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Das waren unsere heißgeliebtesten Ausstellungen 2020 in Bayern | BR24

© Matheus Viana / Pexels

Ausstellungsbesucherin in Brasilien

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    Das waren unsere heißgeliebtesten Ausstellungen 2020 in Bayern

    Für Ausstellungsfans war es ein hartes Jahr, immerhin: Ein paar Chancen auf tolle Ausstellung gab es 2020 ja doch, manches wurde verlängert und kann vielleicht im kommenden Jahr noch besichtigt werden. Unsere sechs Highlights – und ein Flop:

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    Von
    • Joana Ortmann
    • Julie Metzdorf
    • Martin Zeyn
    • Stefan Mekiska
    • Henning Weber

    Wald ohne Bäume

    Der Duft, das Rauschen, die Tiere – wenn es um den Wald geht, hat jeder sein Aussteiger-Szenario. Die Romantisierung und Technisierung des Waldes zeigt diese Ausstellung. Über die Kunst rücken Pilze, Moos und Steine unheimlich nah, und man kann in einer teils echten, teils virtuellen Natur ein bisschen Bambi spielen. Im Jahr der vielen Spaziergänge eine hyper-realistische Erfahrung!

    ERES-Stiftung bis zum 27. März

    Ein Tipp von Joana Ortmann

    © ERES-Stiftung, Thomas Dashuber

    Martin Kippenberger: "Jetzt geh ich in den Birkenwald, denn meine Pillen wirken bald" (1993)

    Thierry Mugler: "Couturissime"

    Die Ausstellung "Couturissime" in der Hypo-Kunsthalle entführt in die Mode- und Musikwelt vor allem der 80er und 90er-Jahre. Vom hautfarbenen Leder-Body mit jeder Menge Piercing-Ringen und -stacheln daran über die Fembot-Modelle ganz aus Metall, in denen Frauen wie Roboter erscheinen. Und dann wieder: ein Quallenkleid in Pastell verwischt die Grenzen zwischen Wasser und Luft.

    Ganz klar: Thierry Mugler macht nicht nur Mode, er macht Modetheater. Und er hat uns mit seiner Ausstellung gezeigt: Die Mode ist vielleicht die letzte Bastion unserer Freiheit.

    Hypo-Kunsthalle bis zum 28.2.2021

    Ein Tipp von Julie Metzdorf

    © Nicolas Ruel

    Blick in die Ausstellung "Thierry Mugler: Couturissime" im Museum of Fine Arts, Montreal

    Lucy McKenzie: "Prime Suspect"

    Neben der Geschichte der Malerei interessiert McKenzie auch, wie Dekoration wirkt - sie baut alte Ladengeschäfte nach oder ein Büro in faschistischer Ausstattung. Hinreißend komisch ist ihre Präsentation von pornografischen Comics oder Graffitis. McKenzie erzählt spannend und überaus klug eine alternative Geschichte des Bildes. Illusion des Himmels wird als Illusion, die Menschen über Jahrhunderte geliebt haben, vorgeführt. Einer der klügsten und zugleich der humorvollsten Ausstellungen der letzten Jahre.

    Museum Brandhorst bis zum 21. Februar

    Ein Tipp von Martin Zeyn

    © Robert Haas

    Blick in die Ausstellung "Lucy McKenzie – Prime suspect" mit dem Werk "May of Teck" von 2010

    Michael Armitage "Paradise Edict"

    Der britisch-kenianische Maler Michael Armitage steht mit seinen großformatigen Ölbildern ganz in einer großen Tradition: Von fern könnte man manche von ihnen mit Werken von Edvard Munch verwechseln oder selbst mit Maria Lassnig. Die Farben verlaufen bisweilen. Heftig wird gemalt und streng figurativ. Doch die dargestellten Szenen spielen immer in der afrikanischen Heimat von Armitage, obwohl der Künstler inzwischen meist in London lebt. Immer ist da eine Bedrohung im Bild zu sehen. Dem flüchtenden Mann scheint ein Feuer "auf dem Fuße" zu folgen. Dem eigentlich bequem in einer Rikscha sitzenden Fahrgast hängt ein viel schwererer buchstäblich im Nacken. Und gemalt sind die Motive nicht auf Leinwand, sondern auf Lubugo, einer getrockneten und geglätteten Baumrinde. Die Arbeiten bilden eine Kulturbrücke zwischen europäischer Maltradition und afrikanischen Themen und Materialien.

