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Deutsche Christen in der Türkei | BR24

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Sie kamen als Urlauber und blieben für immer: Deutsche an der türkischen Riviera. Inzwischen können sie auch offiziell ihre Religion ausüben: in einem christlichen ökumenischen Verein.

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Deutsche Christen in der Türkei

Sie kamen als Urlauber und blieben für immer: Deutsche an der türkischen Riviera. Inzwischen können sie auch offiziell ihre Religion ausüben: in einem christlichen ökumenischen Verein.

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Deësis-Mosaik in der Hagia Sophia

Es ist ein friedliches Miteinander: der katholische Pfarrer Ludger Paskert plaudert gerne mit seinen muslimischen Nachbarn. In der Altstadt von Antalya, nur wenige hundert Meter vom malerischen Hafen entfernt, kennt fast jeder die deutsche St. Nikolaus-Gemeinde. Wer hier ein- und ausgehe, das seien "ganz normale Bürger", erklärt einer der Anwohner, der gerade vor einem Teehaus sitzt. Die fremde Religion behindert die Verständigung nicht. Schließlich kennt man sich seit vielen Jahren.

Anfang der 2000er Jahre setzte sich der damalige deutsche Konsul bei den türkischen Behörden dafür ein, dass in dem schnell wachsenden Badeort Pfarrer der beiden großen deutschen christlichen Konfessionen Gläubige betreuen dürfen. Und er legte Wert darauf, dass die christliche Gemeinde mit Rechtssicherheit ihre Religion ausüben kann.

Ökumenische Gemeinde

Recep Tayyip Erdogan, damals türkischer Ministerpräsident, stimmte zu. Unter einer Bedingung: Es durfte eine Gemeinde für beide Konfessionen geben. So entstand etwas für Katholiken und Protestanten Einzigartiges: ein nach türkischem Recht eingetragener katholisch-evangelischer, also ökumenischer Verein. Es war die erste Gründung einer christlichen Gemeinde seit 1923 die türkische Republik ausgerufen wurde. So leben und beten katholische und evangelische Christen in St. Nikolaus gleichberechtigt miteinander.

In der Vergangenheit gab es zwar immer wieder Nachrichten, Christen seien in der Türkei angegriffen worden. Barbara Schellenberg, die in der Gemeinde Klavier spielt und sich von Anfang an in der Gemeinde engagierte, versichert aber, sie habe nie schlechte Erfahrungen gemacht, weder in der Kirche noch an ihrem Arbeitsplatz. Im Gegenteil: "Ich werde immer wieder angesprochen, um für Angehörige zu beten", erzählt die Österreicherin, die seit 26 Jahren in der Türkei lebt. "Es gab nicht einen einzigen Tag, an dem ich das Gefühl hatte, bei irgendetwas abgelehnt worden zu sein".

Auswanderer, Studenten und Touristen

Zu den ökumenischen Gottesdiensten kommen deutsche Rentner, aber auch Studenten im Auslandssemester und im Sommer immer wieder auch Touristen. Sein Gehalt erhält Pfarrer Paskert von der katholischen Kirche in Deutschland. Aber es gibt auch Unterstützung vom türkischen Staat: Weil die Kirche als Verein angemeldet ist, hat St. Nikolaus einen ähnlichen Status wie Moscheen. Und weil die Kirche auf der Liste aller Gotteshäuser in Antalya steht, schickt die Stadtverwaltung jeden Monat eine Putzkolonne vorbei.

Bei politisch sensiblen Themen, wie etwa Menschenrechte in der Türkei, herrscht allerdings Zurückhaltung unter den Gemeindemitgliedern. Wohl aus der Sorge heraus, dies könnte zu Schwierigkeiten mit den Gastgebern führen. Vor allem aber sei man nicht missionarisch tätig, bekräftigt Pfarrer Ludger Paskert. Vielmehr sind die Gemeindemitglieder von St. Nikolaus dankbar, dass sie ihre Religion uneingeschränkt ausüben können. Denn auch das trägt dazu bei, dass sie sich in der Türkei heimisch fühlen.