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Der Sonntagsschutz: ein altes Kulturgut durch Corona in Gefahr? | BR24

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Bildrechte: picture-alliance/ dpa | Rolf Haid

Vor 1.700 Jahren hat Kaiser Konstantin den Sonntag zum reichsweiten Feiertag erhoben. Doch wie lange noch bleibt der Sonntag geschützt? Kirchen und Gewerkschaften kritisieren die zunehmende Aushöhlung des Sonntagschutzes.

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Der Sonntagsschutz: ein altes Kulturgut durch Corona in Gefahr?

Heute vor 1.700 Jahren hat der römische Kaiser Konstantin den Sonntag zum reichsweiten Feiertag erhoben. Doch wie lange noch bleibt der Sonntag geschützt? Kirchen und Gewerkschaften kritisieren die zunehmende Aushöhlung des Sonntagschutzes.

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Von
  • Barbara Weiß
  • Markus Kaiser

Ein Tag pro Woche Arbeitsruhe und zur seelischen Erhebung: In Artikel 140 des Grundgesetzes ist der Sonntagschutz verankert. Nur unbedingt notwendige Tätigkeiten sind am Sonntag erlaubt, eigentlich. Die Realität sieht anders aus. Wegen Corona wird das Büro in die eigenen vier Wände verlegt, und damit rund um die Uhr nutzbar.

"Es schleicht sich ein, Büromenschen sind kaum noch geschützt vor Sonntagsarbeit", meint Philipp Büttner vom Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt der evangelischen Landeskirche. "Sie müssen selber schauen, dass sie ihre Geräte abschalten. Aber an keinem anderen Tag ist es so leicht, dass man nicht zurückruft oder Mails nicht beantwortet."

Schützt Euren Sonntag!

Eigenverantwortung im Home-Office ist sicher wichtig. Wer aber beispielsweise im Einzelhandel tätig ist, muss an einem verkaufsoffenen Sonntag arbeiten und den einzigen gemeinsamen Familientag der Woche opfern. "Für mich persönlich bedeutet der Sonntag alles. Das fängt schon mit dem Frühstück an, dann mache ich eine Fahrradtour mit meiner Tochter", erzählt eine Verkäuferin aus Nürnberg. "Es ist der einzige Tag, an dem wir als Familie zusammen sind. Es gibt doch wirklich genug Zeit, einzukaufen und die, die noch nicht genug haben, können das auch online erledigen."

Bernd Ohlmann vom bayerischen Handelsverband dagegen ist überzeugt, dass verkaufsoffene Sonntage nach dem Ende des Lockdowns nicht nur den Einzelhändlern gut tun würden. Er fordert eine Ausnahmeregelung. "Es geht nur um die Möglichkeit, für Einzelhändler da zu sein. Die Menschen lechzen nach einkaufen, da wäre ein verkaufsoffener Sonntag schon gut." Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kann sich zusätzliche verkaufsoffene Sonntage durchaus vorstellen. Derzeit sind maximal vier pro Kommune und Jahr erlaubt.

Wird der Sonntagsschutz ausgehöhlt?

Gewerkschaften und kirchliche Arbeitnehmerverbände sehen das kritisch. Städte mit vielen Geschäften und attraktiven Shoppingangeboten würden davon ungleich mehr profitieren. Außerdem befürchten sie einen Dammbruch in Sachen Sonntagsschutz. Gerade die Krise habe gezeigt, dass Menschen sowohl Strukturen als auch soziale Kontakte brauchen.

Das gelte es zu schützen, meint Michael Wagner von der Katholischen Arbeitnehmer Bewegung KAB. "Sonntag ist ein Tag, an dem man sich treffen soll, man braucht gemeinsame Zeiten. Nicht nur im kirchlichen Bereich, auch in Vereinen und Kulturbetrieben."

Die Allianz für den freien Sonntag, ein Bündnis von ver.di und kirchlichen Arbeitnehmerverbänden, sieht den Sonntag durch die Pandemie besonders bedroht. Das habe nichts mit dem Online-Shopping-Boom zu tun. Auch in Online-Shops darf sonntags in der Regel nicht gearbeitet werden. Zurecht findet Philipp Büttner vom Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt. "Darum wollen wir deutlich machen: Das ist ein Kulturerbe, das dürfen wir nicht preisgeben - auch nicht in der Corona-Krise."

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