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Deutscher Hörspielpreis der ARD geht an "Einsteins Zunge" | BR24

© Interfoto/Helga Lade

Portrait Einstein Albert 14.3.1879 - 18.4.1955 Zunge rausstreckend

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    Deutscher Hörspielpreis der ARD geht an "Einsteins Zunge"

    "Einsteins Zunge. Aus dem Nachlass meines Bruders" von Christoph Buggert wurde mit dem Deutschen Hörspielpreis der ARD ausgezeichnet. Die Jury unter dem Vorsitz von Maryam Zaree und Doris Dörrie hat das Hörspiel mit dem Hauptpreis bedacht.

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    Von
    • Katarina Agathos

    Die 17. Ausgabe des Festivals rund ums Hörspiel fand wegen der Corona-Pandemie als digitales Angebot statt. Das Sieger-Hörspiel ist eine Produktion des Liquid Penguin Ensemble für den Saarländischen Rundfunk (SR) und den Mitteldeutschen Rundfunk (MDR). Das Bild gehört zum kollektiven Gedächtnis: Albert Einstein, wie er an seinem 72. Geburtstag den Paparazzi die Zunge rausstreckt. Einsteins Geburtstagsgesicht sah Georg auch in der Mauer im Brentano-Park, ganz links, zweiter Stein von oben. Georg litt an Apophänie, überall sah er Gesichter, nicht nur das von Einstein. Der Bruder entdeckt, dass sich Georg sein Leben lang intensiv mit Wissenschaft und Glauben beschäftigt hat und auf der Suche nach Antworten auf die großen Fragen des Lebens war. Der Hauptpreis der ARD Hörspieltage ist mit 5.000 Euro dotiert und mit der Ausstrahlung in den Kulturradios der beteiligten Sender verbunden. Er gilt damit als höchstdotierte Auszeichnung für Hörspiel im deutschsprachigen Raum. Für den Deutschen Hörspielpreis der ARD konnten die Landesrundfunkanstalten der ARD, das Deutschlandradio sowie ORF und SRF jeweils ein Hörspiel einreichen.

    "Hervorragende Umsetzung dieses komplexen und klugen Textes"

    Die Jury in ihrer Begründung für "Einsteins Zunge": "'Danke für Alles, aber jetzt muss ich los, Einstein wartet, er will mir das Universum zeigen.' Mit diesen letzten Worten verabschiedet sich der Bruder des Erzählers von unserer Welt. Er hinterlässt einen schier endlos kreativen Nachlass, den der Erzähler als Anlass nimmt, sich mit dem zu beschäftigen, was hinter dem Leben seines Bruders Georg, einem erfolgreichen Geschäftsmann, verbarg. Er findet Kassetten, Briefe, Tagebücher, 811 durchnummerierte Träume, Kindheitserzählungen, philosophische wie wissenschaftliche Texte. Es waren die großen Fragen, die seinen Bruder nicht losließen und denen er mit Humor, Fantasie, aber auch gewissenhaftem Studium nachging. Wie sich uns dieser Georg nach und nach in seiner Eigenartigkeit ins Herz schließt, wie er uns auch nach seinem Tod einlädt, das Mysteriöse an unserer Existenz nicht aus den Augen zu verlieren, hat uns als Jury sehr berührt. Die Umsetzung dieses komplexen und klugen Textes von Christoph Buggert ist Katharina Bihler hervorragend gelungen. Die verschiedenen Erzählebenen fügen sich dramaturgisch fein ineinander und schaffen ein Gesamtbild, das seine Tiefe auch beim zweiten und dritten Mal Hören nicht verliert."

    Christoph Buggert wurde 1937 in Swinemünde/Insel Usedom geboren. Er wuchs in Stargard, Halle/Saale und Bremen auf. Seit den 1960er-Jahren ist er Autor von Romanen und rund 20 Hörspielen. Für sein Stück "Vor dem Ersticken ein Schrei" erhielt er 1977 den Hörspielpreis der Kriegsblinden.

    Publikumspreis geht an "Hyperbolische Körper" von Andrea Geißler

    Der mit 3.000 Euro dotierte "Deutsche Hörspielpreis – Beste schauspielerische Leistung" geht an die Schauspielerin Carina Wiese. Wiese ("Deutschland 89", "Dark", "Das schweigende Klassenzimmer") wird für ihre Darstellung der Hauptprotagonistin "Steffi" in der Radiokomödie "Die Entgiftung des Mannes" (Produktion: mdr 2019) gewürdigt.

    Gewinner des Publikumspreises in Höhe von 2.500 Euro ist das Hörspiel "Hyperbolische Körper" von Andrea Geißler nach Motiven aus Texten von Maryam Mirzakhani und Sofia Kowalewskaya, eine Produktion des hr. Bereits am Donnerstag wurden die Preisträger des ARD PinNball 2020 für die freie Hörspielszene bekannt gegeben. Die mit 1.000 Euro dotierte Auszeichnung geht an Vivien Schütz und Stefanie Heim für ihr Kurzhörspiel "Re:Produktion".

    Alle nominierten Hörspiele finden Sie hier. Für die Online-Ausgabe 2020 finden Sie hier außerdem Berichte und Interviews mit der Jury und den Macher*innen sowie Gespräche mit den Preisträgern.

    Videotalks zum Schwerpunktthema "Kunst und Klickzahlen"

    Das Hörspiel ist so beliebt wie nie zuvor, erreicht sein Publikum dabei immer stärker als ‚Audio-On-Demand‘. Neben dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk steigen zunehmend kommerzielle Plattformen nach der bisherigen Verwertung auch in die Produktion von ‚Audio Fiction‘ ein. Wie sehen die jeweiligen Distributionsstrategien aus? Videotalks geben neue Impulse.

    Außerdem ist zumindest die Studiofassung des Kinderhörspiels zu hören, das für den 8.11. als Live-Hörspiel auf der Bühne geplant war: Prinzessin Rosenblüte nach dem gleichnamigen Kinderbuch von Kirsten Boie: Am, 08.11.2020 14:05 bis 15:00 Uhr auf Bayern2.

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