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Hat Ärger: Sänger Heino

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    Debatte um Heino: "Deutscher" Liederabend sorgt für Ärger

    Streit beigelegt: Die Tonhalle Düsseldorf wollte ein Konzert des Sängers wegen des "tümelnden Untertitels" nicht bewerben, jetzt schaltete sich der Oberbürgermeister ein und stellte klar: Heinos Liederabend und Plakat sind nicht "nationalistisch".

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    Von
    • Peter Jungblut

    Heino vor den Nationalfarben, der einen "deutschen Liederabend" ankündigt? Das hatte viel Wirbel ausgelöst und war als "etwas tümelnd" kritisiert worden. Doch jetzt ließ der Düsseldorfer Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) mitteilen, dass er die Kritik an der Formulierung nicht teile und beim Sänger auch keine "nationalistischen oder ähnliche Tendenzen" sehe. Daher dürften Heinos Plakate auch in der Düsseldorfer Tonhalle ausgehängt werden, um für ein Konzert am 8. Oktober zu werben. "Wir sind sehr froh darüber und nicht nachtragend", sagte dazu Heinos Manager Helmut Werner der dpa. "Die Diskussion war sehr wichtig. Wir dürfen das Wort 'deutsch' nicht den Rechtspopulisten überlassen und nicht in die Nähe von Hetze rücken. Heino hat deswegen enorm viel Zuspruch erhalten und freut sich auf das Konzert in seiner Heimatstadt."

    "Deutsch ist prima"

    Der Intendant der Düsseldorfer Tonhalle, Michael Becker, hatte sich zunächst daran gestört, dass Heino (82) mit einem "deutschen Liederabend" auf die Bühne gehen will: "Es geht hier um die Bezeichnung eines Liederabends als deutsch. Das bezieht sich dann auf die Form des Konzerts und nicht auf den Inhalt", so Becker gegenüber dpa. Das sei fachlich wie politisch nicht korrekt. Es gebe in der Tonhalle ja auch keine deutschen Symphoniekonzerte, wenn nur Brahms und Beethoven gespielt werde: "Also: Deutsch ist prima. Deutsches Lied ist sogar ein wissenschaftlich verbürgter Begriff, aber 'deutscher Liederabend' ist eben nicht richtig."

    Zuvor hatte eine Sprecherin der Tonhalle geäußert, der Veranstalter "störe" sich "an dem etwas tümelnden Untertitel" und wolle daher den Konzertabend nicht "selbst bewerben". Gemeint sei damit konkret, so die Sprecherin gegenüber dem BR, dass Heinos Konzert nicht im kommenden Saisonmagazin und auf der Homepage der Tonhalle Erwähnung finde. Auch Plakate sollten demnach nicht in der Tonhalle ausgehängt werden. Das geschehe bei "Gastveranstaltungen" allerdings ohnehin nicht. Im Übrigen gebe es "keinen Grund, den Vertrag zu ändern oder zu kündigen", nur weil sich der Titel ändere. Allerdings könnten Mieter der Tonhalle ihre Verträge derzeit wegen der Pandemie ohnehin "kostenfrei" kündigen.

    Es handle sich letztlich um einen "Sturm im Wasserglas", so die Sprecherin im BR-Gespräch. Es sei ohnehin klar, dass Heino ausschließlich deutschsprachige Lieder singe. Der Presse-Wirbel sei von dessen Management womöglich "gerne aufgegriffen" worden.

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    Bildrechte: Horst Ossinger/Picture Alliance

    Hoch die Gläser: Heino bei der Eröffnung des "Oktoberfests" in Bad Münstereifel

    Die "BILD"-Zeitung hatte erstmals darüber berichtet. "Bin ich ein Hetzer, wenn ich Brahms und Schubert singe?" hatte Heino in der Überschrift gefragt. Auf dem Programm stehen demnach Klassiker wie "Ave Maria" von Johannes Brahms und "Heidenröslein" von Franz Schubert. Der Sänger, der 2013 auch "Sonne" von Rammstein interpretiert hatte und 2018 mit "Engel" nachlegte, zeigte sich ungehalten: "Geht's eigentlich noch? Soll das Wort ,deutsch' jetzt auch schon rechtspopulistisch sein? Das entbehrt doch jeglicher Logik und jedes klaren Verstandes!"

    "Städtische Räume sind kein Ort für Hetze"

    Nun erwägt Heino, die Location zu wechseln, wie sein Manager Helmut Werner der Deutschen Presse-Agentur sagte: "Welches absurde Gedankengut muss man haben, um sich am Wort 'deutsch' zu stören?" Der Sänger habe sich in einem Interview 2019 sogar für ein Verbot der AfD ausgesprochen.

    Von der Tonhalle hieß es, dass man Heinos Management auf eine "städtische Richtlinie" hingewiesen habe, an die man gebunden sei. Auf Nachfrage des BR gibt es jedoch gar keine solche "Richtlinie", sondern lediglich einen Grundsatzbeschluss und "Auftrag" des Stadtrats unter dem Titel "Kein Raum für Hetze", wobei das genaue Konzept "noch einer verwaltungsinternen Abstimmung und Ergänzung konkreter (Miet-)Vertragsmuster" bedürfe. Dazu sei ein "Workshop" geplant gewesen, der wegen der Pandemie "in naher Zukunft" nicht stattfinden könne, weshalb die Abstimmung "nunmehr schriftlich" erfolge. Ziel dieses offenkundig noch nicht verabschiedeten Konzepts sei es, "Räume nicht für Personen, Gruppen oder Veranstaltungen" bereitzustellen, "die rassistische, antisemitische, salafistische, antidemokratische, sexistische, gewaltverherrlichende oder andere menschenfeindliche Inhalte vertreten oder verbreiten".

    Manager: "Deutschland schafft seine Identität ab"

    Heino-Manager Werner stieß das jedenfalls besonders sauer auf: "Alleine eine Verbindung mit dem Wort deutsch, Heino und Hetze herzustellen, entbehrt jeglichem klaren Verstand." Es sei absurd, welche Dimension die "politische Korrektheit" angenommen habe: "Heino ist ein deutscher Sänger, der deutsche Lieder singt. Wenn das Wort 'deutsch' jetzt schon rechtspopulistisch ist, schafft Deutschland seine Identität ab", so Werner.

    Ursprünglich sollte der Abend "Heino goes Klassik - mit großem Orchester" heißen und am 17. Oktober vergangenen Jahres stattfinden. Damals hatte es in der Ankündigung geheißen, Heino werde nicht nur "altbekannte und neue Hits und Gassenhauer wie 'Blau blüht der Enzian' oder 'Schwarzbraun ist die Haselnuss', sondern auch klassische Musik von Brahms, Beethoven, Schubert und Tschaikowsky" präsentieren. Als "Stargast" sollte der 28-jährige Violin-Virtuose Yury Revich auftreten. Wegen der Corona-Pandemie werde aber ein großes Orchester absehbar nicht auf Tournee gehen können. Daher habe man den Untertitel ändern müssen. Keine der übrigen 17 Konzerthallen habe daran Anstoß genommen, so Werner.

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