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Große Träume, große Stimme: "Wild Rose" mit Jessie Buckley | BR24

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Eigentlich will sie Country-Sängerin werden, wären da nicht die Gefängnisstrafe und zwei Kinder. Im neuem Film "Wild Rose" mit Jessie Buckley geht es um Geschichte vom Griff nach den Sternen - ausnahmsweise wird daraus aber mal kein Klischee-Quatsch.

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Große Träume, große Stimme: "Wild Rose" mit Jessie Buckley

Eigentlich will sie Country-Sängerin werden, wären da nicht die Gefängnisstrafe und zwei Kinder. Im neuem Film "Wild Rose" mit Jessie Buckley geht es um Geschichte vom Griff nach den Sternen - ausnahmsweise wird daraus aber mal kein Klischee-Quatsch.

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Rose-Lynn braucht nicht viel, um in Fahrt zu kommen. Den 50er-Jahre-Country-Klassiker „I'm Moving On“ von Hank Snow auf den Ohren, dazu ein, zwei, fünf ordentliche Schluck Whisky und schon kann es losgehen. Das Staubsauger-Kabel ist ihre Peitsche, die Villa, in der Rose-Lynn als Hausmädchen arbeitet, ihre großzügige Arena. Nur die Sache mit dem richtigen Publikum zur richtigen Zeit hat die passionierte Hobbysängerin noch nicht im Griff.

So sehr es sich Rose-Lynn auch wünscht: Die junge Schottin schafft es einfach nicht, sich ihre Welt so zu machen, wie sie ihr gefällt. Sie ist allein erziehende Mutter, würde aber lieber leben wie eine ungebundene Zwanzigjährige. Sie arbeitet als Putzfrau, wäre aber lieber Countrystar. Und sie lebt in Glasgow, wäre aber lieber in der Stadt ihrer Träume Nashville.

© 2019 eOne Germany

"Nebenbei" ist die Country-Sängerin alleinerziehende Mutter: Szene aus "Wild Rose"

Der Griff nach den Sternen

Es ist die altbekannte Geschichte vom Griff nach den Sternen, der in dem Musik-Drama „Wild Rose“ erzählt wird. Der Vergleich mit dem erst im letzten Jahr erneut verfilmten Klassiker „A Star Is Born“ liegt nahe, trifft aber nicht den Kern dieses wunderbaren Independent-Films. Zwar geht es auch in „Wild Rose“ um eine begnadete Sängerin aus der Unterschicht, die von der großen Bühne träumt, doch eine handlungsleitende Liebesgeschichte ist nirgends in Sicht. Zum Glück. Denn diesen Klischee-Quatsch hat man nun wirklich zu oft gesehen.

Atmosphärisch hat “Wild Rose“ weit mehr mit „Billy Elliot“ gemein – jenem warmherzigen britischen Sozialdrama, in dem ein Elfjähriger gegen alle Konventionen seinen Traum von einer Ballettausbildung verfolgt. Doch die Hürden, die Rose-Lynn zu nehmen hat, sind noch größer – schließlich hat die 23-Jährige zwei Kinder, um die sie sich kümmern sollte. Der permanente Konflikt zwischen Rose-Lynn und ihrer eigenen Mutter ersetzt nicht nur das zuvor bereits erwähnte Fehlen einer Liebesgeschichte, er führt auch zu einem Fakt mit Seltenheitswert: „Wild Rose“ besteht mit Bravour den Bechdel-Test, ist also einer jener Filme, in dem Frauen wirklich ernst genommen werden – und das ohne wie verrückt mit der Feminismus-Flagge zu wedeln. Denn so wichtig die sozialen Probleme für den immer wieder Haken schlagenden Handlungsverlauf auch sind: Im Vordergrund von „Wild Rose“ steht die Musik. Sie ist der Motor, der die von Jessie Buckley sowohl gesanglich als auch darstellerisch umwerfend verkörperte Hauptfigur am Laufen hält.

Singen gegen die Sprachlosigkeit

Immer wieder ersetzen die Songtexte die Sprachlosigkeit von Rose-Lynn, wenn sie mal wieder vom Leben überfordert ist. Und immer wieder, egal, ob man Countrymusik nun mag oder nicht, setzen die Stücke jenen Hebel in Bewegung, der das Bällebad der Gefühle in eine wild herumgewirbelte Lostrommel verwandeln. Ob Rose-Lynn am Ende das große Los zieht oder mal wieder leer ausgeht: Die Antwort auf diese Frage sollte man unbedingt vom Kinosessel aus einholen.

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