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Hautfarbe tanzen: Tanzplattform gastiert in München | BR24

© Knut Klaßen

Gintersdorfer Klaßen mit "Kabuki Noir"

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Hautfarbe tanzen: Tanzplattform gastiert in München

Chronisch unterfinanziert und trotzdem ungeheuer lebendig ist die Tanzszene in Deutschland. Die Lebendigkeit ist jetzt auch wieder in München zu sehen: Tanzplattform Deutschland stellt ihre Auswahl von 15 Entdeckungen und spannende Experimenten vor.

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Der Tanz ist so ein bisschen das Aschenputtel der Theaterhäuser: Könnte doch die schönste sein unter den Künsten, kommt aber immer ein bisschen unterfinanziert daher. Das hat gute Gründe: Während das Theater auf das große Stadttheatersystem zurückgreifen kann, das es in Deutschland gibt, hat der Tanz keine vergleichbaren Ressourcen. Er beruht stark auf der freien Szene und das spiegelt sich auch bei der Tanzplattform Deutschland wider, die bis Sonntag 08. März in München ihre Auswahl von 15 Tanzprojekten vorstellt.

Die Tanzplattform findet seit 1994 alle zwei Jahre in wechselnden deutschen Städten die statt: ein Festival, das Produktionen Raum gibt, die aus dem Rahmen fallen, wie es auf der Website heißt. Doch es sind nicht nur freie Projekte zu sehen, wie Jury-Mitglied Anna Mülter im kulturWelt-Interview erklärt, denn auch in den Stadttheaterkompanien sei der Mut zum Experimentieren in den vergangenen Jahren enorm gewachsen.

Tanzend Position beziehen

Die Tanzplattform hat sich auf die Fahnen geschrieben, dass sie sich gesellschaftspolitisch positioniert. Was das bedeuten kann, zeigt Anna Mülter mit "DIS_SYLPHIDE" von Saša Asentić. Tänzer*innen mit verschiedenen Lernbehinderungen setzen sich darin mit drei berühmten Stücken aus der deutschen Tanzgeschichte auseinander - von Mary Wigman über Pina Bausch bis zu Xavier Le Roy. Mit Ikonen einer Tanzgeschichte also, an der sie bislang nie teilhatten.

© Anja Beutler

"DIS_SYLPHIDE" von Saša Asentić

"Das Thema ist die Tanzgeschichte und der Ausschluss aus der Tanzgeschichte", sagt Anna Mülter. "Und da haben sie sich drei Stücke rausgesucht, die den Tanz zu ihrer Zeit jeweils revolutioniert haben. Und das haben sie auch oft durch neue Körperbilder. Und manchmal waren das Körperbilder, die sich an Menschen mit Behinderung orientiert haben. Aber diese Menschen mit Behinderung war nie selbst auf der Bühne, sondern da wurde sich nur etwas abgeschaut, aber sie selbst wurden nicht ernst genommen, auch als Performerinnen. Und die Gruppe Per.Art dreht das um und beansprucht diese Tanzgeschichte auch für sich."

Hautfarbe tanzen: Ein Experiment von Joana Tischkau

Die junge afrodeutsche Choreografin Joana Tischkau zeigt "Playblack", ihre Abschlussarbeit Studiengang Choreografie und Performance der Hessischen Theaterakademie. Sie verhandelt darin, wie Mülter sagt, "schwarz sein und weiß sein in der Musik, also in der Popmusik. Zum Beispiel, dass Weiße begehren, schwarz zu sein" und umgekehrt: von Nina Hagen (Afrika, Afrika) bis zu Roberto Blanco, der sich im deutschen Schlager einrichtete. In der Ankündigung zu dem Abend heißt es: "PLAYBLACK hijackt das Format der von Mareijke Amado moderierten Mini Playback Show aus den 1990er_Jahren und wagt den Versuch, dem Ruf nach liberaler ‚colorblindness’ mit kindlicher Trotzigkeit zu begegnen."

© Daniel Michael Shaw

Joana Tischkau: "Playblack"

Den Clash der Kulturen tanzen

Bei Tanzplattform geht es in diesem Jahr auch um den Clash der Kulturen und Traditionen, um neue Formen des Ausdrucks. Bei "Kabuki Noir " von Gintersdorfer/Klaßen treffen unterschiedlichste kulturelle Formen aus verschiedenen Weltgegenden aufeinander: nämlich Kabuki, ein traditioneller japanischer Tanz mit dem Coupé Décalé der Elfenbeinküste und westlichen postmodernen Figuren.

© Audio BR/ Foto Knut Klaßen

Vom 4. bis 8. März 2020 findet in München die TANZPLATTFORM DEUTSCHLAND statt! Ein Interview mit Anna Mülter, Jurorin des Feistivals

Vom 4. bis 8. März 2020 findet in München die TANZPLATTFORM DEUTSCHLAND statt. Aus insgesamt 444 Produktionen wählte die Jury 15 Produktionen aus. Diese Auswahl ist an verschiedenen Orten zu sehen: in den Kammerspielen, im Residenztheater, im Muffatwerk, Utopia, Schwere Reiter, Hoch X und im Mucca.

© BR

Zum ersten Mal seit Jahrzehnten kommt das Festival 'Tanzplattform Deutschland‘ wieder nach München und zeigt die besten Produktionen der letzten Zeit.

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