BR24 Logo
BR24 Logo
Kultur

Wie es mit der Generalsanierung am Deutschen Museum weitergeht | BR24

© BR

Zehn Jahre sollte die Generalsanierung des deutschen Museums in München ursprünglich dauern. Jetzt scheint eine Fertigstellung zum 100-jährigen Bestehen 2025 fraglich. Das zuständige Architekturbüro ist Insolvent, die Kosten sind explodiert.

Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Wie es mit der Generalsanierung am Deutschen Museum weitergeht

Zehn Jahre sollte die Generalsanierung des Deutschen Museums in München ursprünglich dauern. Jetzt scheint eine Fertigstellung zum 100-jährigen Bestehen 2025 fraglich. Das zuständige Architekturbüro ist insolvent, die Kosten sind explodiert.

Per Mail sharen
Teilen

Es gibt Streit zwischen dem Deutschen Museum und dem Architekturbüro Schmidt-Schicketanz und Partner – kurz SSP. Grund dafür ist wohl, dass Aufwand und Kosten für die Generalsanierung des Deutschen Museums enorm gestiegen sind. Tatsache ist jedenfalls, dass das Architekturbüro SSP inzwischen doppelt so viele Architekten für die Sanierung abgestellt hat wie ursprünglich geplant.

Wer die Kosten dafür zu tragen hat, da sind sich Deutsches Museum und SSP uneins, sagt der vorläufige Insolvenzverwalter Axel Bierbach: "Die Ursache der Insolvenz von SSP liegt eindeutig in dem Projekt Deutsches Museum. Das Thema Honorarstreit ist nur das Ergebnis von Problemen, die es schon im Vorfeld gegeben hat, nämlich dass diese Baustelle einfach sehr viel komplexer ist, als man das am Anfang angenommen hat. Dadurch kam immer mehr Arbeit dazu, diese Arbeit muss vergütet werden, und die Frage, wie das dann vergütet wird hat letztlich die Insolvenz ausgelöst.“

Zeichen stehen auf Trennung

Das Deutsche Museum sieht das jedoch anders. Laut dessen Baubeauftragtem Dieter Lang hat das Museum alle Zahlungen der letzten Jahre pünktlich und vollständig geleistet, bis auf eine einzige, die liege allerdings im sechsstelligen Bereich. Die Rechnung habe man aber nicht bezahlen können, weil die Forderung nicht ausreichend begründet war, so das Deutsche Museum.

Jetzt versuchen beide Seiten, eine Einigung zu erzielen, dass die Architekten die Baustelle wenigstens noch einige Monate betreuen. Dann aber stehen die Zeichen auf Trennung, sagt auch Dieter Lang: "Im Moment [...] bleibt wohl uns nichts anderes, als eine Neuausschreibung. Wenn uns das gelingt, was wir vorhaben, werden wir mit Ablauf der nächsten zwei, drei Monate eine neue Vertragssituation haben und dann unterbrechungsfrei arbeiten können."

© BR/Lisa Hinder

Das Deutsche Museum in München hat mit steigenden Baukosten zu kämpfen

Aber kann ein neues Architekturbüro die Arbeit einfach so fortsetzen? Selbst wenn die aktuellen Architekten nicht auf ihr Urheberrecht pochen können, dürfte es für das Museum schwierig werden, ein neues Architekturbüro zu finden. Denn das Projekt dauert noch mindestens sechs Jahre und im derzeitigen Bauboom sind Architekten rar. Und es bleibt auch die Frage, ob es andere Architekten unter den gegebenen Umständen wirklich besser können.

Abschluss bis zum 100-jährigen Jubiläum 2025 ist fraglich

Die Generalsanierung des Deutschen Museums ist offenbar so komplex geworden, dass die Kosten von 450 auf 600 Millionen Euro gestiegen sind. "Natürlich haben wir die Probleme, die aus dem alten Gemäuer kommen", sagt Dieter Lang. "Dass wir Betonstrukturen vorgefunden haben, die wir so nicht erwartet haben, die den Bauablauf behindert haben, führen wieder zu Kostensteigerungen. Und natürlich, jeder Tag, den eine Baustelle länger dauert, der kostet auch mehr Geld."

Der erste Baubabschnitt sollte eigentlich im Mai nächsten Jahres fertig sein, und damit 19 Teilausstellungen des Deutschen Museums wiedereröffnen. Dann wurde der Termin auf Oktober verschoben, aber selbst dieses Datum ist laut Deutschem Museum nicht mehr zu schaffen. Und auch der endgültige Abschluss der Sanierung zum 100-jährigen Jubiläum 2025 scheint fraglich.

Die Politik mischt sich ein

Inzwischen hat die Generalsanierung des Deutschen Museums auch eine politische Dimension. Denn dass die Sanierung deutlich teurer werden würde, war dem Wissenschaftsausschuss des Landtages schon im Frühjahr 2017 bekannt: In einem Controlling-Bericht einer externen Firma war nämlich schon vor zwei Jahren von einer Kostensteigerung von 20 bis 25 Prozent die Rede.

Spätestens als das in diesem Februar bei einem Ortstermin noch einmal deutlich wurde, hätte die Politik reagieren und den Haushaltsausschuss informieren müssen, sagt die grüne Landtagsabgeordnete Claudia Köhler: "Ich bin selbst Mitglied und stellvertretende Vorsitzende im Haushaltsausschuss. Ich habe es sozusagen aus der Zeitung erfahren. Wir müssen da ganz dringend drüber reden und wir haben jetzt einen Berichtsantrag gestellt, dass dem Wissenschaftsausschuss und dem Haushaltsausschuss Bericht zu erstatten ist, über die Vorkommnisse und warum nicht früher gehandelt wurde."

Generaldirektor wird nicht abberufen

Wissenschaftsminister Bernd Sibler hat einen externen Prüfbericht bei "Ernst and Young" angefordert, der die Ursachen für Insolvenz des Architekturbüros und Kostensteigerungen klären soll. Schließlich bezahlen den Löwenanteil der Sanierung Bund und Land aus Steuergeldern. Den Generaldirektor des Deutschen Museums Wolfgang Heckl abberufen, wie es hinter vorgehaltener Hand im Landtag gefordert wird, kann Sibler jedoch nicht. Das kann nur der eigene Verwaltungsrat des Hauses. Denn das Deutsche Museum ist eine Anstalt öffentlichen Rechts und damit eigenständig.

Verpassen war gestern, der BR Kultur-Newsletter ist heute: Einmal die Woche mit Kultur-Sendungen und -Podcasts, aktuellen Debatten und großen Kulturdokumentationen. Hier geht's zur Anmeldung!

Die tägliche Dosis Kultur – die kulturWelt als Podcast. Hier abonnieren!

© BR/Boris Berg

Zehn Jahre sollte die Generalsanierung des deutschen Museums in München ursprünglich dauern. Jetzt scheint eine Fertigstellung zum 100-jährigen Bestehen 2025 fraglich. Das zuständige Architekturbüro ist Insolvent, die Kosten sind explodiert.