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Der Glaskünstler Erwin Eisch wird 90 | BR24

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Der Glaskünstler Erwin Eisch wird 90

Erwin Eisch ist der Pionier der Glaskunst in Deutschland. Schon als Gründungsmitglied der Münchner Avantgarde-Künstlergruppe SPUR sorgte er für Aufsehen, später brachte er die amerikanische Studioglasbewegung nach Deutschland. Von Julie Metzdorf:

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„Ein optisches Nichts mit Masse“ hat Erwin Eisch das Material Glas einmal genannt, und es steckt viel drin in dieser Beschreibung: Die genaue Kenntnis der Materie von einem, der in einer Glasmacherregion aufgewachsen ist, in Frauenau im Bayerischen Wald, und der das Glasmachen und Gravieren wie schon sein Vater und Großvater von Kleinauf gelernt hat. Eisch begreift sich dabei als Bildhauer und Maler, nicht als Glaskünstler. Glas ist nur das Medium, mit dem er arbeitet, weil es so viele Möglichkeiten bietet und weil er sich halt auskennt.

"Glas muss erst geschmolzen werden, du brauchst Technologie, die Schmelzerei ist gar nicht einfach, du kannst vielschichtiges farbiges Glas machen, du hast die Transparenz, da ist Glas wirklich ein besonderes Material." Erwin Eisch

Gegen das Diktat der "schönen Form"

Und so kommt es, dass Erwin Eisch als erster Künstler in Deutschland Glas als künstlerisches Material einsetzt, daraus also nicht nur Gebrauchsgegenstände formt, sondern Skulpturen, eigenständige Werke mit künstlerischer Aussage, aber ohne Funktion: Vasen, die so kleine Öffnungen haben, dass gar keine Blumen mehr hineinpassen; Krüge aus denen man nicht ausschenken kann, ohne dass sie tropfen. Eischs Arbeiten sind Anti-Design, sie richten sich gegen das Diktat der "schönen Form", gegen das dekorlose Bauhaus-Design der 50er und 60er Jahre, das rein funktional sein sollte.

1961 stellt er solche Werke erstmals aus, Eisch hatte sich gerade mit seiner späteren Frau Gretel aus der Münchner Avantgarde-Gruppe SPUR verabschiedet und die Gegengruppe RADAMA gegründet und stellt nun unter dem ironischen Titel „Schöner Wohnen“ schiefe Vasen, zerknautschte Kannen, Karaffen mit Dellen aus. Solcherlei verkrüppelten Krug von Erwin Eisch sah der amerikanische Glaskünstler Harvey Littleton bei einer Studienreise zufällig in Zwiesel - und lud seinen bayerischen Verwandten im Geiste promt nach Amerika ein, um dort Workshops zu geben.

Zum 90. Geburtstag zeigt die Glashütte Eisch in der Galerie am Museum in Frauenau ab heute alte und neue Werke von Erwin Eisch.