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Das sind die Preisträger des Alternativen Nobelpreises 2019 | BR24

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Greta Thunberg, gemeinsam mit vielen Demonstranten, beim Klimastreik

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    Das sind die Preisträger des Alternativen Nobelpreises 2019

    Er gilt als Würdigung des Engagements für eine bessere Welt: Der Alternative Nobelpreis rückte dieses Jahr den Klimaschutz, die Rechte von Frauen in China, das Volk der Sahrauis und das Volk der Yanomami in den Fokus. Das sind die vier Preisträger.

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    Vier Helden der Gegenwart, die Vorbilder sein können für alle, die noch nicht an einer besseren Welt werkeln. Die "Stiftung für die richtige Lebensweise" zeichnete am 4. Dezember zum 40. Mal mittlerweile Projekte für Menschenrecht, Frieden, Freiheit und Umweltschutz aus. Der Preis belohnt den Schutz biologischer und kultureller Vielfalt, den Ausbau der Demokratie und den Schutz der Menschenrechte.

    Greta Thunberg: die "Jeanne d'Arc des Klimas"

    Vor rund einem Jahr war sie ein unbekanntes Mädchen, heute ist sie die "Person des Jahres", bringt Millionen Menschen auf die Straße und beschämt mit ihren emotionalen Reden selbst Politiker. Greta Thunberg wurde als Preisträgerin von der Jury für den 40. „Alternativen Nobelpreis“ ausgewählt.

    „Was wir jetzt tun oder nicht tun, können ich und meine Generation in Zukunft nicht ungeschehen machen. Also beschloss ich zum Schulbeginn im August, dass es jetzt reicht. Ich setzte mich vor dem schwedischen Parlament auf den Boden. Ich machte Schulstreik für das Klima. Manche Leute sagen, ich solle stattdessen zur Schule gehen. Manche Leute sagen, ich solle lernen, damit ich als Klimaforscherin die Klimakrise lösen kann. Aber die Klimakrise ist bereits gelöst. Wir kennen alle Fakten und die Lösungen. Wir müssen nur noch aufwachen und etwas ändern. Wir können die Welt nicht retten, indem wir Regeln einhalten, denn die Regeln müssen geändert werden", sagte Greta Thunberg zu Beginn der Klimabewegung.

    "Alles muss sich ändern und es muss heute beginnen." Greta Thunberg, Klimaaktivistin

    Wenn einer der wichtigsten Klimaforscher der Welt einen Teenager als 'Jeanne d'Arc des Klimas' und 'Licht am Ende des Tunnels' feiert, dann ist das eine bislang nie dagewesene Anerkennung der Forscher. Und tatsächlich: Mit dem Charisma einer zeitgenössischen Pippi Langstrumpf spricht die Teenagerin Millionen Menschen aus dem Herzen. Laut Jury war sie so innerhalb eines Jahres zu einer der „effektivsten Vertretern der globalen Zivilgesellschaft unserer Zeit“ geworden und hat als Initiatorin eine weltweite Protestbewegung ins Rollen gebracht.

    Greta verdeutlicht, auf was der Alternative Nobelpreis seit 40 Jahren seinen Fokus legt: Dass eine einzige Person, sei sie noch so klein, die Welt ins Beben bringen kann. Mit dem Preis an sie wird auch die Macht der Zivilgesellschaft ausgezeichnet.

    Aminatou Haidar vom Volk der Sahrauis in der Westsahara

    Die zweite Preisträgerin ist die gewaltfreie Friedens-Aktivistin Aminatou Haidar vom Volk der Sahrauis in der Westsahara. Sie ringt mittlerweile länger um Selbstbestimmung und Freiheit, als es den Alternativen Nobelpreis gibt. Hier wird nicht nur eine mutige Demokratin in die Weltöffentlichkeit geholt, sondern auch ein vergessenes Volk. Aminatou Haidar soll ohne Urteil vier Jahre in einem Gefängnis eingesperrt und gefoltert worden sein.

    „Den jungen Menschen geht die Geduld aus.“ Aminatou Haidar vom Volk der Sarhauis in der Westsahara

    „Die Situation in den besetzten Gebieten unsere Landes, der Westsahara ist sehr ernst. Die Grundrechte der Sahrauis werden ständig von den marokkanischen Behörden verletzt, wir werden diskriminiert, eingesperrt und gefoltert, wenn wir für unsere Menschenrechte eintreten. Alle, die sich für Frieden und Unabhängigkeit einsetzen, sind von dieser Verfolgung betroffen“, sagt Aminatou Haidar. Denn Marokko schicke mehr ihrer Landsleute in die Westsahara, die sich dort niederlassen sollen. „Sie wollen die Landkarte langfristig verändern“, sagt Aminatou Haidar.

    Guo Jianmei, Vorkämpferin für mehr Frauenrechte in China

    Konflikte benennen, Frieden erhalten, zu Lösungen drängen: Das ist die Absicht der Jury. Oft ging er an bedrohte Aktivisten, um diese mit dem Alternativen Nobelpreis unter öffentlichen Schutz zu stellen. 2019 ging er deshalb auch an die chinesische Rechtsanwältin Guo Jianmei, die seit Jahren für Frauenrechte in China kämpft.

    Guo Jianmei setzt sich seit 25 Jahren für die Rechte von 650 Millionen Chinesinnen ein, von denen im Reich der Mitte jede Vierte häusliche Gewalt und Missbrauch erlebt und sexueller Belästigung am Arbeitsplatz ausgesetzt ist. Existierende Gesetze finden häufig keine Anwendung. Guo Jianmei kämpfte als Juristin mit ihren Mitstreitern in 100.000 Fällen und über 4.000 Prozessen gegen die Dominanz der Männer. Die Preisträgerin durfte zur Verleihung nicht ausreisen. Guo Jianmeis Dankesworte wurden bei der Preisverleihung in ihrer Abwesenheit verlesen.

    Davi Kopenawa, Häuptling der Yanomami

    Immer wieder schafft es der Preis aus Stockholm auch unbekannte Krisen zu entschleiern und ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. So ging der vierte Preis am 4. Dezember an einen Aktivisten, der abseits der zivilisierten Welt, tief im Regenwald des Amazonas lebt: Davi Kopenawa, Häuptling und Schamane des indigenen Volkes der Yanomami, die im Grenzgebiet zwischen Venezuela und Brasilien leben.

    Denn der Amazonas brennt und seine Zerstörung bedroht die ganze Welt. Morde an indigenen Völkern und eine Invasion indigener Territorien hatten in den vergangenen Monaten extrem zugenommen. Da schien es der Stiftung an der Zeit, aufzuzeigen, wer den Regenwald schützt und wie wichtig regionaler Widerstand selbst in abgelegenen Orten ist. „Immer wieder dringen fremde Menschen in unser Territorium ein, dass uns schon lange offiziell garantiert worden ist und wollen es ausbeuten. Es handelt sich primär um Goldsucher, die niemals wieder ein Land verlassen, wo sie einmal Gold gefunden haben. Sie bedrohen unser Überleben. Eine weitere Gefahr liegt in den Krankheiten, die die Goldsucher mitbringen und der Alkohol, den sie dabei haben und der im Yanomami-Land verboten ist. Und ich frage mich, ob dieser Preis uns dabei helfen wird, diese Bedrohungen zu überwinden,“ sagt Davi Kopenawa, Häuptling und Schamane der Yanomami.