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Das sind die besten Serien im Oktober | BR24

© HBO/Sky

Jules (Hunter Schafer) und Rue (Zendaya) in einer Szene aus der HBO-Serie "Euphoria"

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    Das sind die besten Serien im Oktober

    Die deutsche Dramedy "Fett und Fett" seziert die Wehwehchen der Generation Y, die Teen-Serie "Euphoria", produziert von Popstar Drake, gewährt Einblicke in die Jugendzimmer der Generation Z und in "Modern Love" suchen alle die Liebe – egal wie alt.

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    Herbstzeit ist Serienzeit. Wenn die Sonne nicht mehr vor die Türen lockt und der Regen uns einen Strich durch die Abendplanung macht, kommen diese neuen Serien im Oktober gerade recht. Zumal der Serien-Oktober ganz im Zeichen der Liebe steht.

    "Fett und Fett" – Unverschämt echt

    © ZDF und Johannes Brugger

    Jaksch lässt sich durchs Leben treiben

    Für Freunde von: dem München-Feeling der Dramedy-Serie “Servus Baby”, dem Witz der semi-biografischen Comedyserie “Insecure” und dem selbstironischen Großstädter-Porträt “Master of None”.

    Frei von Erwartungen erlebt man die schönsten Dinge im Leben – so wie mit dieser Serienperle, die gut versteckt im ZDF-Nachtprogramm läuft. Aber auch so wie der Protagonist von "Fett und Fett", der sich völlig unvoreingenommen durchs Leben treiben lässt.

    Der Münchner Jaksch, eigentlich Jakob, ist um die 30 und das Ebenbild eines Klischee-Millenials: Antriebs- und orientierungslos hat er durch den anhaltenden Kater der Studienzeit den Anschluss ans Berufsleben irgendwie verschlafen. Als er deswegen von einer Ex-Freundin angemault wird, sucht er sich Hilfe bei einer Therapeutin. Aber auch die hat kein Mitleid für ihn übrig und setzt ihn mit der einfachen Anweisung, endlich seine Wünsche klar zu äußern, knallhart vor die Tür. Jaksch kassiert Absage nach Absage, aber statt aufzugeben, treibt er weiter durch die Nächte und Tage, die alle gleich aussehen auf der Suche nach Nähe und menschlicher Verbindung.

    Vor den Bildschirmen schließen wir Jaksch (Jakob Schreier) sofort ins Herz, er ist ein Loser – etwas seltsam, aber so gutmütig und offen, dass er selbst in den fragwürdigsten Situationen interessante Menschen kennen lernt, mit denen wir ein wenig Zeit verbringen können. Darunter Neuköllner Kleingangster, ein schwuler Kiosk-Verkäufer (Mehmet Sözer) und der Kammerspiele-Intendant Matthias Lilienthal als er selbst.

    Serienschöpfer Chiara Grabmayr und Jakob Schreier sind Absolventen der Hochschule für Fernsehen und Film München und haben dort zusammen die preisgekrönte und erstaunlich lebensnahe Webserie "Fett und Fett" realisiert, die sie jetzt unter dem gleichen Namen für das ZDF fortsetzen durften.

    "Fett und Fett" ist komplett in der ZDF Mediathek abrufbar und wird am Stück in der Nacht vom 15.10. ab 00:15 Uhr im ZDF ausgestrahlt.

    "The Politician" – Von der Highschool ins Weiße Haus

    Für Freunde von: der farbenfrohen Optik und den seltsamen Charakteren aus Wes Anderson-Filmen wie "Moonrise Kingdom" oder "Rushmore", den Songs aus der Musical-Serie "Glee" und dem bösartigen Humor der kultigen Schönheitschirurgen-Serie “Nip/Tuck".

    Alles was man über die Hauptfigur Payton Hobart (gespielt von Musical-Star Ben Platt) aus der neuen, stylishen Hochglanzserie von den hyperaktiven Seriengenies Ryan Murphy, Brad Falchuk und Ian Brennan wissen muss, offenbart das wunderschöne Serienintro in 90 Sekunden – seine Noten sind gut, seine Familienkonstellation kompliziert, sein Hobby ist die Lektüre von Politikerbiografien und sein großes Lebensziel das Präsidentenamt der USA.

