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Max Beckmann in Nizza - Ansichtskarte

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"Departure": Die Pinakothek zeigt Max Beckmann auf Reisen

"Departure": Die Pinakothek zeigt Max Beckmann auf Reisen

Das Reisen – freiwillig oder unfreiwillig – hat das Leben des 1950 in New York gestorbenen Malers Max Beckmann stark geprägt. Eine Schau in der Pinakothek der Moderne lässt uns regelrecht in Beckmanns Lebenswelten eintauchen.

Es ist eines der schönsten Bilder der Ausstellung: "Riviera-Landschaft mit Felsen", Öl auf Leinwand von 1942. Aber der, der das malt, sitzt nicht etwa hinter der sonnenbeschienenen Balustrade unter Palmen mit Blick auf den gigantischen Felsvorsprung und das grün-türkis aufleuchtende Meer mit den kleinen Segelbooten, sondern mitten im düster regnerischen, kriegsversehrten Amsterdam.

Bilder wie Fenster in eine sonnige Vergangenheit

"Beckmann hat seine letzte Cote d´Azur Reise 1939 angetreten nach Cape Martin und nicht wissend, dass es das letzte Mal sein würde. Und hat danach in Amsterdam sozusagen zurückgegriffen auf seine Ansichtskarten. Hat überall, wo er war, immer Ansichtskarten gekauft, als Andenken an diese sonnendurchflutete mediterrane Landschaft. Und hat dann in Amsterdam, also wir wissen es von Erhard Göpel, der hat darüber geschrieben, dass er sich mit ihm unterhalten hat über die sonnigen Tage an der Cote d´Azur. Wie schön Südfrankreich war. Und das nächste Mal, wenn Göpel zu Besuch kam, hat Beckmann wieder so eine Landschaft gemalt. Und die hat er aufgehängt wie Fenster in seiner Wohnung am Rokin, wie Fenster, eine in eine friedliche, sonnendurchflutete und schöne Vergangenheit. Das sind Sehnsuchtslandschaften, die er gemalt hat, in einer Zeit, wo Bomben auf Amsterdam fielen", so Christiane Zeiller, Mitarbeiterin am Münchner Max Beckmann Archiv.

Dort befinden sich zahlreiche Belege dafür, wer den Maler im Exil besuchte, wie der Kunsthistoriker Erhard Göpel. Und das ist das Besondere an dieser Ausstellung: Die im Beckmann Archiv gelagerten Fotos, Briefe, Hotelrechnungen, Tagebücher und Filme und Malutensilien finden in der fulminanten Ausstellung in der Münchner Pinakothek der Moderne erstmals wieder mit den Werken zusammen. So entsteht eine Emotions- und Imaginationsmaschine, die die Besucherinnen und Besucher regelrecht in Beckmanns Lebenswelt eintauchen lässt.

Max Beckmann lebensnaher, greifbarer

Beckmann habe ein ganz bestimmtes Bild von sich gegeben, sehr viele Selbstporträts gemalt und zeige sich oft als Fels in der Brandung, sagt Zeiler: "Die heruntergezogenen Mundwinkel. Und wenn wir jetzt die Archivalien und dieses Privatleben mit einbeziehen, dann erzählen wir doch einfach auch noch eine andere Geschichte. Wir öffnen ein anderes Bild auf Beckmann und wir haben Facetten von Beckmann zur Ansicht gebracht, die man so vielleicht noch nicht hatte. Er hatte Humor, er hatte Spaß mit Quappi, er hat gescherzt, er hat Sport getrieben. Das sind solche Aspekte, die den Menschen greifbarer machen.

Beckmann war zunächst freiwillig und dann unfreiwillig ein Reisender. Selbstgedrehte kleine Amateurfilme zeigen ihn oder seine Frau Quappi in der Ausstellung mitten im Pariser Straßenverkehr, am Strand, im Urlaub in Bad Gastein oder beim Tennisspiel in Frankfurt. Aber nach Hitlers Wutrede gegen die moderne Kunst 1937 verlässt Beckmann fluchtartig das Land Richtung Holland; äußerst nervös übersteht er die Passkontrolle und lebt fortan ängstlich im Amsterdamer Exil. Hier malt er unentwegt. Bis er nach Kriegsende in die USA ausreist und in New York seine letzte Bleibe findet. Tatsächlich hat sogar Beckmanns Triptychon "Departure" als Leihgabe aus dem MoMA in die Münchner Ausstellung gefunden.

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Max Beckmann "Departure" 1932 Museum of Modern Art, New York

Bilder der Heimatlosigkeit

Beckmann sah sich selbst als von den Zeitläuften hin und her geworfene Existenz. Vergleiche für seine Heimatlosigkeit sucht und findet er in der Antike, in Odysseus, in den Argonauten, die er malt. Daneben finden sich in der Ausstellung immer wieder Orte und Landschaften: das frontale Straßen- und Häuser- und Hafengetümmel von San Francisco, die prächtig leuchtende Strandpromenade von Nizza – gemalt vom mondänen Hotelzimmer aus. Es sind die schwarzen Striche, die die Konturen wuchtig und kantig hervortreten lassen. Beckmanns Kunst ist immer ausdrucksstark, ganz so wie man sich diesen massigen Mann charakterlich von den Portraitfotos her vorstellen möchte.

Bildrechte: Max Beckmann Archiv, Max Beckmann Nachlässe

Foto von Max und Quappi Beckmann in den Ferien, Zandvoort, 1934/35

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