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Der Kunstkrimi um Caravaggios Gemälde "Geburt Christi" | BR24

© dpa / picture alliance / ANSA

Eine Rekonstruktion des Gemäldes "Geburt Christi" von Michelangelo Merisi, bekannt als Caravaggio, hängt seit 2015 im Kloster San Lorenzo.

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Der Kunstkrimi um Caravaggios Gemälde "Geburt Christi"

Doch nicht vernichtet? Das Gemälde "Geburt Christi" von Caravaggio wurde vor knapp 50 Jahren gestohlen und gilt seitdem als zerstört. Jetzt sind Kunst-Fahnder jedoch neuen Hinweisen auf der Spur.

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Rosi Bindi war bis vor kurzem Präsidentin der parlamentarischen Anti-Mafia-Kommission. Sie kümmerte sich nicht nur um Bosse und Clans, sondern auch um gestohlene Kunst, die im Besitz einflussreicher Mafiosi war. Dass Mafia und Kunstraub zusammengehören, weiß sie aufgrund ihrer Ermittlungen seit langem. Umso glücklicher war sie, als sie am Ende ihrer Dienstzeit bei der Anti-Mafia-Kommission erfuhr, dass das berühmte Gemälde, die "Geburt Christi", von Renaissance-Star Caravaggio anscheinend doch nicht zerstört wurde, wie man bisher annahm: "Ich hatte es mir zum Ziel gesetzt, dieses Kunstwerk wiederzufinden, dass von Experten als eines der zehn weltweit wichtigsten Gemälde bezeichnet wird. Es geht hier darum, eine große Wunde zu schließen, nicht nur für Palermo."

Neue Hinweise: Staatsanwaltschaft nimmt den Fall wieder auf

Die ehemalige Anti-Mafia-Ermittlerin ist im Besitz eindeutiger Indizien und Hinweise, wonach dieses 1969 in einer stürmischen Nacht aus einem Palermitaner Oratorium gestohlene großflächige Gemälde, rund 270 mal 200 Zentimeter, nicht zerstört wurde. Anscheinend wurde es nie außer Landes gebracht und befindet sich, so Rosi Bindi, nach wie vor auf Sizilien: "Die Elemente, die wir 2018 zu diesem Kunstdiebstahl sammeln konnten, haben die Staatsanwaltschaft in Palermo davon überzeugt, den Fall jetzt erneut aufzurollen. Sie ist so überzeugt von den vorliegenden Hinweisen, dass wir darüber auch Papst Franziskus informiert haben, als er mich im vergangenen Jahr empfing."

Kunstdetektiv Arthur Brand ermittelt ebenfalls

Arthur Brand sucht ebenfalls nach dem verschollenen Caravaggio. Auch wenn die Behörden in diesem Punkt schweigen, scheinen Brand und die italienischen Caravaggio-Fahnder zusammenzuarbeiten und miteinander Informationen auszutauschen. Brand ist Kunstexperte und Detektiv gestohlener Kunstwerke. Der Niederländer konnte sich international einen Namen als Detektiv in Sachen von Raubkunst machen. Unter anderem fand er die so genannten "Pferde Hitlers" wieder, Skulpturen des Bildhauers Josef Thorak, die nach Kriegsende als verschollen galten und 1989 von Brand wiedergefunden wurden.

Brand selbst will zum Fall Caravaggio nichts vor einem Mikrofon sagen. Doch in einem Interview mit der Tageszeitung "Corriere della sera" verriet er, dass er dank der Informationen seines Netzes von Mitarbeitern in Italien erfahren habe, dass sich das Gemälde heute im Besitz einer sizilianischen Unternehmerfamilie befinde. Zuvor sei das Kunstwerk bei Mafiabossen untergebracht gewesen. Brand zufolge habe ein gewisser Guido De Santis den Caravaggio gestohlen. Er war zur Tatzeit arbeitslos und drogenabhängig und immer auf der Suche nach Geld um sich neuen Stoff zu besorgen. Mit einer simplen Rasierklinge habe er die Leinwand aus ihrem Rahmen geschnitten, zusammengerollt und zu verkaufen versucht.

Brand will das Gemälde noch dieses Jahr finden

Brand bestätigt damit die Ermittlungen des ebenfalls nach dem Caravaggio fahndenden italienischen Kunsthistoriker Costantino D’Orazio: "Diese kürzlich gesammelten neuen Informationen durch Justizmitarbeiter passen wie ein Puzzle zusammen. Danach sei das Bild zunächst den Bossen Stefano Bontade und dann Gaetano Badalamenti angeboten worden. Der habe dann zugegriffen, so hieß es lange, und es ins Ausland bringen lassen. Wahrscheinlich aus Vorsicht in verschiedene Stücke zerschnitten, mit dem Ziel, es auf dem illegalen Kunstmarkt zu verkaufen." Brand zufolge verließ der Caravaggio jedoch nie Sizilien und wurde auch nie zerschnitten.

Der Niederländer will den Fall noch in diesem Jahr lösen. Dafür will er sich einige Wochen auf Sizilien niederlassen, um Kontakte zu dieser aktuellen Besitzerfamilie zu knüpfen. Mit dem Ziel, sie von der Rückgabe des Kunstwerks zu überzeugen. Brands Ermittlungsergebnisse - die gut informierten Kreisen aus der Anti-Mafia-Kommission zufolge bestätigt werden - scheinen alle bisher gängigen Hypothesen zu den Hintergründen dieses, so das italienische Fachmagazin "Giornale dell’Arte", "italienischen Jahrhundertdiebstahls" zu widerlegen. Und sie bestätigen die von italienischer Seite zusammen getragenen Informationen und Indizien zum Fall dieses Kunstdiebstahls. Alles scheint also darauf hinzudeuten, dass der Fall Caravaggio bald schon gelöst werden könnte.

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