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Debatte über Kartenverkauf: Live-Konzerte nur noch für Geimpfte? | BR24

© Jens Krick/Picture Alliance

Konzertkarten: Nur noch für Geimpfte?

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    Debatte über Kartenverkauf: Live-Konzerte nur noch für Geimpfte?

    Der Vorstandschef des großen deutschen Ticket-Vermarkters CTS Eventim, Klaus-Peter Schulenberg, schließt nicht aus, eine "Impfung zur Zugangsvoraussetzung für Veranstaltungen" zu machen. Die Vorverkaufs-Systeme könnten bereits Impfausweise lesen.

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    Von
    • Peter Jungblut

    Seit Monaten findet Live-Kultur gar nicht oder nur sehr eingeschränkt statt, die Veranstalter darben, viele Künstler und Beschäftigte sind verzweifelt. Umso sehnlicher wünscht sich die Branche einen baldigen Neustart herbei. Könnte dabei eine faktische Impfpflicht für Besucher helfen? Dieser Ansicht ist offenbar Klaus-Peter Schulenberg von der großen deutschen Agentur CTS Eventim. In der "Wirtschaftswoche" sagte er "auf Nachfrage": "Wenn es genug Impfstoff gibt und jeder sich impfen lassen kann, dann sollten privatwirtschaftliche Veranstalter auch die Möglichkeit haben, eine Impfung zur Zugangsvoraussetzung für Veranstaltungen zu machen." Technisch sei das jedenfalls kein Problem, so der Manager.

    CTS Eventim will Konzertbesuch" nicht generell an Impfung binden"

    CTS Eventim-Pressesprecher Frank Brandmaier legt allerdings gegenüber dem BR Wert darauf, dass CTS Eventim die Teilnahme an Konzerten und Veranstaltungen keineswegs generell "an eine Impfung binden" wolle. Das sei in dieser Verkürzung "falsch". Er verwies auf den Wortlaut des veröffentlichten Zitats von Schulenberg, das eine "völlig andere Aussage" habe. Demnach geht es dem Ticket-Unternehmen darum, eine Rechtsgrundlage dafür zu schaffen, dass Veranstalter selbst von Fall zu Fall entscheiden können, wie sie es mit einer Impfpflicht halten wollen.

    Die Vorverkaufssysteme könnten bereits Impfausweise lesen, so Schulenberg. Im Übrigen hat der oberbayerische Landkreis Altötting bereits eine digitale Impfbescheinigung auf einer Plastikkarte vorgestellt, die maschinenlesbar ist.

    "Skepsis wird bald verschwinden"

    Vorbehalte hat Schulenberg offenbar keine, wenngleich er weiß, dass es in der Bevölkerung noch Bedenken gibt: "Aber wenn man sieht, wie nun weltweit ohne relevante Nebenwirkungen geimpft wird, dann ist zu hoffen, dass diese Skepsis auch bald schwinden wird." CTS Eventim vergibt in Schleswig-Holstein sogar Impftermine, was "problemlos" verlaufe, so der Vorstandschef. Der Andrang halte sich im Vergleich zu großen Konzerten wie von den Rolling Stones oder Rammstein allerdings in Grenzen: "Davon waren wir weit, weit weg."

    Schulenberg zufolge geht es bei einer möglichen Impfpflicht für Besucher nicht in erster Linie um wirtschaftliche Überlegungen, sondern um gesundheitliche: "Je schneller die Bevölkerung geimpft ist, desto schneller können auch Veranstaltungen wieder stattfinden. Für uns steht aber im Vordergrund, einen Beitrag zu leisten, damit wir alle diese Pandemie baldmöglichst überwinden."

    Auch in den USA und der Schweiz Debatten

    Am 11. November vergangenen Jahres hatte ein Bericht des "Billboard"-Magazins zunächst für Schlagzeilen gesorgt, wonach der amerikanische Eventvermarkter Ticketmaster eine Impfung zur Bedingung für die Besucher von Livekonzerten machen wollte. Das hatte sich schnell als Fehlinformation herausgestellt: Ticketmaster versicherte damals, "niemand werde von uns gezwungen, irgendetwas zu tun". Ähnlich wie jetzt CTS Eventim verwies der Kartenverkäufer darauf, dass er selbst gar nicht befugt sei, Zutrittsbeschränkungen für Konzerte durchzusetzen, das sei Angelegenheit der Organisatoren vor Ort.

    Allerdings bestätigte Ticketmaster, dass unter mehreren "potentiellen Ideen" auch die technischen Voraussetzungen dafür geschaffen würden, eine eventuelle Impfpflicht für bestimmte Events kontrollieren zu können. Das soll über eine zwischen geschaltete "Gesundheitspass"-Firma und eine Smartphone-App erfolgen. Ticketmaster selbst komme demnach an keinerlei Gesundheitsdaten.

    Im Dezember hatte bereits der US-Rapper Lupe Fiasco mit der Ankündigung für Aufregung gesorgt, er wolle nur noch vor Geimpften auftreten. Angebliche "Wundermittel" gegen Corona hatte er als "Haufen Scheiße" gebrandmarkt und Impfgegner auf seinen diversen Netz-Kanälen herbe kritisiert.

    Auch der Branchenverband der professionellen Schweizer Konzert-, Show- und Festivalveranstalter SMPA kann sich eine Impfpflicht für Live-Events vorstellen. Geschäftsführer Stefan Breitenmoser sagte dem "Sonntagsblick" gestern: "Eine Impfung könnte dereinst eine von verschiedenen Maßnahmen sein, um eine Veranstaltung zu besuchen." Festlegen wollte sich der Verband allerdings nicht, dafür sei noch zu früh.

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