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Das sind unsere 10 besten Bücher des Jahres 2018 | BR24

© dpa/ Bearbeitung BR

A.L. Kennedy

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    Das sind unsere 10 besten Bücher des Jahres 2018

    Vom großartigen Liebesroman, der den Brexit verhandelt, zur Streitschrift, die zur Desintegration rät hin zu großartigen Essays von David Foster Wallace. Neben spannendster Romane und Essays haben wir auch zwei Lyrik-Empfehlungen.

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    "Süßer Ernst" von A.L. Kennedy

    Kann dieser Autorin endlich mal jemand den Nobelpreis geben? Jahr um Jahr legt Alison Louise Kennedy Romane vor, die einen umhauen. Die einzigartig sind in der Gegenwartsliteratur, deren Lektüre ans Eingemachte geht. Das war schon so vor fast zwanzig Jahren bei „Alles was du brauchst“, und das ist es jetzt wieder so beim ähnlich voluminösen Roman „Süßer Ernst“: ein Liebesroman, der es schafft, auch noch den politischen Wahnsinn unserer Tage – Brexit etc. - zu verhandeln. A.L. Kennedy ist eine Meisterin darin, das Seelenleben hochneurotischer Zeitgenossen zu vivisezieren, - und ihr Publikum hierzulande ist so viel größer als in ihrer Heimat, dass ihr deutscher Verlag gerade überlegt, ihren nächsten Roman ein Jahr vor dem englischsprachigen Original in der deutschen Übersetzung zu veröffentlichen. Do it!

    Knut Cordsen

    "Desintegriert Euch" von Max Czollek

    Welche Rolle weist die deutsche Gesellschaft „ihren“ Juden zu, um ein gutes Gewissen zu haben? Mit „Desintegriert Euch“ wirft uns Max Czollek, Lyriker, Autor, Kurator, einen frechen Essay vor die Füße. Spielt Euer Theater doch allein! Wir machen nicht mehr mit! Integration, so eine der Thesen des Buches, erfordert die Dominanz einer kulturellen Erzählung. Doch die deutsche Gesellschaft als postmigrantische ist schon viel weiter, viel bunter. Trotz AfD, trotz Nazis, trotz allem. „Denn weder hat historisch jemals eine klar abgrenzbare Leitkultur existiert, noch existiert sie in der Gegenwart.“ Da zeigt einer klare Kante!

    Martina Boette-Sonner

    "Das Leben des Vernon Subutex 3" von Virginie Despentes

    Subutex hatte einen Plattenladen, verarmte, lebte auf der Straße, wurde schließlich als DJ mit psychoaktivem Musik-Mix zum Guru. Sein Weg führt ihn durch die Lebenswelten der Reichen, der Penner, der Junkies, der politischen Linken, der salonfähig gewordenen Rechten, der zum Islam bekehrten Jugend. Ein Buch wie eine Zeitmaschine, mit der man durch die Jahrzehnte der gesellschaftlichen Formationen fährt, bis hinein ins absolute Jetzt. Ein genialisch geschriebener Griff mitten in die Verwerfungen der Gegenwart, so viel Wirklichkeit, dass es der Wahrheit sehr sehr nahe kommt.

    Franz Xaver Karl

    "Spitzen – Gedichte. Fanbook. Hall of Fame" von Steffen Popp (Hg.)

    Wahrscheinlich stimmt es: Wir lesen einfach zu wenig Gedichte. Steffen Popp, selbst preisgekrönter Lyriker und passionierter Lyrikleser, hat in seinem „Fanbook“ nun eine konsequent subjektive Auswahl der für ihn „eigensinnigsten, heftigsten, schönst-umwerfenden“ Gedichte der Gegenwart zusammengestellt. Ein großartiges Buch für alle, die die erstaunliche und vielfältige Produktion der deutschsprachigen Lyrikszene erkunden wollen: Poesie als Sprachspiel, Subversion, Gedankenzerlegung und hellwacher Traum.

    Beate Meierfrankenfeld

    "Der Spaß an der Sache. Alle Essays" von David Foster Wallace

    Ein Ziegel von einem Buch. Die Fußnoten kilometerlang. Die Wortwahl mal großbürgerlich delikat, mal erfrischend grob. David Foster Wallace Essays erzählen vom Besuch einer Erotikmesse, einer schrecklich perfekten Kreuzfahrt und seiner Begeisterung von Wörterbüchern, die ihn von seinen Mitschülern entfremdete. Unfassbar, dass irgendjemand so lange Texte in Zeitschriften abdruckte. - Logisch, weil Wallace Essays, Reportagen und Kritiken einfach pures Gold sind.

