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Das sind unsere Lieblingsfilme 2019 | BR24

© picture alliance/akg-images

Kino-Eingang im Metro, Kalkutta, bei Nacht

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    Das sind unsere Lieblingsfilme 2019

    Gleich vier Kolleg*innen küren "Parasite" zum Film des Jahres - Bong Joon-hos ungeheuer bildstarke Hochstaplergeschichte einer armen Familie in Seoul. Die Favoriten anderer sind nicht minder aufregend: "Joker", "Erde" und "The Favourite".

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    "Burning" von Lee Chang-dong

    Der Gelegenheitsarbeiter Jongsu trifft eine frühere Klassenkameradin, mit der - das merkt man als Zuschauer sofort - irgendetwas nicht stimmt. Die nächsten zweieinhalb Stunden verbringt man damit, dieser Haemi und ihrem Geheimnis näher zu kommen. Und immer wenn man denkt, man hätte den Clou verstanden, lässt "Burning" einen wieder fallen. Dieses Spiel hinterlässt eine Verwirrung in einem, die sehr angenehm ist. Friedrich Müller

    "Erde" von Nikolaus Geyrhalter

    "Mich faszinieren Zonen, wo man normalerweise nicht hineinsieht", sagt der Österreicher Nikolaus Geyrhalter. Der 1972 geborene Regisseur, Kameramann und Produzent ist einer der Bildgewaltigen des zeitgenössischen Dokumentarfilms. Nach seinem Meisterwerk "Homo Sapiens" erkundet er in seinem jüngsten Film "Erde" unvertrautes Gelände: sieben Orte, anhand deren er zeigt, was es heißt, wenn der Mensch sich die Erde untertan macht. Knut Cordsen

    "The Favourite" von Giorgos Lanthimos

    Zwei Cousinen buhlen um die Gunst ihrer Herrin, der englischen Königin Anne. Und auch um ihre Liebe. Das könnte, von der Handlung her, ein Kammerspiel sein. In Giorgos Lanthimos‘ Film wird dieser Stoff freilich zur ganz großen Leinwand-Geschichte. Und das liegt nicht zuallererst an der beeindruckenden Ausstattung. Sondern vielmehr an der Kunst der Hauptdarstellerinnen, allen voran von Olivia Colman, die für ihre Rolle als Königin Anne einen Oscar bekam. Und ja, wir können erfahren, welche Abgründe sich auftun in der menschlichen Existenz. Niels Beintker

    "Joker" von Todd Phillips

    Der böse "Joker" aus dem Batman-Universum – hier wird schlüssig und nachvollziehbar erzählt, wie er so werden konnte. Bravouröse Schauspieler-Leistung von Joaquin Phoenix. Und man fragt sich, würde der Joker heute Populisten wählen? Stefan Mekiska

    "Parasite" von Bong Joon-ho

    Begründung 1: "Parasite" ist ein Film mit einer ganz eigenen Ästhetik, einer ganz eigenen Erzählung. Eine Komödie? Eine Tragödie? Diese Frage will der Regisseur und Drehbuchautor Bong Joon-ho aus Korea gar nicht beantworten. Er zieht uns einfach hinein in die Geschichte von Reichtum und Armut, in die Geschichte der Parks und der Kims, er zeigt welcher Tricks sich die Kims bedienen, um über die Treppe nach oben, in die Villa der Parks zu kommen und wie katastrophal das enden kann. Toll! Martina Boette-Sonner

    Begründung 2: Bon Joon Ho war 2019 der Gott des Gemetzels. Filmgewordener Klassenkampf: präzise, unerbittlich, mit großer Lust an Abgründen. Das, und nichts anderes, ist Kino. Ronja Dittrich

    Begründung 3: Die Hochstaplergeschichte einer armen Familie aus Seoul geht über Gesellschaftskritik hinaus: Es geht um eine Kritik des Westens an sich. In "Parasite" wird das westliche Lebens-, Arbeits- und Konsummodell, das theoretisch für alle Gesellschaften auf der ganzen Welt gelten soll, in Frage gestellt. Dabei verliert sich der Film gerne mal in seinen mitreißenden Bildern, das macht ihn schwelgerisch schön, auf seine Weise produktiv und emanzipiert ihn von bloßen Leid, das doch immer wieder sichtbar wird. Mira Kade

    Begründung 4: Wann ist das Leben schon fair? In "Parasite" jedenfalls nicht. Oder vielleicht doch? Man weiß es am Ende nicht so recht – und genau das ist die Stärke des bitterbösen südkoreanischen Films, der auf jeden Fall ganz anders ist, als alles, was man sonst so dieses Jahr gesehen hat. Simone Stern

    "Porträt einer jungen Frau in Flammen" von Céline Sciamma

    Kompletter Ausstieg aus dem Alltag, frischeste bretonische Küstenbrise, wunderschöne Bilder von Frauen und Meer, alles ist möglich. Betörung durch Utopie. KritikerInnenliebling, zu Recht. Judith Heitkamp

    "SHOP", A Pop Opera “Milk" von Jack Stauber

    Ein zweiminütiger, animierter Youtube-Film über einen Einkauf im Supermarkt. Und die Frage an eine Tüte abgelaufener Milch, wie ihr Leben wohl aussah. Traurig, trashig, surrealistisch. Manchmal sagt ein Kurzfilm mehr als ein Blockbuster. Martin Zeyn

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