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David Byrne feiert auf seinem neuen Sampler den Gospel | BR24

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David Byrne, Mastermind der Talking Heads, ist nicht nur Musiker, Songautor, Filmemacher und bildender Künstler, er ist auch begeisterter Sammler und Sampler. Jetzt hat Byrne mit "The Time For Peace Is Now" einen Sampler mit Gospels veröffentlicht.

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David Byrne feiert auf seinem neuen Sampler den Gospel

David Byrne, Mastermind der Talking Heads, ist nicht nur Musiker, Songautor, Filmemacher und bildender Künstler, er ist auch begeisterter Sammler und Sampler. Jetzt hat Byrne mit "The Time For Peace Is Now" einen Sampler mit Gospels veröffentlicht.

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Schon merkwürdig, wenn David Byrne gefragt wird, was er denn zur Zeit höre, nennt der in Schottland geborene Songschreiber meistens Gospel-Interpreten. Für die BBC wählte David Byrne beispielsweise einen Gospel-Song aus, der von einem legendären House-DJ remixed worden ist. Auf "The Time For Peace Is Now", seinem neuen Sampler, finden sich aber keine derartigen stylishen Pop-Trouvaillen, sondern down-to-earth-Songs. Sie wurden in den 70-er Jahren aufgenommen und auf Singles veröffentlicht. Verblüffend ist, wie spannend, frisch und zeitlos diese Lieder klingen. Die Arrangements, meist nur auf das Allernötigste runtergebrochen, reflektieren zum Einen eine Haltung, wie sie auch die Talking Heads an den Tag legten. Ihre frühen New-Wave-Alben klangen wie skelettiert, ihre Lieder klangen wie Skizzen. Die auf’s wesentliche beschränkte Instrumentierung erinnert zum Anderen an die sparsame Sound-Ästhetik, die im Hiphop der 80-er Jahre verbindlich wurde und zu Beginn des neuen Jahrtausends dann im Songschreiber-Genre.

Der Glaube an tiefe Dinge

Nichts soll ablenken von der Message, von der Botschaft, so man denn etwas zu sagen hat. Den nackten Song in den Vordergrund stellen, ein bisschen Bass und Schlagzeug als Fundament. Nur hin und wieder ein paar Töne, die die Akkorde andeuten. Darüber Stimmen, die mit viel Soul den Glauben an einfache, aber tiefe Dinge feiern. "Gib nicht auf", "Es ist hart in dieser alten Welt" und: "Wir sind bedürftig" heißen einige Titel oder: "Ich will dein Freund sein".

© luaka bop

"The Floyd Family Singers" bei einem Livekonzert

David Byrne hat mal wieder abseitige, funkelnde Popsongs ausgegraben, die vergessen wären, hätte nicht ein begeisterter Fan wie er genau hingehört. Wie immer bei Byrnes sorgfältig edierten Musik-Samplern wird die Songauswahl aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Der New Yorker Schriftsteller Jonathan Lethem plädiert in seiner Einleitung für eine wertneutrale Rezeption. Es handle sich hier, schreibt er im Booklet, um Lieder, in denen es zwar um den Überfluss von Liebe gehe, aber nicht um Liebeslieder.

Wechselwirkung von Gospel und Soul

Pastor Keith L. Whitney aus Detroit betont dagegen, dass die Aufnahmen stark von der Popmusik der damaligen Zeit, von Funk und R’n’B infiziert sind. Sie sind geprägt von den Musizierhaltungen, wie sie Pop-Plattenfirmen wie Motown und Stax anboten und für die Soul-Künstler wie Aretha Franklin und Sam Cooke standen. Deren Gesangsstile wiederum sind ja zutiefst geprägt von der Gospelmusik. Die Wechselwirkung der Gattungen Gospel und Soul wird hier also auf eindrucksvolle Weise gespiegelt und reflektiert. Der Sampler "The Time For Peace Is Now" zeigt David Byrne als kompetenten Pop-Historiker und sorgfältigen Herausgeber, und ja, als Zeitgenossen, der sich für die einfachen Werte und ein Bekenntnis zu einem gelebten Glauben einsetzt.

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