Ein Mann vor einem monumentalen Gemälde
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Franz Gertsch 2019 bei der Ausstellung "Gertsch – Gauguin – Munch" im Museo d'Arte della Svizzera italiana MASI in Lugano

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Der Schweizer Maler Franz Gertsch ist tot

Gigantisch und oft hyperrealistisch sind seine Gemälde. Für seine monumentalen Formate hat sich der Schweizer Maler in Burgdorf im Kanton Bern sein eigenes Museum geschaffen. Jetzt ist Franz Gertsch im Alter von 92 Jahren gestorben.

Schnappschüsse auf eine große Leinwand projizieren und nachmalen: Das war lange die Spezialität des Schweizer Malers. Entdeckt hat Franz Gertsch seine Leidenschaft dafür Anfang der 70er-Jahre, als er ein Foto eines wartenden Paares in einem Riesenformat mit Acryl auf die Leinwand bannte. Diese hyperrealistischen Gemälde haben den Schweizer berühmt gemacht – nicht zuletzt weil er seinem Publikum gleich die Erklärung für diese Malweise mitlieferte: "Es wurde damals für mich wichtig", sagte er, "dass ich mich durch das Medium der Fotografie auch von einer allzu starken Emotionalität freimachen konnte. Ich konnte gleichsam die Verantwortlichkeit für die dargestellten Dinge ablegen." Gertsch wurde 1972 auf der documenta 5 in Kassel gefeiert.

Patty Smith Porträts

Ein eigener Stil, die eigene Handschrift galt in den 70ern als obsolet, mit dem anderen Medium, mit dem Foto waren Ausschnitt und Perspektive gesetzt und so konnte Gertsch sich auf die akribische Kopierarbeit im Großformat konzentrieren. Doch der Künstler hatte auch was zu sagen: Nach seinen fotorealistischen Arbeiten wagte sich Gertsch mit seinen Vietnambildern mitten ins Feld der politischen Kunst. Ende der 70er-Jahre machte er zunehmend Porträts: Berühmt wurde sein Zyklus der Rockmusikerin Patty Smith.

Franz Gertsch blieb nicht bei einem Stil, sondern testete immer wieder neue Techniken aus: Von 1986 bis 1994 konzentrierte er sich ganz auf Holzschnitt-Arbeiten – wiederum gigantisch, etwa das Triptychon "Schwarzwasser", in dem alle drei Teile jeweils 237 x 185cm groß sind.

Anerkennung durch Teilnahme an documenta 5

Franz Gertsch ist 1930 in Mörigen in der Schweiz geboren. Seit seiner Teilnahme an der documenta 5 fand er viel internationale Anerkennung, hatte große Ausstellungen in München, Wien und Zürich.

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