Zurück zur Startseite
Kultur
Zurück zur Startseite
Kultur

Arata Isozaki: Ein Architekt, der Brücken schlägt | BR24

© Arata Isozaki/Pritzker Prize

Der japanische Architekt Arata Isozaki wird in Paris mit dem Pritzker-Preis ausgezeichnet.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Bildergalerie
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Arata Isozaki: Ein Architekt, der Brücken schlägt

Als Kind sah er die Zerstörungen der Atombombe in Hiroshima. Seitdem faszinierte Arata Isozaki der Gedanke aus dem Nichts etwas Neues zu erschaffen - und verschiedene Kulturen zu verbinden. Dafür erhält der Architekt nun den Pritzker-Preis.

Per Mail sharen

In Oita auf der Insel Kyushu im Südwesten Japans kam Arata Isozaki zur Welt – und erlebte als Jugendlicher, wie er selbst erzählt, im Alter von 14 das Ende des Zweiten Weltkriegs, nur wenige hundert Kilometer von Hiroshima entfernt. Seine erste Begegnung mit urbaner Architektur ist nach dem Abwurf der Atombombe also keine Stadt, sondern die Abwesenheit einer solchen gewesen, ein Ground Zero. Es habe ihn bald der Gedanke fasziniert, wie aus dem Nichts wieder Architektur entstehen könne, wie man es schaffe, aus den Ruinen etwas Neues aufzubauen. Ein Architekt sei keiner, der einfach nur Häuser baue, erklärt Arata Isozaki, ein Architekt sei einer, der die kommenden Zeiten gestalte. Einer, der etwas für die Zukunft errichte.

Der Ort bestimmt, was und wie gebaut wird

Der japanische Baukünstler hat sich immer auch als Philosoph verstanden. Und Sätze konstruiert, die – entsprechend seiner Architektur – ganz einfach sind, und trotzdem überraschen oder zum Nachdenken anregen, etwa wie: "Nicht die Wände und das Dach machen ein Haus, sondern der Raum, den sie umschließen." Oder: "Der Ort bestimmt, was und wie gebaut wird."

Es hätte aktuell für die Vergabe des Pritzker-Preises spannendere, interessantere Baumeister gegeben als den 87-jährigen Isozaki, auch aus Japan, wie etwa den deutlich jüngeren Kollegen Kengo Kuma, der zuletzt mit seinem Victoria & Albert Museum im schottischen Dundee für Aufmerksamkeit sorgte und aktuell das Olympiastadion in Tokio baut. Aber man wollte wohl einen der großen Wegbereiter des 20. Jahrhunderts auszeichnen, etwas rückwärtsgewandt also einen leidenschaftlichen architektonischen Grenzgänger, der als einer der Ersten aus Japan außerhalb seiner Heimat gebaut hat, der Brücken schlägt zwischen den Kulturen. In Zeiten, in denen mit Vorliebe nationalistische Mauern errichtet werden, ein durchaus verständlicher Impuls.

Ein Spiel fröhlicher Formen

Isozaki ist voller Empathie und pflegt ein Spiel fröhlicher Formen, das bei ihm nie zu einem festen Stil wurde. Da gibt es das zeitlose und schlicht moderne Bürohaus des Allianz Towers in Mailand – ebenso wie das National Convention Center in Doha, dessen Dach von riesigen stilisierten Ästen und Bäumen getragen wird. Oder die Volksbank in Berlin am Potsdamer Platz als eine ocker-beige Nachgeburt der Postmoderne.

Der humanistische Ansatz, der in der Renaissance formuliert wurde, sei aus der Architektur verschwunden, sagt Arata Isozaki, durch den globalen Neoliberalismus. Er aber kämpfe nach wie vor für das Menschliche in der Baukunst.

Ein kindlich kluger Visionär

Die Pritzker-Jury ehrt den 87-Jährigen heute in Paris als einen kindlich klugen Visionär. Architektur, so hat es Isozaki einmal gefordert, solle die Grundlage jeder Gegenwartsphilosophie sein. Kompromisse seien gefährlich. Kontrovers diskutierte Bauten würden länger leben. Die Debatte als gemeinschaftliche Erfahrung sei für demokratische Gesellschaften unentbehrlich, aber bitte ohne Eitelkeiten, sagt der tatsächlich sehr un-eitle Herr Isozaki.

Verpassen war gestern, der BR Kultur-Newsletter ist heute: Einmal die Woche mit Kultur-Sendungen und -Podcasts, aktuellen Debatten und großen Kulturdokumentationen. Hier geht's zur Anmeldung!

Die tägliche Dosis Kultur – die kulturWelt als Podcast. Hier abonnieren!

Sendung

kulturWelt

Autor
  • Moritz Holfelder
Schlagwörter