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Dieser Film macht die Erfahrungen obdachloser Frauen erlebbar | BR24

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Zwei Millionen Franzosen haben sich "Der Glanz der Unsichtbaren" angesehen. Was erstaunlich ist, denn der Film behandelt ein schwieriges Thema: es geht nämlich um obdachlose Frauen. Jetzt ist das Sozialdrama auch in deutschen Kinos zu sehen.

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Dieser Film macht die Erfahrungen obdachloser Frauen erlebbar

Zwei Millionen Franzosen haben sich "Der Glanz der Unsichtbaren" angesehen. Was erstaunlich ist, denn der Film behandelt ein schwieriges Thema, geht es doch um obdachlose Frauen. Jetzt ist das Sozialdrama auch in deutschen Kinos zu sehen.

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Es sei eine soziale Komödie, sagt Louis-Julien Petit über seinen Film, vielleicht eine Dramödie, aber sicher kein Feelgood-Movie, denn das hieße ja, man sehe harte Sachen, würde am Ende aber nur darüber lachen. Petit erzählt in "Der Glanz der Unsichtbaren“ sehr ernsthaft von den Härten des Lebens auf der Straße, von obdachlosen Frauen und leidenschaftlichen Sozialarbeiterinnen. Er überführt diese wahren Geschichten, die er überwiegend mit Laien inszeniert hat, in eine berührende Feier von Mut und Lebenskraft. Er meint, das gehe nicht ohne Humor. Die Kunst, auch über sich selbst lachen zu können, dürfe man nicht unterschätzen, aber entscheidend sei für ihn die Erkenntnis gewesen, wie fragil jeder Mensch und überhaupt das Leben ist.

Anonymität im Tageszentrum L’Envol

Sie heißen Brigitte Bardot, Lady Di, Edith Piaf, Salma Hayek oder Brigitte Macron: Die meisten Besucherinnen des Tageszentrums L’Envol für wohnungslose Frauen in einer nordfranzösischen Stadt wollen anonym bleiben und tragen sich mit falschen Namen ein. In der Einrichtung können sie duschen, bekommen etwas zu essen und machen sich nützlich – reparieren etwa Waschmaschinen oder Mopeds, je nachdem, wo ihre Talente liegen.

Dann soll die Institution wegen angeblicher Ineffektivität geschlossen werden. Einem offiziellen Bericht zufolge liegt die Quote der gesellschaftlichen Wiedereingliederung bei nur vier Prozent. Die Sozialarbeiterinnen setzen deshalb alles daran, ihren Schützlingen doch noch den Weg zurück in geregelte Arbeitsverhältnisse zu ermöglichen. Sie organisieren eine Art Jobbörse und drehen mit den Frauen Bewerbungsvideos: "Bis vor drei Jahren hat man in Frankreich über Frauen auf der Straße überhaupt nicht geredet“, erzählt Regisseur Louis-Julien Petit, und weiter: "Das sei jetzt durch den Film anders. Immerhin hätten ihn fast zwei Millionen Franzosen gesehen. Es wurde viel über das Thema berichtet. So hätte sich etwas verändert: Bisher waren viele Einrichtungen für Obdachlose nur tagsüber offen. Jetzt gibt es in Paris das erste Zentrum, das 24 Stunden pro Tag zugänglich ist. Ein wichtiger Schritt. Entscheidender aber ist: Die Zuschauer haben diese Frauen zwei Stunden lang im Kino erlebt. Wenn sie jetzt auf der Straße Obdachlose sehen, schauen sie vielleicht nicht mehr weg, sondern haben eine Form von Empathie für deren Schicksale entwickelt. Man müsse ja nicht gleich Geld geben oder konkret helfen, schon ein Blick oder ein freundliches Wort wären viel wert. Denn auf der Leinwand lerne man Menschen mit solchen Lebensläufen kennen, und das allein schon brächte viel in Bewegung."

Laiendarstellerinnen in den Hauptrollen

Louis-Julien Petit besuchte zur Vorbereitung seines Films, der bei uns sowohl im Original mit Untertiteln als auch synchronisiert zu sehen ist, ein Jahr lang Einrichtungen für wohnungslose Frauen in ganz Frankreich, lernte ihren Alltag kennen und sprach mit den Menschen, die ihnen helfen. Teil seines Konzepts war es, die Rollen der Obdachlosen mit nicht-professionellen Schauspielerinnen zu besetzen. Filmisch ist das mit dokumentarischer Genauigkeit inszeniert, dazu ohne jeden Elendsvoyeurismus und mit einem charmanten Witz, der den Frauen jeweils ihre Würde als Individuum lässt. Louis-Julien Petit sagt, entscheidend sei, dass man nicht über die Frauen lache, sondern mit ihnen.

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