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Das sind die Top-5-Verschwörungstheorien aus dem Vatikan | BR24

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Der Vatikan gehört zu den letzten geheimnisumwitterten Institutionen unserer Zeit. Im Visier der Verschwörungstheorien damals wie heute: Päpste, die für Veränderung stehen. Über sie kursieren viele Gerüchte und vermeintliche Intrigen.

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Das sind die Top-5-Verschwörungstheorien aus dem Vatikan

Papst Johannes Paul I. starb nach nur 33 Tagen im Amt. Wurde er mit einem Kaffee vergiftet? Über den Vatikan kursieren viele Verschwörungstheorien. Vor allem um Päpste, die für Veränderung stehen, ranken sich wilde Gerüchte.

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"Dort, wo es viele Geheimnisse gibt, kann im Hintergrund viel gedeihen", sagt Iacopo Scaramuzzi. "Ein Ort, der die öffentliche Meinung nicht mag, macht neugierig. Das bekommt manchmal schädliche Auswüchse." Scaramuzzi ist ein sogenannter "vaticanista" - ein Journalist, der rund um den Vatikan berichtet. Er ist Experte für all das, was im Kirchenstaat passiert.

Reform-Päpste im Visier

"Der Heilige Stuhl ist eine sehr antike Institution, sie bewahrt ihre eigene Weltanschauung. Es gibt keine demokratischen Mechanismen. Die öffentliche Meinung - und in der Konsequenz die Journalisten - werden auf Distanz gehalten", erklärt der Journalist gegenüber dem BR. Über den Vatikan zu berichten ist für Scaramuzzi deswegen immer wieder eine Herausforderung. Im Visier der Verschwörungstheorien stehen damals wie heute die Päpste - allen voran diejenigen, die für Veränderung stehen.

Papst Johannes Paul I. - Tödlicher Kaffee?

Papst Johannes Paul I. starb nach nur 33 Tagen im Amt. Viele zweifeln bis heute daran, dass er eines natürlichen Todes gestorben ist. Da der Vatikan sich damals über die genauen Todesumstände in Widersprüche verstrickte und eine Obduktion des Leichnams bis heute ablehnt, florieren Gerüchte, der Papst sei von seinen Gegnern ermordet worden. Die geläufigste Vermutung: Johannes Paul I. wurde mit einem Kaffee vergiftet, da er die Kurie und auch die korrupte Vatikanbank reformieren wollte. Doch die Archivdokumente des päpstlichen Leibarztes belegen, dass der Pontifex an einem Herzinfarkt starb und schon vor seinem Amtsantritt an einer Herzschwäche litt.

Papst Johannes Paul II. - ein Opfer der Politik?

Sein Nachfolger, Papst Johannes Paul II., stammte aus Polen und kritisierte ganz offen den Kommunismus und den Eisernen Vorhang. Als er am 13. Mai 1981 auf dem Petersplatz angeschossen wurde und nur knapp überlebte, verbreitete sich schnell das Gerücht, dass politische Auftraggeber aus der Sowjetunion hinter dem Papst-Attentat steckten. Ob der türkische Attentäter Mehmet Ali Agca tatsächlich von der Sowjetunion beauftragt wurde, ist bis heute ungeklärt. Immer noch ranken sich zahlreiche Verschwörungstheorien rund um den Mordversuch an dem beliebten Papst.

Mord und Entführung im Vatikan

Weitere Gerüchte gibt es zum Verschwinden der Tochter eines Vatikan-Mitarbeiters im Jahr 1983. Die damals 15-jährige Emanuela Orlandi soll entführt worden sein. Nur von wem? Eine Verschwörungstheorie geht davon aus, dass die mafiöse Magliana-Bande so Geld zurückfordern wollte, das sie dem Vatikan geliehen haben soll. Andere glauben, dass der Entführer aus der Türkei komme und die Freilassung des türkischen Papstattentäters Mehmet Ali Agca erpressen wollte. Der Journalist Emiliano Fittipaldi behauptet sogar, der Vatikan selbst habe Orlandi entführt und gefangen gehalten. Seine angeblichen Beweismittel werden jedoch stark angezweifelt. Was wirklich passiert ist, konnte nicht aufgeklärt werden. Die Familie hofft bis heute auf ihre Rückkehr.

Spektakulär ist auch der Fall des Schweizergardisten Cedric Tornay. Er soll aus Rache den Kommandant Estermann und dessen Frau erschossen und anschließend mit einem Schuss in den Kopf Selbstmord begangen haben, weil er sich schlecht behandelt fühlte. Französische Juristen jedoch behaupten, dass sein Abschiedsbrief eine Fälschung sei und eine vierte Person im Raum war, die alle drei getötet habe und vom Vatikan geschützt werde. Da der Vatikan nicht bereit ist, die Untersuchungsakten freizugeben, kocht die Gerüchteküche weiter.

Papst Franziskus - im Visier der Amerikaner?

Jesuit Pater Bernd Hagenkord ist seit vielen Jahren Vatikan-Experte. Er kennt all die Verschwörungstheorien aus der Vergangenheit und stellt Gemeinsamkeiten zu heute fest: Auch Papst Franziskus will Veränderungen anstoßen und wird dafür angefeindet. Seine politisch klare Botschaft, Barmherzigkeit zu praktizieren, gefällt nicht allen - vor allem in der Diskussion um die Flüchtlinge in Europa, aber auch wenn es um Umweltschutz und andere unangenehme Themen geht. "Natürlich gibt es einige Leute, die mit dem, was der Papst sagt, nicht einverstanden sind", meint Hagenkord.

Angeblich nehmen aktuell amerikanische Ex-Agenten alle Kardinäle unter 80 Jahren unter die Lupe. Ein Aufklärungsprojekt oder ein Komplott gegen Franziskus? Oft verschwimmen Wahrheit und erfundene Theorien. Papst Franziskus jedenfalls hat die Tendenz zu Verschwörungstheorien in der Kurie selbst angeprangert: Reformgegner und intrigante Gruppen stellten trotz aller Rechtfertigungen ein "Krebsgeschwür" dar. Die nächste Verschwörungstheorie aus dem Vatikan jedenfalls lässt sicher nicht lange auf sich warten.

Mehr über die "Intrigen im Vatikan" sehen Sie am Mittwoch, den 11. September bei STATIONEN im BR Fernsehen und in der BR Mediathek.