BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Debatte um Segen für gleichgeschlechtliche Paare | BR24

© BR

Am Wochenende haben sie in München geheiratet: Schlagersänger Patrick Lindner und sein Lebensgefährte. Ein Pfarrer segnete anschließend die Eheringe, was bei manchen Katholiken für Aufregung sorgte. Auch anderswo kocht das Thema wieder hoch.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Debatte um Segen für gleichgeschlechtliche Paare

Am Wochenende haben sie in München geheiratet: Schlagersänger Patrick Lindner und sein Lebensgefährte. Ein Pfarrer segnete anschließend die Eheringe, was bei manchen Katholiken für Aufregung sorgte. Auch anderswo kocht das Thema wieder hoch.

Per Mail sharen

Den Bund fürs Leben vorm Traualtar besiegeln – davon träumen viele. Doch gleichgeschlechtlichen Paaren verwehrt die katholische Kirche das Sakrament der Ehe. Offiziell erlaubt die katholische Kirche weder eine Eheschließung noch eine Segnung schwuler und lesbischer Partnerschaften. Einige Pfarrer segnen sie trotzdem. Am vergangenen Wochenende etwa hat der katholische Pfarrer Rainer Maria Schießler aus dem Münchner Glockenbachviertel die Eheringe von Patrick Linder und seinem Lebensgefährten Peter Schäfer gesegnet.

Segen ist nicht Ehe-Sakrament

Im Erzbistum München-Freising habe man davon zunächst auch nur aus der Presse erfahren, sagt Christoph Kappes, Leiter der erzbischöflichen Pressestelle:

"Wir prüfen derzeit, was sich tatsächlich ereignet hat. Generell gilt, dass jeder Mensch im Sinne einer seelsorglichen Begleitung einen Segen erhalten kann. Davon abzugrenzen ist das Sakrament der Ehe, das auf die treue Beziehung zwischen Mann und Frau ausgerichtet und offen für Kinder ist." Christoph Kappes, Leiter der erzbischöflichen Pressestelle

Rainer Maria Schießler setzt sich seit Jahren für die Segnung von Partnerschaften Homosexueller ein. Im Falle von Patrick Lindner und dessen Lebensgefährten habe er im Rahmen eines Gedenkgottesdienstes für die verstorbene Mutter Linders neben anderen Andachtsgegenständen auch die Ringe des Paares gesegnet. Eine klassische Trauung sei es somit nicht gewesen, betont Schießler: Es habe keine Willenserklärung gegeben, keine Befragung des Brautpaars und auch keinen Vermählungsspruch, sondern nur eine Segnung der Ringe: Das sei die Segnung von zwei Alltagsgegenständen, die diesen beiden Menschen wichtig seien.

"Es war einfach ein ganz persönliches Zeugnis dieser beiden Menschen, und die hat bei uns stattgefunden. Und da gehört sie auch hin, überall dort, wo Menschen füreinander da sind." Pfarrer Rainer Maria Schießler

Menschen annehmen, nicht wegschicken

Der Schlagersänger und sein Lebensgefährte sind nicht das erste homosexuelle Paar, das Pfarrer Schießler gesegnet hat. "Und es wird sicherlich nicht das letzte bleiben", sagt er. Schließlich kämen immer wieder gleichgeschlechtliche Paare mit diesem Wunsch zu ihm: "Und das ist das, was mich bewegt, dass sie uns als Kirche nicht abgeschrieben haben." Er möchte, dass seine Kirche begreift, dass es nicht darum geht, diese Menschen zu verstoßen. Erst kürzlich habe schließlich auch der Papst in Rom zu den Eltern homosexueller und Transgender-Kinder sinngemäß gesagt: "Eure Kinder sind von Gott geliebte Geschöpfe." Darum meint auch Pfarrer Schießler: "Wir haben die Leute anzunehmen, zu segnen, nicht wegzuschicken. Wir müssen sie wieder gewinnen."

Predigt geht viral

Nicht nur in Bayern, auch im hessischen Fulda ist der Segen für gleichgeschlechtliche Paare aktuell wieder ein Grund für Aufregung. In Limburg machte sich der Domkapitular Christof May für den Segen stark. Ein Live-Mittschnitt des Gottesdienstes mit ihm fand in den Sozialen Medien große Resonanz.

"Nachdem sie sich geprüft haben und sagen, wir wollen ein Leben lang miteinander gehen, füreinander einstehen, und sie haben sich ihre Veranlagung nicht ausgesucht und wollen niemanden ärgern. Muss ich nicht diese Beziehung segnen? Sollte ich nicht froh sein, dass jemand zu uns kommt und uns überhaupt noch um Segen bittet?" Limburger Domkapitular Christof May

"Ich möchte sie in der Mitte sehen"

Christof May ärgert die Linie der katholischen Kirche im Umgang mit Homosexuellen: "Segnen darf ich sie nicht. Stattdessen werden und wurden solche Menschen verbal verprügelt, weggeschickt." Und er sagt: "Ich möchte das wiederverheiratete, geschiedene, das gleichgeschlechtliche Paar nicht im Wohnzimmer segnen müssen. Ich möchte sie in der Mitte sehen."

Tatsächlich spricht sich auch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken seit längerem für Segensfeiern aus. Auch der Münchner Erzbischof und damalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Reinhard Kardinal Marx hatte vor einiger Zeit erklärt, dass er Segnungen für homosexuelle Paare für möglich halte. Es gehe um konkrete Einzelfälle, sagte er. Ein generelles und weltweites "Ja" sehe er aber nicht, erklärte Marx damals.

Übrigens: Gesegnet werden in der katholischen Kirche nicht nur Ehepaare, Kinder oder Haustiere. Auch Autos und Fahrräder erhalten einen Segen, nur eben homosexuelle Partnerschaften nicht – zumindest offiziell.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!