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Kultur

"Der Papyrus des Caesar" - Neue Story um Datenklau im alten Rom | BR24

© EHAPA-Verlag

"Der Papyrus des Caesar"

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    "Der Papyrus des Caesar" - Neue Story um Datenklau im alten Rom

    Jean-Yves Ferri und Didier Conrad traten schon 2013 das schwere Erbe der Asterix-Schöpfer an. Ab heute gibt's ihre lang erwartete neue Geschichte zu kaufen. Richard Oehmann hat sie für die Bayern2-Kulturwelt gelesen - und ist nicht begeistert...

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    Die Story

    Julius Cäsar will gerade seinen Bestseller „Kommentare zum gallischen Krieg“ veröffentlichen, da empfiehlt ihm sein Berater Syndicus, auf ein bestimmtes Kapitel lieber zu verzichten. „Streiche diesen Teil, O Cäsar!“ Darin berichtet der Imperator nämlich von seinen leidigen Erfahrungen mit einem gallischen Dorf, das sich partout nicht erobern lassen will. Das Buch wird ein Erfolg, doch ein subversiver Gallier namens Polemix bekommt das gestrichene Kapitel in die Finger und bringt es stracks zu jenem Dorf, das Cäsar so gern verschweigen möchte. Für Syndicus gilt es nun, die Papyrusrolle zurückzugewinnen, um zu verhindern, dass ein Enthüllungsskandal das gesamte Reich erschüttert.

    Es geht also um Information und Kommunikation, um Lauschangriffe, Taubenpost und römische Adlerbotschaften, wobei die Gallier lieber auf oral history, Getrommel und das Röhrophon setzen. Polemix sieht übrigens so aus wie Julian Assange, und überdies tauchen die römischen Namen Datenflus und Antivirus auf, sowie ein numidischer Schreiber namens Bigdatha.

    Asterix gehört zum Bildungskanon

    Die Geschichten vom unbeugsamen gallischen Dorf waren einst eine glänzende Waffe, um verstockte Lehrer oder Eltern zu überzeugen, für die Comics grundsätzlich nur Schund enthielten. Bei Asterix wurde ja sogar Latein gesprochen. Frankophile Menschen berichten überdies gern, dass das Alles im Original ja viel politischer und anspielungsreicher sei als in der deutschen Übersetzung. Doch Latein und Satire waren in Wahrheit wurscht. Man hat Asterix deswegen und wieder und wieder gelesen, weil es einfach fidele, groteske Abenteuerkomödien waren. Insofern ist Band 36 vielleicht kein neues Meisterwerk, dürfte aber die eisernen Anhänger weiterhin hoffnungsfroh stimmen, auch wenn Asterix und Obelix lediglich einen Botengang zu erledigen haben. Die schon leidigen Standardgags wie die Fischschlägerei, die Piraten oder Obelixens Wildschweinsucht werden relativ elegant abgehakt. Überdies gibt es ein paar possierliche Nebenmotive, zum Beispiel ein keltisches Baumhoroskop, das Obelix in Verwirrung stürzt. Aber ach, man ist halt nicht mehr zwölf genug!

    Asterix - und Wikilix

    Aktuelle Zwölfjährige könnten sich beim Lesen durchaus noch den Kopf runterlachen, der griechische Astrologe Semmelklos z.B. dürfte seine Wirkung nicht verfehlen. Eine hellsichtige Satire, wie sie der Verlag vielleicht gern hätte, darf man nicht erwarten. Die moderne Welt ist ohnehin viel schneller als antike Comics. Jede Strickzeitungskolumnistin hat sich längst schon Scherze über wikileaks erlaubt, und die meisten Themen haben ansonsten die Simpsons final bearbeitet. Insofern könnte man allmählich fragen, ob denn so ein neuer Asterix wirklich noch ein Aufmerken wert ist, oder ob man ihn endlich genauso übersehen darf wie die aktuelle kommerzielle Aufpeppung der Peanuts, den nächsten Batman oder das neue Album von Udo Lindenberg.