© BR/Christian Baudissin

Rudolph Moshammer

Rudolph Moshammer hätte der gestrige Abend im Gloria Palast München gefallen: bayerische Canapés, eine feine Gesellschaft in schöner Kleidung, der Modemacher selbst im Mittelpunkt.

Nach 88 Minuten Film waren die Zuschauer in der Welt der Münchner Schickeria der 80er Jahre tief versunken. Man hatte das Gefühl, man wäre dem schillernden Modemacher durch den fiktiven Film "Der große Rudolph" ein Stück näher gekommen. Selbst der Hauptdarsteller Thomas Schmauser stellte fest: "Jetzt, wo ich den Film gesehen habe, vermisse ich Rudolph Moshammer, obwohl ich ihn nie persönlich kennengelernt habe."

Ungewöhnliche Freundschaft zweier Einzelgänger

Der Film zeigt Moshammer, wie man ihn in Erinnerung hat: Seinen Yorkshire-Terrier Daisy auf dem Arm steht er an der Glastür seiner Boutique und winkt hinaus auf die Maximilianstraße – das Bild, das viele Münchner vom echten 2005 verstorbenen Rudolph Moshammer noch kennen, bedient auch "Der große Rudolph". Die letztes Jahr in München und Prag gedrehte Gesellschaftssatire spielt im München des Jahres 1983.

Als die stillen Teilhaber der Boutique Moshammers nach noch reicheren Kunden streben, sucht Rudolph Moshammer (Thomas Schmauser) – zum Entsetzen seiner Mutter Else (Hannelore Elsner) – eine junge, verführerische Verkäuferin. Er findet die auf den ersten Blick unauffällige Fußpflegerin Evi (Lena Urzendowsky) und es entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft zweier Einzelgänger, die sich lediglich jeweils im gegenüber des Anderen offenbaren. Evi, die sich zunächst nicht mal bei einer falschen Beschuldigung zu verteidigen weiß, wird bei Moshammer zur attraktiven Verkäuferin, die letztendlich ihre Reize kokettiert einsetzt und ihrem neuen Chef zum Erfolg verhilft. Moshammer selbst präsentiert sich ihr ungeschminkt, ohne Perücke, und teilt mit ihr im stillen Kämmerchen nicht nur seine kulinarischen Vorlieben, sondern auch seine betriebsinternen Geheimnisse.

"Moshammer war eine wahnsinnig interessante Figur. Er hat den Leuten eine Oberfläche gegeben – einerseits die eines sehr paradiesvogelartigen Schneiders, andererseits die eines Wohltäters, eines humorvollen Mannes, eines Menschen mit Herz", so Autor und Regisseur Alexander Adolph ("Tatort: Der tiefe Schlaf"). Als Produzent Christian Popp mit der Idee des Films auf ihn zukam, reizte es ihn, die verschiedenen Gesichter Moshammers zu zeigen. Dies gelingt ihm nicht nur durch das Drehbuch, sondern auch durch die Besetzung der Hauptfigur.

Exzentrik und scheuer Wohltäter

Thomas Schmauser erweckt Rudolph Moshammer differenziert zum Leben. Einerseits zeichnet er die schimmernde, exzentrische Figur des Modemachers und Geschäftsmanns, der seinen Lehrlingen stets mit Strenge begegnet, bei Geschäftspartnern gekonnt Preise drückt und stets weiß, wie er die Blicke lenkt, um sich und seinen Laden in Szene zu setzen. Andererseits macht Schmauser den zutiefst verunsicherten Einzelgänger fühlbar, beispielsweise wenn er als Moshammer im Anzug, mit Perücke und Schnauzer kurz vor der eigenen Feier mit hängenden Schulter in seiner Boutique steht und seine Befürchtung ausspricht: "Es kommt keiner. Moshammer ist vorbei." Schamauser zeigt auch den sensiblen, scheuen Wohltäter, der am liebsten fernab der Öffentlichkeit und des Hypes um seine Person den Obdachlosen Essen bringt und der Außenseiterin Evi eine Chance bietet.

Mutter-Sohn-Geschichte

In all seinen Facetten wird die Figur Moshammer stets von seiner Mutter Else konterkariert und unterstützt zugleich. Die Beziehung wird im Film in größter Liebe und echter Zärtlichkeit, aber auch in gegenseitiger Abhängigkeit, gepaart mit Lügen und Intrigen herausgestellt. Wohl der intimste Moment des Films ist Mutter Elses Geständnis an ihren Sohn "Das größte Geschenk, dass der liebe Gott mir gemacht hat, bist du." Rudolphs Erwiderung "Ich werde dich zum Leuchten bringen, Mama" wirft paradigmatisch die Frage auf, ob sie durch ihn leuchtet oder ob es andersherum ist. Eine Hassliebe, die wohl nicht ohne die Darstellung Hannelore Elsners ausgekommen wäre.

Die naive Reinheit Evis, nuanciert gespielt von Lena Urzendowsky ("Das weiße Kaninchen"), stellt hierzu einen adäquaten Gegenpol dar. Dass immer noch großes Interesse an dem Phänomen Moshammer besteht, zeigte der Applaus der Zuschauer bei der gestrigen Vorführung im Gloria Palast. "Manchmal kommt man mit einer erfundenen Geschichte der Persönlichkeit reichlich näher als mit einer biographischen", konstatierte die BR-Redakteurin Claudia Simionescu.

Erstausstrahlung am Mittwoch um 20.15 Uhr im Ersten

Die fiktive Geschichte "Der große Rudolph" über Moshammer, Schönheit, Geld und Glamour im München der 80er Jahre läuft erstmals am Mittwoch, den 19. September um 20.15 Uhr im Ersten - bzw. in der "Das Erste Mediathek". Die Dokumentation "Rudolph Moshammer – Was vom Traum geblieben ist" der Reihe "Lebenslinien" erzählt die Geschichte des echten Modemachers mit zum Teil unveröffentlichtem Material - am Montag, den 17. September um 22.00 Uhr im BR Fernsehen oder bereits jetzt in der BR Mediathek zum Abruf.