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Leihmutter Sweta bereitet sich auf ihre dritte Leihmutterschaft vor.

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    Der vermietete Bauch: Ukrainische Leihmütter und deutsche Eltern

    Eine Leihmutter – für Paare oft die letzte Chance, eigene Kinder zu bekommen. "Stationen" hat Eltern aus Deutschland auf ihrem Weg zum Wunschkind begleitet und in der Ukraine Leihmütter getroffen, die mit ihrer Schwangerschaft Geld verdienen.

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    Von
    • Anna Dannecker
    • Lena Appel
    • Katrin Nöbauer
    • Mariia Fedorova
    • Sabine Winter

    Seit acht Jahren versuchen Miriam und Simon aus Bayern (Namen geändert), ein Kind zu bekommen. Sie haben mehrere künstliche Befruchtungen und Adoptionsversuche hinter sich, vergeblich. Letzter Ausweg für sie: Leihmutterschaft. Miriam liefert die Eizelle, Simon das Spermium. Eine fremde Frau soll ihr Baby austragen. Doch in Deutschland ist das verboten. In der Ukraine nicht. Und so hat sich die Ukraine in den vergangenen Jahren zur Top-Destination für internationale Leihmutterschaft entwickelt.

    Das Geschäft mit Leihmüttern: So funktioniert es

    Paare aus Deutschland müssen nachweisen, dass sie selbst kein Kind bekommen können. Sie wenden sich an eine Vermittlungsagentur in der Ukraine, die alle geschäftlichen und medizinischen Vorgänge koordiniert. Die Agentur sucht zunächst eine geeignete Leihmutter für die Eltern. Sie muss körperlich gesund sein, psychisch stabil und mindestens ein eigenes Kind haben.

    Dann wird der Leihmutter ein im Reagenzglas gezüchteter Embryo eingesetzt, der sich aus der Eizelle und dem Spermium der Eltern zusammensetzt oder von Spenderinnen oder Spendern kommt. Eine beauftragte Klinik überwacht in der Regel alle medizinischen Prozesse während der Schwangerschaft. Die Eltern zahlen für den Service 35.000 bis 70.000 Euro an die Agentur. Nur etwa ein Drittel davon geht an die Leihmutter.

    Ein Job für junge Frauen aus der Ukraine

    Für junge Frauen wie Sweta ist es eine gut bezahlte Arbeit, in einem Land, in dem fast die Hälfte aller Menschen von Armut betroffen ist. Die 27-Jährige kommt aus Pawlograd, 500 Kilometer östlich von Kiew. Etwa 17.000 Euro hat sie letztes Jahr verdient, als sie ein Baby für chinesische Eltern zur Welt gebracht hat. Davon konnte sie sich eine eigene Wohnung für ihren Mann und ihre zwei Kinder leisten, doch von dem Geld ist nichts mehr übrig. Jetzt will Sweta wieder Leihmutter werden – zum dritten Mal.

    Babys als Ware: Moralisch und rechtlich vertretbar?

    Auf den ersten Blick eine Win-Win-Situation. Beiden Seiten winkt scheinbar ein besseres, ein erfülltes Leben. In Deutschland lehnen allerdings wichtige Akteure aus Politik, Wissenschaft und Kirche Leihmutterschaft ab. Die evangelische Kirche sagt zum Beispiel: "Schwangerschaft und das zu gebärende Kind dürfen nicht zur Ware gemacht werden." Paare wie Miriam und Simon, die ihr Kind kurz nach der Geburt durch eine Leihmutter in Kiew abholen, haben immer wieder mit moralischen Bedenken zu kämpfen. Hinzu kommen rechtliche Hürden bei der Anerkennung der Mutterschaft in Deutschland.

    Ausbeutung und Ausweg zugleich

    Der Alltag der ukrainischen Leihmütter wiederum oft ist von Vorurteilen und Auflagen geprägt. Strenge Verträge regeln medizinische Behandlungen, Sexualverhalten und vieles mehr. Sweta trimmt ihren Körper für den erneuten Einsatz als Leihmutter mit Hormonen und reist für Untersuchungen in Kiew durch die halbe Ukraine. Sie muss pünktlich schwanger werden, will neun Monate ein ausländisches Kind im Bauch tragen, es abgeben, Geld verdienen – Geld, das sie braucht, um damit ihrer Familie eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

    Mehr zum Thema "Der vermietete Bauch: Wie ukrainische Leihmütter für deutsche Wunscheltern arbeiten" in STATIONEN am Mittwoch, 28. Juli 2021 im BR-Fernsehen und in der BR-Mediathek.

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