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Carl Strathmann: "Satan" (1896)
© Münchner Stadtmuseum

Autoren

Stefan Mekiska
© Münchner Stadtmuseum

Carl Strathmann: "Satan" (1896)

Carl Strathmanns Kunst ist eine der virtuos ausgeführten Ornamente. Da ist er zur damaligen Zeit nicht allein: Man denke nur an den viel berühmteren Gustav Klimt. Ausstellungskurator Nico Kirchberger beschreibt die sofort augenscheinliche Seite von Strathmanns Kunst. "Ich glaube, es geht ihm da um den Schmuckwert der Bilder. Horror vacui trifft es wie den Nagel auf den Kopf, denn es bleibt keine Stelle frei. Es ist eine Detailversessenheit bei ihm, eine Ornamentverliebtheit." Er kreiere die immer wieder neu. Er gehe nie nach einer Schablone vor. Und: Es sei unbedingt geraten, genau hinzuschauen, weil man unglaublich viel entdecken kann.

Ein Depotfund

Nico Kirchberger konnte aus dem Vollen schöpfen. Seit den 1960er-Jahren liegt der gesamte Nachlass des 1939 verstorbenen Malers in den Depots des Museums. Tochter Alice, übrigens die Schauspiellehrerin von Dieter Hildebrandt, hatte ihn der städtischen Sammlung überlassen. Seitdem war er ein ungehobener Schatz von 450 Kunstwerken – bis vor zwei Jahren Nico Kirchberger ans Haus kam. Er bestätigt: "Da schaut man, was für Schätze liegen da, was für Arbeiten gibt es hier im Haus. Da bin ich relativ früh auf den Strathmann gestoßen, eine faszinierende, schillernde Persönlichkeit." Das Stadtmuseum besitzt Werke aus allen seinen Schaffensphasen von toller Qualität. Von kleinformatigen Zeichnungen angefangen bis zu Aquarellen und großformatigen Ölgemälden.

Einst Mittelpunkt der Münchner Künstlerszene

Carl Strathmann war nicht irgendwer: Mitglied der Münchner und der Berliner Secession, Mitarbeiter der Zeitschriften PAN und Jugend, befreundet mit Lovis Corinth und Thomas Theodor Heine. Indes: Lange arbeitete der Künstler, Sohn aus wohlhabendem Haus, nur für sich, entwarf sogar Teppiche und Tapeten nur zum eigenen Zeitvertreib. Er musste nichts verkaufen. Dadurch geriet sein Werk kaum in den Kunsthandel – und sein Name wenig hinaus in die Welt. Erst in der Zeit des Ersten Weltkriegs verkaufte er etliche dekorative Blumenstillleben. Ein origineller, witziger Künstler ist Strathmann in jedem Fall gewesen - und bei jedem Thema: "Das tritt in fast allen seiner Werke zu Tage - Humor. Für seinen Witz war er bei seinen Zeitgenossen berühmt, berüchtigt. Wie gesagt, die kleinsten Details sind oftmals lustige Fabelwesen, ganz drollig, einfach amüsant. Die sollen nicht erschrecken oder ästhetisch beeindrucken, sondern es macht Spaß. Und ich hoffe auch, dass in der Ausstellung durchaus viel gelacht wird", so Kurator Nico Kirchberger.

Carl Strathmann, der Dandy und Weinkenner, der im wahrsten Sinne des Wortes einmalige Jugendstil-Künstler, hat von 1890 bis zu seinem Tod 1939 in München gelebt. Höchste Zeit, dass sein Lebenswerk jetzt in allen Schattierungen im Stadtmuseum wiederentdeckt wird!

Die Ausstellung im Stadtmuseum München läuft bis zum 22. September 2019

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Autoren

Stefan Mekiska

Sendung

kulturWelt vom 15.03.2019 - 08:30 Uhr