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Deshalb startet Albert Ostermaier ein neues Literaturfestival | BR24

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Will mit der "Gruppe 2020" der Kultur wieder eine Stimme geben: Albert Ostermaier hat das internationale Literaturfestival in Nürnberg gegründet

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Deshalb startet Albert Ostermaier ein neues Literaturfestival

Die Literatur wieder sichtbar machen sowie Nürnberg bei der Bewerbung als Europäische Kulturhauptstadt unterstützen: Das will der Münchner Autor Albert Ostermaier mit dem Literaturfestival "Raise Your Voice" erreichen – und mit der "Gruppe 2020".

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"Raise Your Voice", erhebe deine Stimme, so nennt der Münchner Dramatiker, Dichter und Romancier Albert Ostermaier ein Festival, das er in wenigen Tagen in Nürnberg veranstalten wird und das Nürnberg dabei helfen soll, sich bei der Bewerbung als Europäische Kulturhauptstadt 2025 durchzusetzen. Ein Festival "für Demokratie und Vielstimmigkeit". Knut Cordsen hat mit Albert Ostermaier gesprochen.

Knut Cordsen: Es ist ein internationales Literaturfestival, das da ab dem 22. Oktober in Nürnberg stattfinden soll. Welcher Gedanke steht dahinter?

Albert Ostermaier: Der Gedanke bei diesem Festival ist, dass wir diese Vielstimmigkeit positionieren, dass wir in die Stadt gehen, dass wir eine Topografie der Stimmen, der Hintergründe dieser Stadt aufzeichnen und somit auch eine politische Position haben, dass wir sie zur Sprache bringen und laut werden lassen. Wir sind jetzt natürlich durch Corona wie viele andere kulturelle Institutionen auch beeinträchtigt worden. Das heißt, wir werden nur einen speziellen Aspekt, nämlich den mit der "Gruppe 2020", jetzt realisieren können. Aber dieses Festival versteht sich als Prozess und soll Jahr für Jahr wachsen. Der hat begonnen, und den möchten wir jetzt starten, wenn nicht auf der Zielgeraden noch etwas passiert.

Dieses Treffen der "Gruppe 2020" organisieren Sie zusammen mit der Literaturkritikerin Sandra Kegel von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Das ist ja schon ein bisschen her mit der Gründung der "Gruppe 47", zuletzt hat Günter Grass mit seinem jährlichen Lübecker Literaturtreffen diese Art literarischer Gruppenbildung betrieben. Was für eine Gruppe soll die "Gruppe 2020" sein?

Diese Gruppe soll vor allem eine Gruppe der Vielstimmigkeit sein. Wir wollen in dieser Gruppe eigentlich mit einem Defizit aufräumen, nämlich mit dem Defizit, dass diese Vielstimmigkeit der Literatur nicht mit einer Stimme sprechen kann. Ich denke, es ist jetzt in diesen Zeiten umso wichtiger, dass wir uns positionieren. Gerade im europäischen Kontext. Was geht uns verloren, was riskieren wir? Wie verorten wir die Literatur in unserer Gesellschaft und die Notwendigkeit und die Systemrelevanz von Literatur? Und dafür ist es ganz wichtig, dass wir uns hier sichtbar machen. Ich denke, die Kultur wurde in Vielem unsichtbar. Sie hat sich nicht mehr nach außen hin übersetzt in dem, was sie der Gesellschaft bringen kann, welchen Wert sie hat. Und wie wirklich überlebensnotwendig für uns, den Diskurs und die Demokratie gerade die Kultur und die Literatur sind.

Das wird aber im Wesentlichen eine geschlossene Veranstaltung sein.

Wir müssen natürlich dem Umstand Rechnung tragen, dass wir uns nicht so in die Stadt vernetzen können, wie wir das erhofft haben, wie das geplant war, sondern wir werden in der Gruppe wirklich einen Großteil der Zeit unter uns zusammen sein. Auch um einen geschützten Diskurs zu haben, dass nicht alles sofort veröffentlicht wird, sondern dass wir auch eine Chance haben, miteinander zu streiten, zu debattieren, Zeit zu haben und somit eigentlich auch zu dem zu kommen, was wir gemeinsam erzählen wollen, und hier einen Kontext neu zu schaffen. Die Idee ist, dass wir dann eine Abendveranstaltung haben, die es uns ermöglicht, das auch nach außen zu tragen. Und es ist natürlich schwierig, mit 16 Autoren, die nach den neuen Vorgaben alle nur zwei Stunden haben, sich zu zeigen. Aber die Idee ist, dass wir weiter in Kontakt bleiben, dass diese Gruppe wächst, dass wir über das Jahr hinweg quasi eine virtuelle Factory haben, wo wir das zeigen, was wir machen. Das Festival wird auf jeden Fall weitergehen, wir wollen nächstes Jahr auch hier einen Ort schaffen, wo Gespräche, Diskussionen, Ausstellungen, Filme laufen und wo diese ganzen Aspekte, die wir vertreten, gezeigt werden können.

Das Ganze soll ja bis 2025 gehen, also bis in das Jahr hinein, in dem dann Nürnberg hofft, den Titel "Europäische Kulturhauptstadt" tragen zu können. Das heißt, es wird jährliche Treffen geben?

Ja. Ob Nürnberg diesen Zuschlag bekommt, wird sich ja schon am 28. Oktober entscheiden. Aber das zweite Jahr des Festivals ist auf jeden Fall gesichert, und ich hoffe, dass wir das wirklich auch bis 2025 weitermachen können. Und dass wir in Nürnberg diesen Ort haben, der dafür steht, dass die Literatur sich hier formiert hat und hier eine Bühne schafft für diese Vielstimmigkeit.

Wer wird denn kommen? Welche Schriftstellerinnen und Schriftsteller, Kritiker und Kritikerinnen werden anreisen?

Wir haben Nora Bossong dabei, Joshua Groß, Olga Grjasnowa, Deborah Feldman, Giulia Caminito, Davide Enia, Gian Maria Cervo – einen Italien-Schwerpunkt –, Lola Randl, Ijoma Mangold, Kathrin Röggla, Marie Schmidt, Simon Strauß, Jüri Reinvere, Friedrich Ani, Christian Metz. Und Nuran David Calis ist auch dabei. Sie sehen, wir haben ein ganz breites Spektrum, wir haben alle Gattungen. Und ich verspreche mir sehr, sehr viel davon, wenn die dann, moderiert von Sandra Kegel, in die Debatte gehen, in den Infight und in die Positionierungen.

Das Nürnberger Festival "Raise Your Voice" findet vom 22. bis 25. Oktober statt, u.a. wird es auch eine öffentliche Lesung in der Nürnberger Tafelhalle am 24.10. geben.

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