    Haus der Kunst bis zum 14. Februar

    Ein Tipp von Stefan Mekiska

    © White Cube / Ollie Hammick. Ausschnitt: BR24

    Ausschnitt aus "The promise of change" von 2018

    Anish Kapoor "Howl"

    Es ist größer als wir, bedrängt uns, macht uns unseren Raum strittig. Ein monströses, ballonartiges, tiefrotes Objekt hat sich in der hehren Rotunde der Pinakothek der Moderne eingenistet, versperrt die gewohnten Durchblicke, lässt uns nach dem Licht suchen. Und zieht uns gleichzeitig mit seiner prallen Körperlichkeit, weichen Oberfläche und urwüchsigen Farbe eigentümlich an. Nur Luft oder doch viel mehr? Wie Wolfsgeheul in der Nacht? Die Betrachter entscheiden. Die aufsehenerregende Installation "Howl" des indisch-britischen Bildhauers Anish Kapoor ist ein Erlebnis.

    Pinakothek der Moderne bis August 2021

    Ein Tipp von Henning Weber

    © Johannes Haslinger

    Ausstellungsansicht Anish Kapoor: "HOWL" in der Pinakothek der Moderne München

    "Amish Quilts meet Modern Art"

    Die Quilts der Amish People sind etwas Besonderes: Mit ihren geometrischen, mitunter hochkomplexen Mustern und den ebenso prächtigen wie überraschenden Farbkombinationen wirken sie unerwartet modern, erinnern an konkrete Kunst oder an Grafiken und Webarbeiten aus der Bauhaus-Zeit. Die Quilts spielen in den Gemeinden eine zentrale Rolle: Es sind die einzigen Gegenstände sind, die geschmückt sind. Ansonsten ist Schmuck und Eitelkeit verboten, es gibt keine Spiegel und keine Bilder an der Wand. Ganz perfekt sind auch die Quilts nicht: Hier ändert sich plötzlich das Muster, dort wechselt die Farbe minimal, als sei ein bestimmter Stoff ausgegangen oder später ein Flicken eingesetzt worden. Die vermeintlichen Fehler sind sogenannte "Demutszeichen": absichtlich eingearbeitete Störungen, die darauf verweisen, dass nur Gott perfekt ist und alles menschengemachte unvollkommen sein muss.

    tim, Staatliches Textil- und Industriemuseum Augsburg bis zum 24. Januar

    Ein Tipp von Julie Metzdorf

    © Andreas Brücklmair

    Quiltmacherin Anna Yoder, Tumbling Block Stars / Columbia Stars, 1945 Amish, Holmes County, Ohio. Aus der Sammlung Wurzer, München.

    Unsere goldene Himbeere:

    Martin Zeyn über die Neupräsentation in der Pinakothek der Moderne

    Die Pinakothek der Moderne hat ihre Sammlung endlich einmal umgehängt. Nun, natürlich nicht alle Räume, immer noch behalten die großen Meister (natürlich nur Männer) jeweils einen Saal für sich. Immerhin, es sind deutlich mehr Künstlerinnen zu sehen. Aber die Begleittexte an den Wänden sind erschütternd. Da wird - wie seit Jahrhunderten – ganz selbstverständlich unterstellt, dass der Künstler bestimmt, wie eine Frau sich sieht. Diese Neuhängung muffelt, sie atmet mehr den Geist der 50er als den von heute. Mein Rat: Einfach noch mal ran und dann wirklich zeitgemäß hängen und beschriften.

    Permanent in der Pinakothek der Moderne, Sammlung Moderne Kunst, München

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