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Jung, erfolgreich und depressiv? | BR24

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Jules ist beruflich erfolgreich und in einer festen Partnerschaft. Eigentlich läuft alles nach Plan, bis sie plötzlich nicht mehr weiß, wie es weitergehen soll. Sie ist nur noch traurig, versteht sich selbst nicht. Diagnose: Depression.

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Jung, erfolgreich und depressiv?

Jules ist sportlich, beruflich erfolgreich und in einer festen Partnerschaft. Eigentlich läuft alles nach Plan, bis sie plötzlich nicht mehr weiß, wie es weitergehen soll. Sie ist nur noch traurig, versteht sich selbst nicht. Diagnose: Depression.

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Julia, die von allen Jules genannt wird, ist eine junge, sportliche Frau, die strahlt und voller Energie ist. Nach außen hin wirkt die 30-jährige, als würde es ihr gut gehen. Doch der Schein trügt: Vor einem Jahr ging es so schlecht, dass sie sich alleine nicht mehr helfen konnte. Jules hatte eine schwere Depression.

"Ich hab einfach keine Freude mehr empfunden. Es war so eine innere Leere da und ich hatte das Gefühl, dass mein Leben keinen Sinn mehr hat. Ich konnte mir auch keine positive Version meiner Zukunft mehr ausmalen." Jules

Über Jahre hat sie versucht, ihre negativen Gedanken versucht zu überspielen, hat sich in der Arbeit, in ihrer Familie und im Freundeskreis nichts anmerken lassen. Doch der "innere Sturm", der in ihr tobte, wurde nicht kleiner, sondern größer, sagt sie.

Kein normaler Liebeskummer

Als sie ihren Job kündigt und dann auch noch die Trennung von ihrem damaligen Partner hinzu kommt, verliert sie komplett den Halt. Sie will am liebsten nicht mehr aus dem Haus gehen, fühlt sich antriebslos und taub. Als ihre Eltern sie so sehen, verstehen sie, dass das kein normaler Liebeskummer ist und bringen sie in die Psychiatrie nach Haar.

"Früher hat man in unserer Familie immer gesagt “die Klapse in Haar”. Ich hätte nie gedacht, dass ich irgendwann mal hier landen werde, weil ich bin doch nicht krank, nicht geisteskrank." Jules

Dass ausgerechnet Jules, die immer alles mit Bravour gemeistert hat, hier landet, war für sie und ihre Eltern schwer zu akzeptieren. Auch viele in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis wussten nicht, wie sie damit umgehen sollten, als Jules ihnen erzählte, dass sie nun erstmal stationär zur Behandlung bleiben würde, um ihre Depression zu behandeln.

Depressionen sind ein Tabu

Das Thema war und ist viel zu oft ein Tabu, sagt Jules heute. Nicht darüber zu reden aber, mache es für sie als Betroffene nur noch schwererer. Nach ihrer Diagnose im letzten Jahr hat sich Jules auf eine Verhaltenstherapie eingelassen, erst stationär, dann ambulant. Die Therapie ist konfrontierend und anstrengend. Es geht darum, Unterbewusstes zu verstehen, sich selbst kennen und akzeptieren zu lernen um dann an sich zu arbeiten.

"Man fühlt sich in der Therapie total verletzlich. Um aus der Depression wieder raus zu kommen, braucht man jemanden der einen an die Hand nimmt und der einem gut zuredet, damit man lernt, das irgendwann mit sich selbst zu machen." Jules

Heute, ein Jahr nach der Aufnahme in Haar, ist Jules auf einem guten Weg. Es geht bergauf, sagt sie. Das letzte Jahr war schwierig und konfrontierend, aber die Mühe habe sich gelohnt. Durch ihre eigene Erfahrung ist es ihr nun auch ein großes Anliegen offen mit dem Thema psychische Gesundheiten umzugehen und kein Tabu mehr daraus zu machen.

Mental Health Café

"Einsamkeit und Isolation sind ein großer Faktor für psychische Gesundheit", sagt Dominique de Marné, "und unsere Gesellschaft ist nicht dazu ausgelegt, das Miteinander zu stärken. Wir merken, dass da Bedarf da ist." Mit ihrem Mental Health Café "Berg & Mental" in München will sie für Menschen mit Depressionen einen Ort schaffen, sich auszutauschen, Kraft zu geben und zu bekommen.

Man müsse jeden Tag etwas für seine psychische Gesundheit tun, findet Marné, so wie es auch bei der körperlichen Gesundheit selbstverständlich ist: "Ich fange ja auch nicht erst damit an, mir die Zähne zu putzen, wenn sie mir ausfallen." Das Menthal Health Café in München ist eingerichtet wie eine Berghütte - und das ganz bewusst.

"Wer schon einmal auf einer Berghütte war, der weiß, da oben ist der Umgang miteinander anders. Es ist alles ein bisschen entspannter, entschleunigter. Das wollten wir ins Tal holen" Dominique de Marné, Berg & Mental

Doch nicht nur das Miteinander reden hilft Jules heute, auch das Schreiben tut ihr gut. Seit Kurzem bloggt sie und verarbeitet dabei, was sie erlebt. Sie will anderen Mut machen.

Mehr zum Thema "Wege aus der Depression" gibt es am Mittwoch, 29. Januar 2020 um 19 Uhr im BR-Fernsehen in STATIONEN und im Anschluss in der BR-Mediathek.