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Das sind die Gewinner vom Münchner DOK.fest | BR24

© dpa-Bildfunk

Filmszene aus dem Preisträgerfilm: "Bruce Lee & The Outlaw"

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    Das sind die Gewinner vom Münchner DOK.fest

    München hat den Dokumentarfilm gefeiert. Auf dem mittlerweile größten Dokumentarfilmfestival Deutschlands kamen Filmschaffende und Experten aus aller Welt zusammen. Zu den Preisträgern gehören vor allem Filme mit politischen Themen.

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    159 Filme aus 51 Ländern wurden dieses Jahr gezeigt, davon 109 als deutsche Premieren. Jede Menge Highlights. Rund 150 Filmschaffende und Expert*innen aus aller Welt waren für elf Tage zu Gast und diskutierten mit dem Münchner Publikum. Am Samstag, dem 18. Mai, fand abends die feierliche Preisverleihung statt.

    Insgesamt 15 Preise wurden vergeben. Den von BR Fernsehen und Global Screen mit 10.000 Euro dotierten Hauptpreis im Wettbewerb DOK.international gewann Andreas Hoessli, der ehemalige Auslandskorrespondent des Schweizer Fernsehens. In "Der nackte König – 18 Fragmente über Revolution" inszeniert er parallel Aufnahmen aus Polen und Iran, zeigt Bilder von zwei Gesellschaften, die Ende der siebziger Jahre gegen ihre totalitären Regime aufbegehrten. 1979 stürzte das Volk im Iran den Schah, den vom Westen hofierten, selbsternannten "König der Könige" – während ein Jahr später in Polen Arbeiter nach Massenstreiks die Bewegung "Solidarnosc" gründeten. Mit dem Fokus auf einzelne Biographien erzählt Hoessli in aufregenden Parallelmontagen davon, was Revolutionen auslösen, genauer: was in den Köpfen der Polen vorging, als die Revolution niedergeschlagen wurde, oder – wie im Iran – eine religiös-autoritäre Elite die Macht übernahm.

    In der Jury-Begründung heißt es: "Wir würdigen diesen Film als präzises psychologisches Porträt einer immer wieder erschütterten, auseinanderbrechenden Welt. Indem er sich durch die Zeit bewegt, setzt sich dieser Essay über die Macht bloßer Aufzeichnung und Dokumentation hinweg und untersucht im Wechselspiel von Romantizismus und Eingrenzung die Überbleibsel der Revolution."

    Ein Fest für den politischen Film

    Auch die anderen Jurys des Münchner DOK.festes entschieden sich für Filme mit politisch spannenden Themen. In der Wettbewerbssektion DOK.deutsch wurde "Die bauliche Maßnahme" von Nikolaus Geyrhalter ausgezeichnet. Der österreichische Regisseur zeigt, wie nach der Schließung der Balkanroute Politiker 2016 einen Grenzzaun gegen Flüchtlinge zwischen Tirol und Südtirol bauen wollten. Geyrhalter spricht entlang des geplanten Verlaufs mit Menschen, die als Anwohner direkt betroffen gewesen wären: Was für eine absurde Idee, Europa durch einen Zaun teilen zu wollen!

    In der Jury-Begründung heißt es: "Geyrhalter gelingt es, die Distanz der Wiener Politiker und der vor Ort lebenden Menschen filmisch eindrucksvoll und gewitzt zu veranschaulichen."

    Zeigen, was die Nachrichten nicht bieten können

    In der Sektion DOK.horizonte wurde der Dokumentarfilm "Ésta Todo Bien – It’s all good" von Tuki Jencquel mit einem Viktor prämiert. Es ist ein Blick auf die Menschen hinter der seit Monaten in Venezuela schwelenden Staatskrise, die sich – kaum wahrgenommen von der internationalen Öffentlichkeit – längst zu einer humanitären Katastrophe ausgeweitet hat. Die Jury urteilte: "Tuki Jencquel erzählt in seinem klug montierten Dokumentarfilm, wie die Menschen in Venezuela unter Medikamentenmangel und einem wahren Exodus an Ärzten leiden, die alle ins Ausland abwandern. Am Beispiel von Patienten, für die die fehlenden Medikamentenlieferungen einem Todesurteil gleichkommen, von jungen Ärzten, die sich trotz aller Widrigkeiten entschieden haben zu bleiben, und von verzweifelten Apothekern, deren Läden leer stehen, zeigt der Regisseur durch seinen außergewöhnlich ästhetischen Zugang, was man in den Nachrichten in dieser Dimension kaum zu sehen bekommt."

    Den BR kinokino Publikumspreis gewann "Another Reality" von Noël Dernesch und Olli Waldhauer. Die beiden Regisseure begeben sich in die Parallelgesellschaften illegaler Familienclans. Das schnelle Geld liegt nur einen Auftrag entfernt, das Gefängnis ebenso. Deutsche Großstädte als Bühne für Gangsta Rap und kriminelle Formen der Identitätsfindung. Hohe Street Credibility!

    Alle prämierten Filme sind im Rahmen des Münchner DOK.festes am Sonntag, dem 19. Mai, noch einmal in der Reihe BEST DOKS zu sehen. Das aktuelle Programm steht auf der Website des Festivals.

    Die Liste aller Preisträger:

    - Hauptwettbewerb DOK.international: DER NACKTE KÖNIG

    - 18 FRAGMENTE ÜBER REVOLUTION

    - Deutsche Reihe: DIE BAULICHE MASSNAHME

    - DOK.horizonte: ESTÁ TODO BIEN

    - FFF-Förderpreis Dokumentarfilm: CONGO CALLING

    - BR kinokino Publikumspreis: ANOTHER REALITY

    - megaherz Student Award: IN SEARCH ...

    - Pitch Award des Hauses des Dokumentarfilms: CHAGRIN VALLEY

    - ARRI AMIRA Award: REDISCOVERY

    - DOK.fest Preis der SOS-Kinderdörfer: BRUCE LEE & THE OUTLAW

    - VFF Dokumentarfilm-Produktionspreis: BOY OF WAR

    - Deutscher Dokumentarfilm-Musikpreis: STRESS

    - Deutscher Kompositions-Förderpreis: MAU KE MANA

    - OR: WHERE ARE YOU GOING?

    - British Pathé Archive Award: WENN DER NEBEL SICH LICHTET

    - FairFilmAward Non-Fiction: ifage Filmproduktion

    - Dokumentarfilmwettbewerb für junge Menschen: Die drei Preise für die 12- bis 22-Jährigen gehen an NANA - RECOVER YOUR SMILE (Sabine Nering, Pocking), 3004 KM (Melisa Kocak, Unterschleißheim) sowie PEPITU ANUMU (Rebecca Fischer, Susanne Horban, Isabelle Sohling und Ines Zehetmeier, Freising). Den Sonderpreis für die Sechs- bis Elfjährigen gewinnt MEINE HÜHNER (Paula Herbert, München).

    Den DOK.education Förderpreis erhält das Seminar „Münchner G(e)schicht’n“ der Städtischen Anita-Augsburg-Berufsoberschule München.

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    Autor
    • Moritz Holfelder