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Der letzte Koffer - Wie sich eine Frau auf ihren Tod vorbereitet | BR24

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Manuela Schmid möchte zusammen mit ihrer "letzten Box" anonym begraben werden.

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    Der letzte Koffer - Wie sich eine Frau auf ihren Tod vorbereitet

    Sich wirklich auf den Tod vorbereiten, das kann man nicht, meint Manuela Schmid. Aber mit einer Patientenverfügung kann sie festlegen, wie sie sich die letzte Lebensphase vorstellt und somit sich und ihre Familie darauf vorbereiten.

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    Als Manuela Schmid im Februar ein Tumor entfernt wird, fällt die 58-Jährige eine Entscheidung. Sie will nun alles regeln für ihre letzte Lebensphase. Denn ihre Diagnose macht nicht viel Hoffnung, sie hat Bauchspeicheldrüsenkrebs. Bei ihr nicht mehr heilbar, sagen die Ärzte.

    Sie sucht sich Unterstützung bei einer Freundin und beginnt, Schritt für Schritt alles zu organisieren, vom Bestatter bis zur Grabstätte. Ihr erwachsener Sohn kennt ihren letzten Willen. Begraben werden möchte sie gerne anonym auf dem Friedhof in Pfaffenhofen an der Ilm. Das Gefühl, sich selbst entscheiden zu können und sich selbst von Dingen zu verabschieden, ist ihr wichtig. Das will sie niemandem überlassen müssen.

    Die Notfallmappe

    Als Altenpflegerin ist ihr bewusst, was auf sie zukommt. Sie hat bereits Menschen auf der Palliativstation bis zu ihrem Lebensende betreut. Zum Arbeiten ist sie mittlerweile zu schwach. In ihrer Patientenverfügung hat Manuela Schmid festgelegt, wie sie sich ihre letzte Lebensphase vorstellt: "Ich möchte nicht an Geräte angeschlossen werden. Ich möchte nicht künstlich ernährt werden." Es ist auch klar, in welches Hospiz sie gehen möchte, wenn es so weit ist. Alles Wichtige steht in ihrer Notfallmappe, die sie vorbereitet hat.

    Der letzte Koffer

    Etwas ganz besonderes ist ihre "Letzte-Reise-Box", sagt Manuela: "Da sind ganz persönliche, private Dinge von mir drin. Wenn ich auf meinem letzten Weg was zum Anziehen haben möchte, ist es da drin und einfach Dinge, mit denen niemand anders etwas anfangen kann. Ich möchte, dass sie mit mir mitgehen. Das ist alles in meiner Box."

    Auf die Idee gebracht hat sie ihre Hospizbegleiterin, Beate Bott vom Hospizverein Pfaffenhofen e.V. Sie bringt eines Tages bei einem ihrer Besuche ein Buch mit: "Einmal Jenseits und zurück: Ein Koffer für die letzte Reise" heißt es. Der Trauerbegleiter Fritz Roth schickte hundert unterschiedlichen Menschen einen Koffer zu und bat sie, diesen für ihre letzte Reise zu packen. Mit dieser Aktion wollte er auf die Endlichkeit des Lebens hinweisen und die Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod herausfordern. Daraus entstanden ist schließlich ein ungewöhnliches Buch mit den unterschiedlichen Geschichten über Leben und Tod. Diese Erfahrungen haben auch Manuela Schmid inspiriert.

    Lebenszeit

    Hospizbegleiterin Beate Bott hilft ihr nicht nur, die letzten Dinge zu regeln. Sie ist inzwischen sogar zu einer Freundin geworden: "Wir haben noch Zeit geschenkt bekommen miteinander, das ist wunderbar. Wir tun alle Dinge, die ihr Spaß machen, wir besichtigen Schlösser, wir gehen Spazieren, wir gehen Eisessen, wir plaudern, wir gehen einen Kaffee trinken. Ich versuche, eine Freundschaft auf Erden aufzubauen. "

    Die Arbeit mit Sterbenden und Kranken sollte viel stärker ins Bewusstsein der Gesellschaft gerückt werden, davon ist Beate Bott überzeugt: "Ich glaube, dass die Leute sich viel mehr damit beschäftigen müssen. Dann haben sie auch weniger Angst vor dem Sterben." Manuela Schmid hadert nicht, dass ihr nicht mehr viel Lebenszeit bleibt. "In 20 Jahren, da könnte ich dement sein. Da kann alles Mögliche andere sein, was mich im Leben beeinträchtigt", sagt sie. Sie lebt im Hier und Jetzt: "Es macht keinen Sinn, mir Gedanken zu machen, was morgen oder übermorgen ist, wenn es dann doch ganz anders kommt."

    Bücher über Leben und Tod

    Vielen Menschen, die schwer krank sind und wissen, dass sie bald sterben werden, helfen Bücher. Ein guter Wegbegleiter ist auch das Buch "Als flögen wir davon. Über die letzte Wegstrecke". Herausgegeben hat es Nikolaus Schneider, ehemaliger Präses der rheinischen Landeskirche. Seine jüngste Tochter starb 2005 an Leukämie. Er hat öffentlich und dennoch zutiefst persönlich über das Sterben gesprochen. In seinem Buch erzählen prominente Persönlichkeiten, wie bewusst sie sich auf die letzte Wegstrecke machen. Es äußeren sich unter anderen etwa Norbert Blüm, Anselm Grün, Rita Süssmuth und Gesine Schwan.

    In seinem Buch "So sterben wir" beschreibt Roland Schulz eindringlich, was wir während unserer letzten Tage und Stunden erleben. Er verfolgt die Reise des Körpers von der Leichenschau bis zur Bestattung und fragt schließlich, was Sterben und Tod für diejenigen bedeutet, die zurückbleiben.

    Die Trauerbegleiterin Mechthild Schroeter-Rupieper erklärt in ihrem Buch "Für immer anders" das Phänomen Trauer. Denn Menschen verändern sich nach einem so traurigen Verlust. Sie geht auch darauf ein, wie Kinder unterschiedlicher Altersgruppen Tod und Trauer begreifen. Zudem zeigt sie eine Vielzahl an Möglichkeiten auf, den Trauerprozess zu gestalten.

    Mehr zum Thema "Vorbereitung auf den eigenen Tod" erfahren Sie in STATIONEN am Mittwoch, den 9. September, um 19 Uhr im BR Fernsehen und in der BR Mediathek.