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Der schwierige Umgang mit NS-Beutekunst | BR24

© Staatliche Graphische Sammlung München

Rudolf von Alt, "Das Arbeitszimmer des Künstlers", 1905 (Ausschnitt)

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    Der schwierige Umgang mit NS-Beutekunst

    Heute wird das Aquarell "Arbeitszimmer des Künstlers" rückerstattet - und bleibt der Öffentlichkeit doch erhalten. Die salomonische Lösung ist die Ausnahme. Vier Jahre nach dem "Fall Gurlitt" bleibt der Umgang mit Beutekunst umstritten.

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    1912, zum hundertsten Geburtstag des Malers Rudolf von Alt, war sein Aquarell "Das Arbeitszimmer des Künstlers" in Wien erstmals öffentlich zu sehen. Eigentümer des kunsthistorisch bedeutsamen Werks: Stephan Mautner, Industriellensohn und Schüler des Künstlers.

    Bild soll verkauft und zur Dauerleihgabe werden

    In der NS-Zeit verschwand das Bild, um schließlich in der Staatlichen Graphischen Sammlung München wieder aufzutauchen. Heute will Bayerns Kunstminister Ludwig Spaenle (CSU) das Werk in München an die rechtmäßigen Erben zurückgeben. Dem Münchner Publikum wird es dennoch nicht verloren gehen: Die Familie Mautner ist bereit, das Aquarell der Ernst von Siemens Kunststiftung zu verkaufen, die es der Sammlung als Dauerleihgabe zur Verfügung stellt.

    Der Jahrhundertfund der Sammlung Gurlitt hatte im Februar 2012 die Provenienzforschung zur Raubkunst neu in den Blick gerückt. Bayern bastelte eilends eine "Lex Gurlitt", in Berlin macht sich eine 15-köpfige Taskforce an die Arbeit - und stellt vier Jahre später recht bescheidene Resultate vor: Nur fünf von 499 verdächtigen Werken aus Gurlitts Besitz könnten eindeutig als Raubkunst klassifiziert werden.

    Doch es geht weiter. Der Fall Gurlitt hat mehr als einen Stein ins Rollen gebracht. Inzwischen steigen Museumsmacher und Provenienzforscher überall in Deutschland in ihre Depots, um die Bestände auf unrechtmäßig erworbenen Besitz zu prüfen.

    Provenienzforschung mit Problemen

    Es ist aber nicht nur die Tücke der Objekte, die die Aufklärung schwierig macht. Provenienzforscher Stephan Klingen vom Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München etwa weist darauf hin, dass die finanzielle Ausstattung der Forschungsprojekte mit den hehren Ankündigungen der Politik nicht immer Schritt hält. Auch dass die Museen selbst für die Durchleuchtung ihrer Bestände zuständig sind, findet Klinger nicht optimal. In Österreich beispielsweise sei dafür eine Kommission beim Bundeskanzleramt angesiedelt.
    So ist, gemessen an der Zahl vermuteter Beutestücke, die saubere Aufarbeitung wie im Fall Rudolf von Alt noch immer selten - zu selten, wie etwa die Opfervertretung Claims Conference beklagt.