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Der Franken-Fujiyama: Hexen und Heilige auf dem Walberla | BR24

© BR/Anna Kemmer

Blick über die Hochebene des Walberlas

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    Der Franken-Fujiyama: Hexen und Heilige auf dem Walberla

    Am "Tor zur Fränkischen Schweiz", in der Nähe von Forchheim, erhebt sich ein über 500 Meter hoher Tafelberg: Das Walberla. Einige Besucher kommen nicht nur wegen der fantastischen Aussicht hierher. Sie glauben: Hier spürt man etwas Besonderes.

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    Roland Kaplan, 73 Jahre alt, hat fast sein ganzes Leben am Fuße des Walberlas verbracht. In Ebermannstadt geboren lebt er heute in Schlaifhausen. Hier ist ihm vor über 50 Jahren im wahrsten Sinne des Wortes seine künftige Frau vor die Füße gefallen: Die Tochter der Wanderer- und Klettererwirtschaft Kroder war vor dem Gasthaus ihrer Eltern mit dem Rad gestürzt, Lehramtsstudent Roland half ihr wieder auf. Ihre Liebe zum Walberla verbindet die beiden – und spielt später eine wichtige Rolle in ihrem Leben.

    Natürlich kennen die Kaplans die Hexengeschichten und Sagen-Gestalten, die angeblich auf dem Walberla herumspuken: Da gibt’s zum Beispiel den "He-Mo", ein Feuermännchen, und auch Hexen sollen in der Walpurgisnacht ums Feuer tanzen.

    Bedeutende keltische Siedlung

    Woher kommen diese Geschichten? Um das herauszufinden, begleiten wir Roland Kaplan auf eine seiner Foto-Wanderungen. Seit Jahrzehnten kommt der pensionierte Grund- und Hauptschulrektor zum Fotografieren hier hoch. Der letzte Anstieg, bevor es durchs sogenannte "Windloch" auf den Sattel der Hochebene geht, ist ziemlich steil. Von unten betrachtet sieht es aus als ob man in den Himmel läuft, sagt Roland Kaplan: "Man ist hier einfach in einer ganz anderen Welt. Sie heben hier ab, schweben bloß noch." Der Blick über die Wiesen und Wäldchen der Hochebene und rundherum in die Fränkische Schweiz raubt ihm jedes Mal aufs Neue den Atem, sagt Roland Kaplan.

    Roland Kaplan war schon gut 1.000 Mal auf dem Walberla. Offiziell heißt der Tafelberg "Ehrenbürg" und das "Walberla" ist davon strenggenommen nur die Nordkuppe. Die südliche Erhebung nennt sich "Rodenstein". Im Volksmund läuft der gesamte Berg jedoch als "Walberla".

    Das Walberla ist ein Paradies zum Wandern, Klettern und man kann hier echte Schätze finden. Mitten im Bergsattel liegen einige Kartoffel-Äcker. Roland Kaplan scannt die dunkle Erde und zieht schon kurz darauf eine uralte Tonscherbe heraus: "Das war wahrscheinlich mal ein Topf, das Stück ist bestimmt 2.700 Jahre alt." Fast immer findet er auf seinen Wanderungen noch Überbleibsel der keltischen Siedlung auf dem Walberla. Manche Quellen vermuten hier gar eine der einst größten keltischen Siedlungen Bayerns. Was archäologisch nicht belegt ist, aber als wahrscheinlich gilt: hier soll auch eine heidnische Kult- und Begräbnisstätte existiert haben – womöglich genau dort, wo seit mindestens 1360 eine kleine Kapelle steht – und das beflügelt die Phantasie der Menschen.

    Hexen helfen beim Bau einer christlichen Kapelle

    Wir treffen den katholischen Pfarrer Michael Gehret von Pinzberg und Wiesenthau. Im Moment verbringt er viel Zeit an der Kapelle. Seit zwei Jahren wird sie restauriert, im Juli soll sie wiedereröffnet werden – mit einem größeren Sichtfenster in der Tür für einen besseren Blick auf die Patronin der Kapelle, auf die heilige Walburga. Sie wird hier oben ab dem Jahr 800 verehrt. Was hat die angelsächsische Benediktinerin mit den heidnischen Hexen und Bergdämonen zu tun? "Ich habe von der Sage gehört", sagt Pfarrer Gehret, "dass es helfende Geister gegeben haben soll, die beim Bau der Kapelle geholfen haben." Als Dank für diese Hilfe soll die heilige Walburga den Berggeistern gestattet haben, weiterhin in der Walpurgisnacht vom 30. April auf den 1. Mai ihr Unwesen zu treiben.

    Verlobung auf über 500 Meter Höhe

    Egal ob man daran nun glaubt oder nicht: Der Berg hat etwas Magisches, fasziniert Wanderer und Einheimische gleichermaßen. Der fränkische Schriftsteller Fitzgerald Kusz dichtete einmal: "Es walbäla is unsä fudschijama.“ Hochdeutsch: "Das Walberla ist unser Fudjiyama." Auch Roland Kaplan fühlt sich auf "seinem" Walberla wie im Himmel, empfindet hier große Freiheit und Zufriedenheit: "Das ist einfach magisch, sage ich immer." Wegen dieser ganz besonderen Magie hat Roland Kaplan vor über 50 Jahren am Gipfelkreuz um die Hand seiner Liebsten angehalten: "Und es hat gehalten bis heute", sagt er und schmunzelt.

    Buchtipp:

    Das Wütige Heer am Walberla: Sagen aus der Fränkischen Schweiz. Tümmel Verlag, 2009

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    Alle Filme zu unserer Sendung "Spiritour - Einkehr abseits des Trubels" gibt es am Mittwoch, 29. Mai 2019 in STATIONEN im BR-Fernsehen oder im Anschluss in der Mediathek.