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Der "dürre Hering" Marius Müller-Westernhagen wird 70 | BR24

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Marius Müller-Westernhagen bei MTV Unplugged

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Der "dürre Hering" Marius Müller-Westernhagen wird 70

Marius Müller-Westernhagen gehört mit Udo Lindenberg und Herbert Grönemeyer zu den Ikonen der deutschsprachigen Rockmusik. Er hat über 12 Millionen Platten verkauft und große Fußballstadien gefüllt. Heute wird Marius Müller-Westernhagen 70 Jahre alt.

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"Mit 18 rannte ich in Düsseldorf rum, war Sänger einer Rock'n'Roll-Band": Was Marius Müller-Westernhagen in einem seiner frühen Songs besingt, stimmt tatsächlich. Ende der 60er spielte er in der Band "Harakiri Whoom". Der Sohn eines Theaterschauspielers hatte allerdings schon als 14-Jähriger seinen ersten Auftritt in einem Fernsehfilm und war 1965 im Hörspiel "Wickie und die starken Männer" als Wickie zu hören. Karrieremäßig startete er zunächst als Schauspieler durch, vor allem in seiner Paraderolle als vorlauter Lastwagenfahrer Theo in den Action-Komödien "Aufforderung zum Tanz" und "Theo gegen den Rest der Welt".

Die Sängerkarriere dagegen wollte nicht so recht Fahrt aufnehmen. Drei Soloalben landeten unter "ferner Liefen". Erst als 1978 "Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz" herauskam, war Müller-Westernhagen plötzlich in aller Munde – weil er den Rolling Stones deutlich näher war als den Beatles, weil seine gepresste, etwas raue Stimme gut zur Musik passte, weil seine Texte volksnah, ehrlich und oft provokant herüberkamen, auch wenn er gelegentlich über das Ziel hinaus schoss.

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Am Anfang lief es nicht so gut für den Musiker und Schauspieler Westernhagen, hier als Theo im Film "Theo gegen den Rest der Welt"

Skandale und Karriereschübe

"Dicke haben Blähungen. Dicke haben 'nen dicken Po und von den ganzen Abführmitteln rennen Dicke oft aufs Klo": Mit solchen Zeilen würde Marius Müller-Westernhagen heutzutage in den sozialen Medien wohl einen Shitstorm lostreten, 1978 gab es auch kontroverse Diskussionen, Jahre später die lahme Erklärung, das sei ironisch gemeint und: einen Karriereschub. Wobei man Müller-Westernhagen zugute halten muss, dass er seinen manchmal abseitigen Humor selten so von der Leine lässt wie bei "Dicke", dass er in seinen Liedern auch sehr lyrisch oder sehr politisch werden kann und genau weiß, was ein Rock'n'Roll-Song braucht.

Wobei er in Interviews häufig betont, dass er sich mehr als Seismograph den als gestaltender Künstler sieht: "Texte schreiben ist nicht eine rein intellektuelle oder journalistische Arbeit. Das ist ne Arbeit, die sehr viel mit Unterbewusstsein zu tun hat", erklärt Westernhagen. "Ich glaube, dass Leute die schreiben vielleicht sensible Antennen haben und sehr viel aufnehmen [...]. Irgendwann setzt sich da ein Puzzle zusammen [...] und dann musst du es einfach geschehen lassen."

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Showman: Marius Müller-Westernhagen unterhält sein Publikum

Bis ans Lebensende

Es gibt bei Marius Müller-Westernhagen immer zwei Seiten: die laute und die zarte, die derbe und die abwägende, die arrogante und die schüchterne. Fehler gibt er ungern zu, andererseits analysiert er sich in Interviews häufig selbst. In den 90ern, während seiner größten Erfolge, durchlebte er seine größte Krise. Westernhagen hatte Millionenumsätze, spielte in Fußballstadien vor 100.000 Leuten und erlebte das als Überforderung.

Vor der Jahrtausendwende machte er damit Schluss, hat sein Pensum heruntergefahren, spielt nur noch Hallenkonzerte, ist aber inzwischen offenbar so mit sich im reinen, dass er auch mit 70 noch lange nicht aufhören will: "Ich werde sicher Musik machen bis an mein Lebensende und ich wird weiter Songs schreiben – und es gibt so viele Leute, die ich verehre und verehrt habe so wie Johnny Cash, der seine beste Arbeit gemacht hat, als er in sehr hohem Alter war."