    Martin Zeyn

    "Die Morgendämmerung der Worte" von Wilfried Ihrig und Ulrich Janetzki (Hg)

    Ein moderner Poesie-Atlas der Roma und Sinti Gedichte. Dieses Buch ist ein Schatz, das schriftliche Gedächtnis von Kulturen und Literaturen, die es 500 Jahre lang nur mündlich gab. Traditionen aus aller Welt in modernen Gedichten. Verse über Vorurteile, Verfolgung und Tod, aber auch von Kinderspielen, Liedern und Liebe oder der Sonnenblume, die Nahrung bringt und die Mädchen schmückt. Eine poetische Reise von Amerika über Europa bis Australien. Der erste „Poesie-Atlas der Roma und Sinti“, ist ein Schmuckstück, türkis wie das Meer, mit rotem Lesebändchen und einmaligem Inhalt.

    Cornelia Zetzsche

    "Becoming" von Michelle Obama

    Wenn eine ehemalige First Lady zur Feder greift, ahnt man Böses: eine Image-Politur für den Politiker an ihrer Seite, eine Abrechnung mit politischen Gegnern oder die Selbstinszenierung der berühmtesten Ehefrau der Welt. Die Autobiografie von Michelle Obama ist nichts von alledem. Sie erzählt ihre persönliche Geschichte von der Kindheit bis zum Leben mit Barack Obama - selbstkritisch und schonungslos ehrlich. Ob es um die eigenen Selbstzweifel geht, um die Identitätssuche als ambitionierte und erfolgreiche Afroamerikanerin oder die Ehekrise der Obamas. „Becoming“ heißt in diesem Fall „sich entwickeln“: Selbstzweifel ablegen, Niederlagen überwinden – und vom Leben lernen. Ein kraftvolles Buch, das berührt und inspiriert. Und zeigt, wofür es sich lohnt, in der heutigen Gesellschaft zu kämpfen – zum Beispiel für Chancengerechtigkeit oder ein funktionierendes Gesundheitssystem.

    Agnes Popp

    "Sechs Koffer" von Maxim Biller

    Nein, eine „jüdische Variante“ der Buddenbrooks – wie man schon hörte –ist der neue Roman von Max Biller, "Sechs Koffer" nicht, aber ein sehr verblüffender, echt irritierender Familenroman. Der Icherzähler ist immerzu – schon als Kind in der UDSSR und später in Prag - auf der Suche nach dem, was wirklich passiert ist, aber er stößt überall auf Lügen oder Mauern des Schweigens – selbst bei seinen nächsten Verwandten. Das erste, was im Faschismus zugrunde geht, ist die (Tatsachen-) Wahrheit: das verunsichert ungeheuerlich. Billers Roman beschreibt dieses Faschismus-Feeling nicht, sondern erzeugt es mit seinem Roman.

    Iris Buchheim

    "Heimat" von Nora Krug

    DAS Buch für Zeiten, in denen „Heimat“ boomt, aber doch bitte lieber ohne „Vergangenheit“. Nicht so mit Nora Krug. Die Grafikerin guckt von den USA aus auf ihre deutsche Familiengeschichte. Heimat, das sind Menschen, Menschen haben Geschichten. Offizielle, inoffizielle. Nora Krug lässt nicht locker. Formal irgendwo zwischen Tagebuch, Familienalbum, Comic und Materialsammlung. Aufschlagen und sich festschmökern. Gerne mit Familie.

    Judith Heitkamp

    "Verzeichnis einiger Verluste" von Judith Schalansky

    Die Literatur ist ein besonderes Archiv: Judith Schalanskys intensive Prosa rückt Menschen und Dinge in den Blick, die verschwunden sind und allenfalls noch in Bruchstücken, Fragmenten oder Erinnerungen existieren. Der Bogen erstreckt sich von der Antike, von Sapphos Dichtungen, bis in unsere Zeit. Und er ist auch räumlich groß, reicht vom Auwald am Ryck bei Greifswald bis zur dunklen Seite des Mondes. Von der Gestaltung des Buches durch Judith Schalansky ganz zu schweigen. Eine Schatztruhe!

    Niels Beintker

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