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Das sind unsere 10 besten Filme des Jahres 2018 | BR24

© Fox/ Bearbeitung BR

„Three Billboards outside Ebbing, Missouri” von Martin McDonagh

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    Das sind unsere 10 besten Filme des Jahres 2018

    Es faszinierte die wunderbare Balance aus Tragik und Komik in „Three Billboards outside Ebbing, Missouri” und „Alles ist gut“ verschlug uns erstmal die Sprache. Story und die digitale Trickkiste von „Isle of Dogs" hat uns einfach überzeugt.

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    „Three Billboards outside Ebbing, Missouri” von Martin McDonagh

    Mein Film des Jahres 2018 lief schon Anfang Januar. Regisseur Martin McDonagh, der auch das Drehbuch für „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“ schrieb, ist ein Film gelungen, der einen gleichzeitig zum Weinen und zum Lachen bringt. Liegt auch an den Schauspielern: Woody Harrelson als Provinz-Sheriff, der mit Weisheit und Mitgefühl überrascht, Frances McDormand, die der Rolle der leidenden Mutter eine überraschend neue Dimension gibt und Sam Rockwell, der als rassistischer Officer so gar nicht zum Klischee gerät. Auch nach kritischer Selbstbefragung hat für mich kein weiterer Film in diesem Jahr diese wunderbare Balance aus Tragik und Komik übertroffen.

    Sylvia Griss

    „Roma“ von Alfonso Cuaron

    Der mexikanische Regisseur erzählt von seiner Kindheit im Mexiko City der siebziger Jahre. Mit der in Schwarz-Weiß gefilmten Familiengeschichte hat er ein poetisches Meisterwerk geschaffen, das eher auf Situationen beruht als auf einer stringent erzählten Geschichte. In dem 135-Minuten-Werk erinnert sich Cuaron voller Zärtlichkeit und mit einem großen Gespür für Details an das Stadtviertel Roma, in dem er aufgewachsen ist. Der Film fließt dahin wie ein langsamer, heiterer und manchmal gefährlicher Strom berührender Bilder – erzählt aus der Perspektive einer indigenen Hausangestellten. Cuaron sagt: „Ich habe mit besonders langen Einstellungen gedreht, die ein direkter Ausdruck von Erinnerung sein sollen. Und ich wollte mit diesen langen Einstellungen das Verstreichen der Zeit emotional nachempfinden.“

    Moritz Holfelder

    „Alles ist gut“ von Eva Trobisch

    Viel ist in diesem Jahr über die vorhandene, verhinderte oder gesuchte Stärke der Frau gesagt worden. Wer aber aus diesem Film kam, der all die Fragen verhandelt, die auch die #Metoo-Debatte bestimmte, wollte erst einmal gar nichts mehr sagen. Zu sehr berührt und verunsichert einen das Porträt dieser jungen Frau: Janne ist fraglos ehrgeizig und emanzipiert, humorvoll und einnehmend. Eine starke Frau würde man sie wohl nennen, und dennoch – oder gerade deshalb – kann sie sich nicht eingestehen, dass sie vergewaltigt wurde. Opfer sind in ihrem Kopf andere, ihr Selbstbild lässt sich nicht vereinbaren mit dieser Nacht, in der sie Martin kennenlernt. Die beiden mögen sich sofort. Sie tanzen, trinken, lachen den ganzen Abend. Er ist charmant, und auch zu seinem Selbstbild passt es nicht, dass er Janne am Ende des Abends auf den Boden ihrer Küche zwingt, nachdem sie nein gesagt hat. Janne streicht die Nacht schlicht, so als hätte man kein Problem, wenn man sich nur dafür entscheidet, keines zu sehen. Selbstermächtigung oder doch nur Selbstbetrug? Der Film antwortet nicht und lässt einen Zuschauer auch davor zurückschrecken, schnell zu urteilen oder überhaupt zu urteilen.

