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Mahnmal für die Weiße Rose

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    Das vergessene Mitglied der weißen Rose

    Bekannte Mitglieder der weißen Rose sind vor allem Sophie Scholl und ihr Bruder Hans. Doch auch Hans Leipelt kämpfte gegen die Nazis - und wurde von ihnen hingerichtet.

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    Von
    • Astrid Uhr

    Hans Leipelt: Mit 23 Jahren von den Nationalsozialisten zum Tod verurteilt, hingerichtet mit dem Fallbeil im Januar 1945 in München-Stadelheim. "Vorbereitung zum Hochverrat" lautete die Anklage. Auch wenn von ihm wenig bekannt ist: Der Münchner Chemie-Student setzte die Flugblatt-Aktion der Widerstandsbewegung "Weiße Rose" fort, nach der Hinrichtung der Geschwister Scholl.

    Aber es gibt einen Ort in Bayern, wo sich etwa 650 junge Menschen fast täglich an ihn erinnern: Die Hans-Leipelt-Schule im schwäbischen Donauwörth. Daniel Seiler besucht die 11. Klasse der Fachoberschule. Mit dem Widerstandskämpfer Hans Leipelt hat er sich im Geschichtsunterricht intensiv beschäftigt: "An Hans Leipelt beeindruckt mich vor allem, dass er ja von sich aus gewusst hat, er ist ja kein großer bekannter Anführer. Obwohl er gewusst hat, dass er den Hitler nicht stürzen wird, hat er trotzdem gesagt, das ist seine Meinung, für die steht er ein. Und so hat er trotzdem gegen das NS-Regime gekämpft."

    "Unehrenhaft" aus der Wehrmacht entlassen

    Als Sohn einer jüdischen Mutter wurde Hans Leipelt am 18. Juli 1921 in Wien geboren, wuchs in Hamburg auf und studierte in München. Obwohl seine Familie zum evangelischen Glauben konvertierte, war Hans Leipelt für die Nationalsozialisten ein "Halb-Jude". Als so genannter "Mischling ersten Grades" wurde er 1940 unehrenhaft aus der Wehrmacht entlassen.

    Das erlittene Unrecht motivierte ihn zum Handeln gegen Hitler. Anlässlich seines 100. Geburtstages erinnert die KZ-Gedenkstätte Dachau an den Widerstandskämpfer. Pfarrer Björn Mensing: "Die jüdische Familie seiner Mutter war massiver Verfolgung ausgesetzt in Österreich und seine Großmutter wurde ins Ghetto nach Theresienstadt verschleppt, wo sie auch ermordet wurde."

    Er tippt das sechste und letzte Flugblatt der "Weißen Rose"

    Nach der Verhaftung und Hinrichtung von Hans Scholl, Sophie Scholl und Christoph Probst im Februar 1943 tippt Hans Leipelt das sechste und letzte Flugblatt der "Weißen Rose" ab. Es wurde ihm zugespielt - persönlich kennengelernt hatte er die Mitglieder nie. Gemeinsam mit seiner Verlobten Marie-Luise Jahn geben sie dem Blatt die Überschrift: "… Und ihr Geist lebt trotzdem weiter!" Sie werden denunziert, verhaftet, verurteilt. Hans Leipelt wird hingerichtet.

    Seine Verlobte überlebt

    Marie-Luise Jahn wurde zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges engagiert sich die Ärztin als Zeitzeugin. An die Flugblätter erinnert sie sich ihr Leben lang: "Und da sagten wir uns: Jetzt ist ja niemand mehr da, der diese Flugblätter verbreitet, und da haben wir uns dann an die Schreibmaschine gesetzt: Das muss weiterverbreitet werden - die Menschen müssen wissen, unter was für einem Regime wir leben, und warum Tausende Menschen täglich, sowohl Zivilisten wie Soldaten, sinnlos in den Tod geschickt werden." 2010 verstarb Marie-Luise Jahn mit 92 Jahren. Bis zuletzt hatte sie sich –im Sinne von Hans Leipelt - gegen Rechtsextremismus eingesetzt.

    Schule ohne Rassismus

    Auch an der Fach- und Berufsoberschule Donauwörth wird regelmäßig an den Namensgeber Hans Leipelt erinnert. Zu seinem 75. Todestag 2020 gab es eine Gedenk-Veranstaltung, dazu reiste sein Neffe aus den USA an. Gegenseitiger Respekt – der wird im Schulalltag hoch gehalten. Die Schülerin Johanna Schuster sagt: "So ist ja auch unser Schulmotto: Ohne Rassismus, und mit Courage. Wenn jetzt eine Mitschülerin zum Beispiel Kopftuch trägt, klar wird die dann auch mal komisch angeschaut oder dann wird hinter ihrem Rücken über sie geredet. Dagegen sollte man schon auch etwas sagen, und auch Mut zeigen, und für die Person auch einstehen."

    Die Greuel-Taten des NS-Regimes dürfen sich nicht wiederholen, sagt Schulleiterin Doris Barth-Riederer: "Aus dem Grund ist es mir ganz wichtig, dass junge Menschen weltoffen miteinander umgehen, dass sie andere Denkweisen auch akzeptieren, und das können Schüler aus der Geschichte lernen. "

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