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Das sind die Highlights der Berlin Art Week | BR24

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Heute beginnt in Berlin der Kunstherbst - mit einer Messe im ehemaligen Flughafen Tempelhof und mit der stadtweiten "Berlin Art Week". Zum 30. Jahrestag des Mauerfalls geht es diesmal um Grenzen und ihre Überwindung.

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Das sind die Highlights der Berlin Art Week

An diesem Mittwoch beginnt in Berlin der Kunstherbst – mit einer Messe im ehemaligen Flughafen Tempelhof und der stadtweiten Berlin Art Week. Zum 30. Jahrestag des Mauerfalls geht es diesmal um Grenzen und ihre Überwindung.

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Vor dem Eingang des Gropius Bau erinnert eine dünne Stahlschiene an den Verlauf der Berliner Mauer. Der preußische Landtag auf der anderen Straßenseite, heute Sitz des Berliner Abgeordnetenhauses, war damals unerreichbar.

Dreißig Jahre nach dem Mauerfall experimentiert jetzt die Ausstellung „Durch Mauern gehen“ mit dem Erleben von Grenzen und den Möglichkeiten, sie zu durchbrechen. Dabei geht es um jede Form von Trennlinien, sagt der Kurator Till Fellrath: „Ich glaube, es gibt viele ökonomische Mauern. Viele Menschen haben keinen Zugang zu Bildung. Viele Menschen können vielleicht nicht wohin reisen, weil sie die Visa nicht bekommen. Und wenn man überlegt, jeder von uns spürt diese Barrieren und diese Mauern und hat das Gefühl, vielleicht nicht dazu zu gehören.“

Im zentralen Raum versperren verschachtelte Konferenztische den Durchgang, dazwischen sind unbewegliche Stühle gequetscht. Die Installation „Ok ok, let’s talk“ des Brasilianers José Bechara veranschaulicht plastisch die Absurdität von Gesprächen, wenn die geistige Position feststeckt.

Parallelen zwischen Beirut und Berlin

Till Fellrath aus Deutschland und Sam Bardaouil aus dem Libanon arbeiten unter dem Namen „Art Reoriented“ seit 2009 als Kuratoren zusammen. Ihre Perspektive auf den Mauerfall unterscheidet sich weniger als man denkt, sagt Sam Bardaouil: „Beirut hat eine ähnliche Teilung erfahren wie Berlin. Wir hatten Ost-Beirut und West-Beirut und es gab eine Demarkationslinie, die während des Bürgerkrieges die Stadt zerschnitt. Als Kinder sind wir bis zu einem bestimmten Punkt gegangen und wir wussten, am Fuß des Hügels befindet sich diese Linie. Und wir fühlten in unserem Magen die Gefahr. Man weiß, hier endet die Welt und alles, was sich auf der anderen Seite befindet, ist gefährlich und in allem das Gegenteil von dem, was wir gelernt haben.“

Die libanesische Künstlerin Tagreed Darghouth hat die großen grauen Kameras der Grenzkontrolle gemalt. Daneben wirken die Fotos von Sibylle Bergemann aus Berlin ganz klein. Sie erinnern in schwarzweiß an die Realität in der geteilten Stadt, an die Kriegsbrachen und die maroden Wohnhäuser.

Magnete auf Fingernägeln

Im Haus der Kulturen der Welt überschreitet das Festival „Körper Lesen!“ die Grenzen des Körpers. Da überwindet die „Trans*Opera“ die binäre Reduktion auf zwei Geschlechter. Und Nadja Buddendorf bietet in ihrem Nagelstudio an, einen Magneten auf den Fingernagel zu applizieren: „Es geht natürlich darum, einen neuen Zugang zu seiner Umwelt zu bekommen“, sagt sie, „dadurch, dass man merkt, was magnetisch ist und was nicht und überall hängen bleibt und auch ein bisschen elektromagnetische Wellen fühlen kann, ist das natürlich eine Bereicherung für den ganzen Körper.“

Zum Jahrestag des Mauerfalls zieht die Berlin Art Week natürlich auch Bilanz, wie sich das Gesicht der Stadt verändert hat. Einen Vorschlag macht die in Mainz geborene Künstlerin Bettina Pousttchi. Sie hat die Fassade der Berlinischen Galerie mit einem filigranen weißen Spitzenmuster verziert. Dafür legte sie die Strukturen von Fachwerkhäusern und orientalischen Fenstern übereinander: „Es entsteht ein neues Muster, etwas Drittes, was eigentlich schwer einordbar ist und uns vielleicht zum Nachdenken darüber bringt, wo wir selbst herkommen und ob wir nicht doch mehr miteinander gemeinsam haben, als uns abgrenzt.“

Umworbene Gäste oder Fremde?

Die Berlin Art Week wurde ins Leben gerufen, um den Kreativstandort Berlin zu stützen. Wie schnell jedoch aus umworbenen Gästen Fremde werden, beweist die jüngste lokalpolitische Posse. Da verlangte eine Abgeordnete aus der Partei Die Linke, die Werbung für Berlin als Touristenziel einzustellen, damit die Einheimischen nicht verdrängt werden. Und ein CDU-Kollege fordert den Zuzugsstopp, denn die Stadt sei voll. Aber natürlich hat niemand die Absicht, eine Mauer zu errichten.

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