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Hans Traxler: der große Katzen- und Käfighuhnversteher wird 90 | BR24

© Bayern 2

Er war Mitbegründer der Satiremagazine „Pardon“ und „Titanic“ und gehört zu den großen Karikaturisten Deutschlands. Heute wird Hans Traxler 90 Jahre alt. Das Caricatura Museum Frankfurt widmet ihm ab dem 27. Mai eine große Retrospektive.

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Hans Traxler: der große Katzen- und Käfighuhnversteher wird 90

Er hat die Satiremagazine "Titanic" und "Pardon" mit ins Leben gerufen und gerade einen Bildband mit Kindheitserinnerungen veröffentlicht: "Mama, warum bin ich kein Huhn". Hans Traxler, der große Freund der Tiere, wird heute 90 Jahre alt.

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"Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen. Eines Tages soll ich meine Mutter gefragt haben: 'Mama, warum bin ich kein Huhn?' Ich muss zugeben, dass ich in meinem späteren Leben nie wieder in solch philosophische Tiefen vorgestoßen bin“.

Immer wieder beweist Hans Traxler sein großes Einfühlungsvermögen für Tiere. Protagonisten seiner zahlreichen Bücher sind Elefanten, Schweine, Dachshunde. In seiner Frankfurter Wohnung streicht ein selbstbewusster, gewaltiger Tigerkater um unsere Beine. "Wir haben einen Kater, Fritzi, der wird maßlos verwöhnt. Das ist wahrscheinlich ein hilfloser Versuch, etwas von dem wieder gut zu machen, was die Menschen den Tieren seit je zugefügt haben. Ich hab so eine Fantasie, dass am jüngsten Tag, wenn entschieden wird, wo wir landen sollen, Himmel oder Hölle, dass der Vorsitzende des Schiedsgerichts, das sollte ein Tier sein. Also zum Beispiel ein Käfighuhn ... .“

Ein sanftmütiger Gentleman

Unvergesslich der Cartoon mit der erläuternden Inschrift: "Herrn Löhleins Katze hat einen starken Charakter“. Herr Löhlein, im gestreiften Schlafanzug, hat es sich schlecht und recht auf dem Kratzbaum bequem gemacht, seine Katze liegt mit zufrieden geschlossenen Augen in seinem riesigen Bett.

Hans Traxler ist ein Cartoonist der leisen Töne, seine meisterhaften Zeichnungen sind liebevoll, mit Sinn für aquarellhafte Farbtöne ausgeführt. Selbst wenn er Kanzler Helmut Kohl als "Birne“ porträtierte oder Papst Paul VI mit fledermausartigen Flatterohren, so waren diese Karikaturen doch niemals verletzend, sondern entsprangen der Feder eines sanftmütigen Gentleman, der über sich sagt: "Ich hab ja zwei Kinder erzogen und weiß daher, dass man mit Geschrei nicht weit kommt, wenn man jemanden beeinflussen will. Dass da die leisen Töne besser sind, weil sie dann genauer zuhören müssen. Und manchmal ist es auch ganz gut zu schweigen. Damit habe ich auch schöne Wirkungen erzielt“.

© Hans Traxler

Ausschnitt aus: Herr Löhleins Katze hatte einen starken Charakter

"Hänsel und Gretel" zeigt Ironie

Schon der Bestseller, mit dem sich Hans Traxler 1963 zu Wort meldete: "Hänsel und Gretel“, eine Wissenschaftsparodie auf den Archäologie-Klassiker "Götter, Gräber und Gelehrte“, zeigte, wie früh Hans Traxler den hohen Ton der Ironie beherrschte. Da ging es um einen Studienrat und Laienarchäologen, auf Fotos dargestellt von Hans Traxler selbst, mit Nickelbrille und Schnauzbart.

Und der grub im Spessart die Fundamente des Hexenhauses aus und fand sogar den Ofen nebst verbrannter Hexe: "Das war ein frühes Fake-Projekt, als es diesen Begriff noch gar nicht gegeben hat, das war meine Vorstellung, die Geschichte ein bisschen umzuschreiben. Durch geringe Veränderungen“, sagt Traxler.

© B.Frenz_CMF

Hans Traxler

Der kolorierende Landschaftsmaler

Und was macht Hans Traxler, wenn er sich nicht für die Magazine von ZEIT, FAZ und SÜDDEUTSCHER ZEITUNG dem Soziotop der Mächtigen oder den Absurditäten menschlicher Befindlichkeit widmet? Bis vor kurzem noch schulterte er Staffelei und Malkasten und machte sich auf die Suche nach den erhabenen Momenten der Natur, wie er sagt: "Wenn man stundenlang wandert erst mal, bis zum Motiv, und sich in der freien Natur aufhält und ganz bei sich ist, und es gibt keinen Pointenzwang und es gibt keinen Reimzwang, wie bei den Bildergedichten, sondern nur mich und das Motiv – das ist eigentlich nicht zu toppen“.

Da zeigt sich Hans Traxler dann als zart kolorierender Landschaftsmaler, der seine frühe künstlerische Ausbildung an der Frankfurter Städelschule weder verleugnen kann noch möchte. Und der mit dem seinerzeit stark verehrten Jackson Pollock rein gar nichts anzufangen wusste.

Wer nun meint, dass jemand mit einem so reichen Lebenswerk den Zeichenstift beruhigt zur Seite legen könnte, den kann Hans Traxler auch noch mit 90 Jahren überraschen: „"Es war vor einigen Tagen meine Verlegerin da, und wir haben den Editionsplan gemacht für die nächsten zwei Jahre. Da bin ich dann 92. Da gibt’s vier Bücher, zwei in jedem Jahr, davon zwei Neuerscheinungen. Und die müssen noch gezeichnet werden“. Dann wünschen wir eine ruhige Hand, eine Menge Inspiration und - wie gewohnt - außerordentliches Gelingen.

Das Caricatura Museum Frankfurt widmet Hans Traxler zum. 90. Geburtstag vom 27. Mai bis 22. September eine große Retrospektive.

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