    Marie Schoess

    „Glücklich wie Lazzaro“ von Alice Rohrwacher

    Gerade eben im Dezember gewann "Glücklich wie Lazzaro" von Alice Rohrwacher in Sevilla den European University Film Award 2018. 22 Universitäten in 22 europäischen Ländern wählten ihren Lieblingsfilm des Jahres. Gelobt wurde bei „Glücklich wie Lazzaro“, der seine Premiere bei den Filmfestspielen in Cannes hatte und die Viennale eröffnete, vor allem die "unkonventionelle, zeitgenössische Interpretation des italienischen Neorealismus, aufgenommen auf 16mm, die geographische und stilistische Grenzen überwindet. Der Film vermittelte die Härte der Ausbeutung von Menschen in der heutigen Welt und behandelt Themen wie Klasse, Armut und Ideologie aus der Sicht der Hauptfigur Lazzaro." Besser und knapper kann man es kaum ausdrücken: es ist für mich die filmische Überraschung des Kinojahres 2018! Geschult an den Arbeiten von Pier Paolo Pasolini, Lina Wertmüller oder Ettore Scola („Die Schmutzigen, die Hässlichen und die Gemeinen“) gelingt es der italienischen Regisseurin ein unkonventionelles Filmmärchen zu erzählen. Es spannt mit seinem wunderbaren Hauptdarsteller (Adriano Tardiolo) und geschickt eingewobenen Metaebenen einen poetischen und klugen Bogen vom historischen Scheitern der italienischen Linken über Kapitalismuskritik zur Migrationsdebatte und bereichert dabei die Zuschauer und lässt sie staunen. Herausragendes europäisches Kino made in Italy!

    Markus Aicher

    „Lucky“ von Carroll Lynch

    Harry Dean Stanton war einer der bekanntesten Nebendarsteller Hollywoods, in rund 250 Spiel- und Fernsehfilmen war er zu sehen. „Twin Peaks“, „Wild at Heart“, „The Straight Story“, „Paris Texas“ - die Liste ließe sich ewig fortsetzen. 2017 ist Harry Dean Stanton im Alter von 91 Jahren gestorben. „Lucky“, sein letztes Werk, ist ein Film gewordenes Denkmal für Stanton. Erzählt wird die Geschichte des 90-jährigen Lucky, der in einer gottverlassenen Wüstenstadt in Arizona ein nicht sonderlich spektakuläres Leben führt. Als es ihn eines Tages umhaut, weiß er: Dieses Leben wird nicht ewig währen, Rossnatur hin oder her. Harry Dean Stantons große Kunst der unpathetischen Melancholie – man sollte sie unbedingt noch einmal studieren in diesem wunderbaren Abschiedsfilm, der den Zuschauer am Ende ebenso zufrieden lächeln lässt wie seine Hauptfigur.

    Bettina Dunkel

    „Shape of Water“ von Guillermo del Toro

    Was macht einen “Lieblingsfilm des Jahres” eigentlich aus? Er muss für die Kinoleinwand gemacht sein, Emotionen – am besten unterschiedlichster Couleur – auslösen und lange nachhallen. „Shape of Water“ ist so ein Film. Der meisterhafte Geschichtenerzähler Guillermo del Toro inszeniert hier eine beinahe märchenhafte Liebesgeschichte die in den 60er Jahren in den USA spielt. Während der Wirren des Kalten Krieges verliebt sich die arme, stumme, träumerische Putzfrau Elisa in einer militärischen Forschungseinrichtung in ein Versuchs-Wesen. In den Augen aller ein Monster, für Elisa der Beginn einer ungeahnten Zweisamkeit. Die Kreatur wird gefoltert – ein Gegenstück in del Toros Fantasiewelt. Hass, Grausamkeit, Machtgehabe, Rassismus – das alles gilt es auszuhalten. Elisa verhilft der Amphibien-Kreatur zur Flucht aus dem Hochsicherheitslabor, bringt ihn in ihre Wohnung und während die Welt vom Bomben erschüttert wird, entdeckt das ungleiche Paar auf poetische Weise seine Liebe und Sexualität. Ein Film wie aus einer vergangenen Zeit, der jedoch kein bisschen altbacken daherkommt, sondern einige der wichtigsten Themen unserer Zeit thematisiert: Gleichberechtigung, Frauenverachtung, Rassismus und nicht zuletzt die Botschaft von Menschlichkeit und Liebe.