    Payton ist zwar erst 18, aber er verhält sich wie ein alter Berufspolitiker – ehrgeizig, skrupellos und ziemlich frei von sympathischen Persönlichkeitsmerkmalen. Schon der erste Schritt auf dem Weg ins Weiße Haus ist nicht so leicht getan wie geplant. Payton will Schülersprecher werden, so wie viele Präsidenten vor ihm. Doch seine Konkurrenz ist hart und die wählende Schülerschaft so unberechenbar wie der US-Kongress.

    "The Politician" klingt nach "House of Cards" an einer High School. Ist es aber nicht. Die Serie ist Polit-Soap, Melodram, Satire, Musical und düstere Komödie gleichzeitig und hat so viele bizarre Nebenhandlungen und böse Seitenhiebe, eine an Wes Anderson erinnernde knallbunte Ästhetik und großartige Schauspieler*innen, dass man gar nicht mehr hinterherkommt. Diese kreative Offenheit macht einerseits den Reiz von "The Politican" aus. Andererseits führt sie auch dazu, dass man die Charaktere nicht gut kennen lernt. Dass Style für die Serienschöpfer Ryan Murphy und Brad Falchuk wichtiger ist als Tiefe, ist für Fans ihrer Serien (unter anderem "Scream Queens", "American Horror Story", "Glee") zwar nichts neues, aber immer wieder ärgerlich.

    Trotzdem ist "The Politician" eine höchst unterhaltsame Serie. Und die letzte Folge zeigt dann doch noch, wie gut die Serie mit ein bisschen mehr Fokus sein könnte. Glücklicherweise ist die zweite Staffel schon in Arbeit.

    "The Politician" ist bei Netflix verfügbar.

    "Euphoria" – Kids außer Kontrolle

    Für Freunde von: der realistischen, britischen Teenserie "Skins", dem gezielt provokativen Stil des Films "Kids" und Musikvideos aus den besten Zeiten von MTV.

    Die Kids sind nicht alright: Die 17-jährige Rue Bennett schon gar nicht. Sie hat die Sommerferien im Entzug verbracht, nachdem sie durch eine Überdosis beinahe draufgegangen wäre. Schon als Kind wurde Rue von einem zum nächsten Kinderpsychologen geschleppt und hat einen ganzen Katalog an Diagnosen in ihrer Krankenakte. Auf einer Party lernt sie Jules kennen, die gerade in ihre Nachbarschaft gezogen ist. Die zarte Beziehung zwischen Jules und Rue ist das Zentrum von "Euphoria" – um sie drehen sich die acht Folgen wie ein schwindelerregendes Karussell auf einem Jahrmarkt.

    In jeder Episode erzählt Rue den Werdegang eines ihrer Mitschüler – und schnell wird klar, dass wirklich alle Schüler*innen vom Footballstar bis zur Cheerleaderin ihr Päckchen zu tragen haben. Drogen, Missbrauch, Gewalt, Online-Mobbing, zu viele Pornos, zu viel Sex, zu wenig echte Freunde – die Serie ist richtig harter Stoff und oft stark überzeichnet. Obwohl die Serie wie ein einziger Bilderrausch inszeniert ist, halten die tollen Darsteller*innen das Gleichgewicht zwischen Exzess und Intimität spielend leicht.

    Allen voran Ex-Disney-Star Zendaya ("K.C. Undercover") als Rue und die Newcomerin Hunter Schafer als Jules. Für Zendaya ist "Euphoria" das, was "Wrecking Ball" für Miley Cyrus war, der Stinkefinger in die Gesichter aller Eltern und Jugendschützer und der Beweis dafür, dass sie eine unheimlich vielseitige, wahnsinnig talentierte Allround-Künstlerin ist. Singen darf sie am Ende nämlich auch noch – wenn der stimmungsvolle Soundtrack vom britischen Rapper und Produzenten Labrinth und die Handlung der Serie in einer musikvideoreifen Szene eins werden. In "Euphoria" zeigen Serienschöpfer Sam Levinson und Produzent Drake die Jugend im Overdrive: extrem, manchmal übertrieben, dramatisch, traurig, schmerzhaft und, natürlich, euphorisch. Beste Voraussetzung also, um zur Kultserie für die Generation Z zu werden.

    "Euphoria" wird ab dem 16.10. wöchentlich bei Sky ausgestrahlt und ist gleichzeitig on demand bei Sky Ticket und Sky Go verfügbar.

