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Das sind die Gewinner des FAUST 2019 | BR24

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Die Verleihung des FAUST 2019 in Kassel

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Das sind die Gewinner des FAUST 2019

In Kassel wurde am Samstagabend mit dem "Faust" der wichtigste deutsche Theaterpreis vergeben. Maja Beckmann Beckmann von den Münchner Kammerspielen ist Schauspielerin des Jahres. In den anderen Kategorien kamen auch kleinere Bühnen zum Zug.

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"Ich glaube einfach an die Zusammenarbeit, die ich gerade erlebe; an ein gemeinsames Suchen und Finden. Und ich glaube, dass es ganz wichtig ist, mit allen Menschen, ob auf oder hinter der Bühne, zusammenzuarbeiten." Mit diesen Worten - mit dieser Eloge auf jenes Ensemble, dem sie angehört - bedankte sich Maja Beckmann für die Auszeichnung zur "Schauspielerin des Jahres". Und schlug zugleich vor, diesen Preis gelegentlich doch auch mal ganzen Ensembles zu verleihen; dem der Münchner Kammerspiele zum Beispiel, dem, neben Beckmann, auch die Moderatorin der Preisverleihung angehörte: Wiebke Puls.

Ernste Töne

Die nutzte ihren Auftritt, um die Wohlfühlstimmung im Publikum immer wieder aufzumischen: mit statistischen Daten darüber, was das geschätzte Publikum denn eigentlich erwarte vom Theater, oder welche Reformen dringend nötig seien im immer noch viel zu patriarchal und viel zu wenig divers organisierten Theaterbetrieb. Überhaupt stellte sie immer wieder Fragen und also Dinge in Frage – auch die eigene Rolle als Schauspielerin: "Ich mache Theater, um ständig in eine Gegenwart zu kommen. Und diese nicht nur ständig zu behaupten. Um die Welt zu 'saven', wenigstens ein bisschen. Manchmal auch, um die Welt zu vergessen, dann aber komplett, weil ich meine Miete bezahlen muss....". So moderierte oder deklamierte Wiebke Puls und verlieh der Preisgala damit einen deutlich ernsteren Anstrich als in den vergangenen Jahren.

Zumal Puls ihre Rolle als Moderatorin denkbar knapp hielt: Wer einen Preis bekam, übrigens immer überreicht von einem Mitglied des Theaters in Kassel, bekam eine Frage verabreicht und durfte dann gleich wieder gehen. Die Gala als eine Art Preisträger-Casting, auf Trab gehalten von einer strengen Domina. Amüsant!

© Deutscher Bühnenverein

Nicht nur die üblichen Verdächtigen: die Preisträger im Jahr 2019

Nicht nur die üblichen Verdächtigen: die Ausgezeichneten 2019

Erfreulich war auch: Für den Faust werden unter den Bühnen nicht immer nur die üblichen Verdächtigen nominiert. Auch das Landestheater Schwaben in Memmingen oder in Marburg, auch die Theater in Gera und Altenburg waren im Rennen. Und auch bei den Preisen zählte nicht in erster Linie der Bekanntheitsgrad. Die Choreographin Anna Teresa de Keersmaeker, seit Jahrzehnten mit der Gruppe "Rosas" erfolgreich, war sicher die prominenteste Preisträgerin. Auch Sänger Johannes Martin Kränzle und Bühnenbildner Etienne Pluss gehören zu den Leuchttürmen der Szene. Frisch und neu waren dagegen die Bremer Jugendtheater-Regisseurin Birgit Freitag, ihre Chemnitzer Opern-Kollegin Elisabeth Stöppler und die junge brasilianische Tänzerin Marlucia do Amaral. Ein ein echter Knüller ist der Preis zudem für Helge Schmidt vom kleinen Hamburger Lichthof-Theater, der einen spektakulären Abend über die Steuerbetrügereien der Marke "Cum Ex" erarbeitet hat.

Der Ehrenpreisträger: Roberto Ciulli

Dann war da noch der Perspektivpreis für "explore dance", ein Netzwerk für Tanz vor jungem Publikum. Und mittendrin wurde eine der eigenwilligsten Persönlichkeiten des deutschen Theaters geehrt: Roberto Ciulli, Mailänder, Jahrgang 1934, und vor bald vier Jahrzehnten Erfinder und bis heute die Seele vom Theater an der Ruhr.

© Deutscher Bühnenverein

Ehrenpreisträger 2019: Roberto Ciulli

Die Faust, oft nur in der Tasche geballt und nur manchmal mutig gereckt, ist seine Sache gewesen, theaterlebenslang. Ciullis Mülheimer Theatermodell blieb einzigartig. Trotzdem muss er inzwischen auch wieder kämpfen für den Erhalt des Hauses. Einen wie ihn braucht niemand zu fragen, warum er tut, was er tut; warum er Theater lebt. Er selbst ist die Antwort.

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