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Kindheitsdämmerung: Ein Film feiert den wunderbaren Fred Rogers | BR24

© Bild: Sony Pictures / Audio BR

Fred Rodgers war der Märchenonkel für Generationen von US-Kindern – von 1968 bis 2001 trat er regelmäßig im Fernsehen auf. In dem Film "Der wunderbare Mr. Rogers" schlüpft Tom Hanks in Rogers TV-Uniform.

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Kindheitsdämmerung: Ein Film feiert den wunderbaren Fred Rogers

Strickjacke statt Latzhose: Fred Rogers ist die US-Version von Peter Lustig. Über 30 Jahre erklärte er in der Vorschulserie "Mr. Rogers' Neighborhood" US-Kindern die Welt. Eine DVD würdigt postum den Helden des Alltags, in der Hauptrolle: Tom Hanks.

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Auch wenn es auf den ersten Blick kaum Ähnlichkeit zwischen Fred Rogers und Tom Hanks gibt: Regisseurin Marielle Heller hätte keine bessere Wahl für den Hauptdarsteller ihres neuen Films treffen können. Wer ein Porträt über den freundlichsten Fernsehonkel der USA macht, hat mit der umarmenden Herzlichkeit von Hollywoodstar Tom Hanks eine perfekte Ausgangsbasis. Addiert man eine rote Strickjacke, blaue Stoffschuhe und den Song "A Beautiful Day in the Neighborhood" hinzu, vollzieht sich die Verwandlung ohnehin wie von selbst.

Ein angenehm temperierter Nostalgie-Swimmingpool

Mehr als 30 Jahre, von 1968 bis 2001, hat Fred Rogers seine Fernseh-Uniform übergestreift und mit diesem Song seine Sendung für Vorschulkinder eröffnet. Logisch also, dass ein Film über die amerikanische TV-Ikone ebenfalls mit dieser Szene beginnt. Zum einen befördert sie Fred-Rogers-Fans in einen angenehm temperierten Nostalgie-Swimmingpool. Zum anderen weckt sie gesunde Skepsis bei all jenen, die von diesem aus der Zeit gefallenen älteren Herrn noch nie gehört haben und sich fragen, ob sie diese Wissenslücke überhaupt füllen sollen. Denn die "Achtung, Kitsch!"-Warnleuchte, sie blinkt von Anfang an verdächtig, wenn es etwas pathetisch heißt: "In unserer Sendung versuche ich durch die Kamera in die Augen eines einzelnen Kindes zu sehen."

Auch Lloyd Vogel weiß nicht, was er mit diesem Fred Rogers anfangen soll. Der Journalist ist die eigentliche Hauptfigur in "Der wunderbare Mr. Rogers". Als Investigativ-Reporter des Magazins "Esquire" hat er sich einen gewissen Ruf erschrieben: Er nimmt die Personen, die er porträtiert, auseinander, schreibt keine Lobhudeleien, sondern sucht die oft bewusst versteckte Wahrheit hinter der öffentlichen Fassade. Deswegen will sich kaum noch jemand von ihm interviewen lassen. Außer Fred Rogers.

Der Bob Ross der frühkindlichen TV-Erziehung

Als Vogel den "nettesten Menschen, den er getroffen hat" auf seine Manier befragen möchte, bittet ihn sogar seine Frau inständig, er möge ihr nicht ihre Kindheit ruinieren. Vogels Frau stellt diese Bitte stellvertretend für Millionen andere Amerikaner. Denn Fred Rogers war und ist so etwas wie der Bob Ross der frühkindlichen TV-Erziehung: ein von vielen belächeltes, aber von ebenso vielen innig geliebtes Nationalheiligtum.

Wie groß und allumfassend diese Verehrung ist, wird im Film unzählige Male betont, mit einer Szene aber besonders hervorgehoben: Rogers und Vogel fahren gemeinsam mit der New Yorker U-Bahn, als plötzlich eine Gruppe Schulkinder die Titelmelodie von Rogers Sendung anstimmt und nach und nach alle Personen im Waggon mitsingen – jung und alt, schwarz und weiß, Polizisten, Anzug- und Hoodieträger.

Mischung aus Fakten und Fiktion

Was klingt wie ein sentimentaler Drehbuch-Faux-Pas, hat sich tatsächlich ereignet. Denn die Basis des Films ist ein mehrseitiger "Esquire"-Artikel, Ende der 90er-Jahre verfasst von Tom Junod. Der Investigativ-Reporter ist das reale Vorbild für die Filmfigur Vogel: Ein Zyniker, der den Alltagsheldenstatus von Fred Rogers hinterfragen und wenn nötig demontieren wollte, schlussendlich aber einen Freund fürs Leben fand.

Artikel und Film zeichnen das Märchenonkel-Auftreten von Fred Rogers in aller Deutlichkeit nach, machen sich aber nie über ihn lustig, sondern zollen ihm und seiner eigentümlich einnehmenden Art ehrlichen Tribut. Auch wenn sich der Film dramaturgische Freiheiten erlaubt und dem Journalisten ein zerrüttetes Familienverhältnis andichtet, das von Rogers gekittet wird: Die Mischung aus Fakten und Fiktion funktioniert, die befürchtete Grenzüberschreitung zum Kitsch findet nicht ansatzweise statt. Und das anvisierte Ziel – na klar: das Herz! – wird schon weit vor Ende des Films getroffen.

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