    "Modern Love" – Großstädter und die Liebe

    Für Freunde von: episodischen Serien wie "Easy", die sich wie das echte Leben anfühlen, realistischen Liebesgeschichten wie "Love" und der Aussicht auf Glück trotz Komplikationen wie bei "Catastrophe".

    "Modern Love" ist der Titel einer Beziehungskolumne in der New York Times über das Liebesleben der New Yorker*innen mit all ihren Höhen und Tiefen. Diese Liebesgeschichtensammlung gibt's nach der Podcast-Umsetzung jetzt auch in Serienform – und die wird sogar strikte Verweigerer romantischer Gesten zu Tränen rühren, versprochen.

    In acht in sich geschlossenen Episoden berichten acht verschiedenen Großstädter*innen (gespielt unter anderem von Anne Hathaway, Dev Patel und Tina Fey) über die Liebe und sich selbst. Es sind Geschichten, die das Leben schreibt: Vom lang verheirateten Paar, das sich nichts mehr zu sagen hat, und der jungen Anwältin ohne Freunde bis zum Entwickler, den das Ende seiner großen Liebe zu seiner erfolgreichen Dating-App inspirierte.

    Wer sich nur eine Folge von "Modern Love" ansehen will, sollte diese zweite Episode wählen. Es ist nicht nur die schönste, eine wunderbare Story über die unerfüllte große Liebe, sie ist auch die Essenz der Serie. Wahrhaftig und trotzdem ein bisschen kitschig, macht sie Hoffnung auf das finale Happy End in der eigenen Liebesstory.

    "Modern Love" ist ab dem 18.10. bei Amazon Prime Video abrufbar.

    "Limetown" – Der Podcast-Hit in Serienform

    Für Freunde von: der paranoiden Podcast-Adaption "Homecoming", fiktionalen Podcasts und Jessica Biels düsterem Serienthriller "The Sinner".

    Für den amerikanischen Rundfunksender APR will die Reporterin Lia Haddock (Jessica Biel) das mysteriöse Verschwinden von 326 Menschen im kleinen Ort Limetown recherchieren. Hier, in der Einöde Tennessees forschten ihr Onkel und die Bewohner des Ortes an einem geheimen Projekt – was das genau war und wie die Menschen abhanden kamen, soll Haddock herausfinden. Aber die Zeit ist knapp und ihre eigenen Erinnerungen nicht immer so zuverlässig, wie sie glaubt.

    "Limetown" basiert auf einem sehr erfolgreichen, fiktionalen Podcast mit einer verwirrenden Prämisse: Der Radiosender APR existiert zwar nicht, aber die gesamte Anmutung des Podcasts erinnert an reale Recherchen über wahre Kriminalfälle wie "Serial", die mit ihrer subjektiven Erzählung zu den ersten großen Podcast-Hits wurden. Schnell vergessen wir so bei "Limetown", dass die Story gar nicht wirklich passiert ist. Dass diese Illusion nicht nur über die Ohren funktioniert, will nach dem kunstvollen Verschwörungsthriller "Homecoming" mit Julia Roberts jetzt auch Facebook Watch mit der Serienadaption von "Limetown" zeigen. Anders als "Homecoming" hält sich "Limetown" fast sklavisch an das Podcast-Skript – aber warum auch etwas ändern, das sich bewährt hat?

    "Limetown" ist ab dem 16.10. kostenlos bei Facebook Watch streambar. Die Folgen sind nur im englischen Original mit englischen Untertiteln verfügbar.

    Und sonst?

    Fans von "The Crown" über das Leben der britischen Monarchin Elisabeth II. können sich vor dem Start der dritten Staffel im November mit der Miniserie "Catherine The Great" (Sky, 24.10.) einstimmen. Helen Mirren spielt die russische Kaiserin Katharina die Große vor opulenter Kulisse.

    Danach geht die Geschichtsstunde weiter im Paris des 19. Jahrhunderts mit "Les Miserables" (10.10., Starzplay), einer neuen, gesangsfreien Serienadaption des Klassikers von Victor Hugo.

    Und ab 18.10. sehen Sie erstmals die gefeierte Gesellschaftsdystopie "Handmaid's Tale" basierend auf dem Roman von Margaret Atwood im Free TV und danach online bei Tele5.