Bild

Lucy Fricke über ihren Roman "Töchter"
© Dagmar Morath

Autoren

Eva Casper
© Dagmar Morath

Lucy Fricke über ihren Roman "Töchter"

Das Besondere am Bayerischen Buchpreis ist, dass die Jury ihre Entscheidung nicht im Geheimen trifft, sondern in einer Diskussion vor dem Publikum. Die Zuhörer können also live mitverfolgen, warum dieses oder jenes Buch die Jury überzeugt. Heute wurden "Töchter" von Lucy Fricke als bester Roman und "Zeit der Zauberer" von Wolfram Eilenberger als bestes Sachbuch ausgezeichnet. Insgesamt sechs Autorinnen und Autoren standen in den zwei Kategorien Belletristik und Sachbuch zur Wahl.

Die Gewinner: Lucy Fricke und Wolfram Eilenberger

Lucy Fricke schreibt in ihrem Roman „Töchter“ über die Reise zweier Freundinnen um die 40, die sich auf einen wilden Roadtrip durch Europa begeben. Beide stammen aus ähnlich kaputten Familien: die Väter abwesend, die Mütter mit einem Hang zum Bier und häufig wechselnden Partnern. Trotz allem möchten die Frauen noch einmal versuchen, das Verhältnis zu ihrem leiblichen Vater beziehungsweise zu Stiefvater zu erneuern. Auch, um ihrem eigenen Traumen zu begegnen.

Der Gewinner in der Kategorie Sachbuch, Wolfram Eilenberger, blickt in seinem Bestseller „Zeit der Zauberer“ auf die Jahre 1919 bis 1929. Eine Epoche, in der Philosophen wie Ludwig Wittgenstein, Walter Benjamin, Ernst Cassirer und Martin Heidegger wirkten und die von Lebenslust aber auch von Wirtschaftskrise, Nachkriegswehen und aufkommendem Nationalsozialismus geprägt war. Der Autor folgt den Philosophen durch diese Zeitspanne, in der eine Art "Explosion des Denkens" stattgefunden habe und viele wichtige Theorien entstanden seien, die uns noch heute prägten, schreibt Eilenberger.

Wolfram Eilenberger über sein Buch "Zeit der Zauberer"

Wolfram Eilenberger über sein Buch "Zeit der Zauberer"

Die Nominierten in der Kategorie Belletristik

Thomas Klupp erzählt in seinem Roman „Wie ich fälschte, log und Gutes tat“ aus dem Alltag von drei Jugendlichen aus Weiden in der Oberpfalz. Eine Kleinstadt, in der Klupp selbst aufwuchs, eine Stadt "so spektakulär wie ein Taubenschiss“, wie die 15-jährige Hauptfigur Benedikt Jäger gleich zu Beginn sagt. Jäger ist Arztsohn und mogelt sich mit seinen Freunden durchs Leben. Weil er schlecht in der Schule ist, fälscht er seine Zeugnisse. Gleichzeitig merkt er, dass um ihn herum auch andere lügen und betrügen: Der Vater trickst bei der Steuererklärung, die Mutter vertuscht ihre bäuerliche Herkunft. In der Schule hängen Plakate gegen Drogenkonsum, doch gleichzeitig feiern die Schüler heimlich exzessive Partys. Klupp erzählt aus dem Leben einer Gesellschaft, in der alle irgendwie lügen und betrügen – eine Welt voller "Fakenews".

Thomas Klupp über seinen Roman "Wie ich fälschte, log und Gutes tat"

Thomas Klupp über seinen Roman "Wie ich fälschte, log und Gutes tat"

„Archipel“ spielt dagegen auf dem sonnigen Teneriffa. Inger-Maria Mahlke erzählt darin die Geschichte von Julio, dem Pförtner eines Altenheimes, und den vielen Menschen und Schicksalen, denen er in seinem neunzigjährigen Leben begegnet ist. Dabei läuft die Zeit rückwärts: Die Geschichte beginnt in der Gegenwart bei den Nachfahren Julios und führt über den Spanischen Bürgerkrieg bis hin zur Kolonialzeit – und schließlich zu seiner Geburt. Für ihren Roman hat Mahlke in diesem Jahr bereits den Deutschen Buchpreis gewonnen.

Inger-Maria Mahlke über ihren Roman "Archipel"

Inger-Maria Mahlke über ihren Roman "Archipel"

Die Nominierten in der Kategorie Sachbuch

In „Die Vereindeutigung der Welt“ geht der Islamwissenschaftler Thomas Bauer der Frage nach, woher die Wut in vielen Debatten unserer Zeit rührt. Seine These: Überall wird Vielfalt reduziert, Unerwartetes und Unangepasstes zurückgedrängt. Auf den ersten Blick lebten wir in einer Welt mit vielen Möglichkeiten und Angeboten; in einer multikulturellen Gesellschaft, in der sich jeder entfalten könne. Doch gleichzeitig stürben Tier- und Pflanzenarten aus, Sprachen verschwänden und auch das Kulturangebot schrumpfe immer mehr zusammen, argumentiert Bauer.

Thomas Bauer über sein Buch "Die Vereindeutigung der Welt"

Thomas Bauer über sein Buch "Die Vereindeutigung der Welt"

Svenja Goltermann beschäftigt sich in ihrem Buch „Opfer. Die Wahrnehmung von Krieg und Gewalt in der Moderne“ mit der Frage, was einen Menschen überhaupt zum Opfer macht: Wer wird als Opfer anerkannt und wer nicht? Was gilt als Gewalt und was als Überempfindlichkeit? Fragen, die derzeit im Zentrum vieler Debatten stehen – von der Flüchtlingspolitik bis hin zu #MeToo.

Svenja Goltermann über ihr Buch "Opfer. Die Wahrnehmung von Krieg und Gewalt in der Moderne"

Svenja Goltermann über ihr Buch "Opfer. Die Wahrnehmung von Krieg und Gewalt in der Moderne"

Verpassen war gestern, der BR Kultur-Newsletter ist heute: Einmal die Woche mit Kultur-Sendungen und -Podcasts, aktuellen Debatten und großen Kulturdokumentationen. Hier geht's zur Anmeldung!

Die tägliche Dosis Kultur – die kulturWelt als Podcast. Hier abonnieren!

Autoren

Eva Casper