    Marie Müller

    „Utøya 22. Juli“ von Erik Poppe

    Das Attentat von Anders Breivik auf wehrlose Jugendliche auf der Insel Utøya aus der Sicht der jungen Kaja, die 87 Minuten lang um ihr Leben kämpft. Poppe hat das norwegische Massaker komplett ohne Schnitt als Tour de Force inszeniert. Er stürzt den Zuschauer unmittelbar in die Ausnahmesituation des Überlebenskampfes, bleibt ganz nah bei seiner Hauptfigur, die immer wieder um ihr Leben rennen muss, sich versteckt, bangt, vergeblich nach ihrer Schwester sucht, im Kugelhagel flieht, sich wieder versteckt, stets den Tod ihrer Freunde vor Augen, stets gewahr der tödlichen Gefahr. Poppe erreicht eine Intensität, die im Kino selten geworden ist. Denn gerade durch seine Reduzierung auf eine Handkamera und den Fokus auf Kaja macht „Utøya 22. Juli“ Angst, Verzweiflung psychisch und physisch fühlbar. Macht Terror erlebbar. Poppe verweigert sich dabei komplett jeglichen Unterhaltungsmechanismen, die das Kino als sicheren Ort des Eskapismus so beliebt gemacht haben. Es geht ihm ums Erleben, ums Vermitteln. Ein mutiger Film, der sich bewusst gegen die Konvention des Unterhaltungskinos wendet, der sich aufgrund seines sperrig unangenehmen Sujets einem großen Publikum verschließen dürfte und es doch so verdient hat. Denn intensives Kino ist wichtiges Kino, das lange nachwirkt. Auch das ist dieser Tage viel zu selten.

    Gregor Wossilus

    „Isle of Dogs - Ataris Reise“ von Wes Anderson

    Im Gegensatz zur total verkitschten Lurchi-Schmonzette Shape of Water fühlt sich das neue Meisterwerk von Wes Anderson, ein Animationfilm, richtig und realistisch an. Ein Film über Ausgrenzung: diesmal hat es die Hunde erwischt - sie wurden verbannt auf eine fiese Müllinsel. Hier stimmt alles: Timing, Tempo, Witz und Charaktere.

    Franz Xaver Karl

    „Styx“ von Wolfgang Fischer

    Eine Notärztin auf ihrer Jolle im Mittelmeer. Mitten im Sturm stößt sie auf ein Boot voller Migranten in akuter Seenot. Natürlich will sie helfen, zieht einen 14-jährigen Jungen aus dem Wasser in ihr Schiff. Aus der Hilfsaktion wird schließlich doch ein Kampf um Leben und Tod. Der Spielfilm von Wolfgang Fischer mit einer überragenden Susanne Wolff in der Hauptrolle ist ein Sinnbild für die Lage Europas. Und für die existenzielle und moralische Not auf beiden Seiten: Bei den Flüchtenden und bei den Rettern.

    Stefan Mekiska

    "Mission Impossible - Fallout" von Christopher McQuarrie

    Gerne wird auf die seelenlosen Blockbuster-Fortsetzungen geschimpft, mit denen Hollywood die Leinwände flutet. Die gab es 2018 natürlich auch. Aber dann kam Tom Cruise mit seinem neuesten Mission Impossible-Abenteuer „Fallout“ und zeigte, wie atemberaubend großes Eventkino sein kann. Der mittlerweile sechste Mission Impossible-Film zählt zum Besten was das Actionkino überhaupt zu bieten hat, inklusive einer der intensivsten Motorrad-Verfolgungsjagden der Filmgeschichte. Tom Cruise – mittlerweile 56 – traut sich und macht die meisten Stunts höchstpersönlich. James Bond wirkt da im Vergleich wie ein greiser Rentner.

    Florian Kummert

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