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