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Das Puzzle - der Erfolg kleiner Teile mit großer Wirkung | BR24

© picture alliance / VisualEyze

Puzzlespieler

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    Das Puzzle - der Erfolg kleiner Teile mit großer Wirkung

    Jedes Jahr am 29. Januar ist der Internationale Tag des Puzzles. Man ehrt ein Rätselspiel, das uns - bei genaueren Betrachtung - seit vielen hundert Jahren fasziniert. Wie kaum ein anderes Spiel lehrt es Geduld. Und die ist gerade besonders gefragt.

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    Von
    • Annabelle Zametzer

    Das Wort Puzzle kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie "schwierige Aufgabe" oder "Verwirrung", aber auch "Rätsel- und Geduldsspiel". Die Grundidee stammt aber eigentlich aus China. Genauer gesagt ist das siebenteilige Tangram - in Deutschland auch Siebenschlau genannt - das erste Puzzle der Welt. Denn bereits hier wird etwas Zerbrochenes spielerisch wieder zusammengesetzt.

    Die Legende des Tangrams

    Eine chinesische Legende besagt, dass ein Mönch einen Schüler beauftragt hat, alle Schönheiten der Welt auf eine Keramiktafel zu zeichnen. Doch dem Schüler zerbrach die fertige Tafel in sieben Teile. Jedes Mal wenn er nun versuchte, die Scherben wieder zusammen zu setzen, bekam er ein anderes Bild zu sehen. Er schaffte es nicht, die Tafel wieder in ihre ursprüngliche Form zu bekommen. Da merkte er, dass das auch gar nicht nötig war, denn in jedem einzelnen Teil fand er die gesamte Schönheit unserer Welt.

    Der Weg des Puzzles - aus China nach Europa

    Wahrscheinlich kam das Puzzle während der britischen Kolonialzeit nach Europa. Der Londoner Kartenhändler und Kupferstecher John Spilsbury (1739 – 1769) fertigte eines der ersten Exemplare an. Dazu klebte er seine handkolorierten Landkarten auf dünne Mahagoni- und Zedernholzbretter und zersägte sie anschließend an den Ländergrenzen. Dann verkaufte Spilsbury die Legespiele an Schulen als "Lehrmittel zur Erleichterung des Erdkundeunterrichts".

    Zur Herstellung des Puzzles

    Bald schon wurden Puzzles auch aus günstigeren Holzplatten und Pappe gefertigt und waren keine reinen Luxusartikel mehr. Doch erst um 1870 veränderte sich die Herstellung durch die Erfindung der Jigsaw (engl. für Wippsäge/ Laubsäge). Mit der Jigsaw ließen sich im Nähmaschinenprinzip auch kompliziertere Formen und präzise Puzzle-Nasen und Verzahnungen sägen. Die einzelnen Teile rutschten so nicht mehr auseinander.

    Ab dem 20. Jahrhundert dann konnte man mit der Massenproduktion des Puzzle beginnen: Ein Bild wird auf die Pappe geklebt oder gedruckt und mit einer Stanze in kleine Teile zerlegt. Die einfache und günstige Herstellung machte das Puzzle so billig, dass es sich jeder leisten konnte.

    Faszination Puzzle

    Die Faszination des Puzzles kommt durch die Kombination aus Lernen und Spielen. Weltweit spielen Menschen jeden Alters mit Puzzles und trainieren dadurch ihre Feinmotorik. Sie sensibilisieren sich für Farben, Formen und die Beobachtung von Zusammenhängen. Und nicht zuletzt wird natürlich auch die Geduld geschult. Der ersten Puzzle-Modewelle im 18. Jahrhundert folgte eine zweite um 1900. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden Puzzle in Lazaretten genutzt, um traumatisierten Soldaten durch eine Spieltherapie zu helfen. In den 1920 Jahren, in denen die Menschen wenig Geld für teures Spielzeug hatten, wurden Puzzle häufig selbstgebastelt oder aber in privaten Puzzleverleih-Ringen ausgetauscht: in einem Beutel per Post.

    Puzzle-Boom Heute

    Seit 2019 befinden wir uns bereits in einer neuen Puzzle-Welle. Denn in Fachkreisen wird ein Trend hin zum haptischen Spielzeug beobachtet: Neben den vielen digitalen Spielangeboten wollen die Menschen wieder etwas zum Anfassen.

    Ravensburger, einer der größten Puzzleherstellern Deutschlands, verkaufte 2019 insgesamt 21 Millionen Puzzle. Das bedeutet, dass in Deutschland etwa jeder Vierte innerhalb eines Jahres ein Puzzle gekauft hat. Und 2020 im ersten Lockdown stieg der Umsatz bei den Puzzleherstellern noch einmal: um über 40 Prozent.

    Puzzle-Rekorde:

    • Über 1000 Puzzle gehören zur Sammlung des Spielzeugmuseums in Nürnberg.
    • Das größte Puzzle der Nürnberger Museen ist ein Ravensburger-Puzzle mit 18.000 Teilen.
    • Das größte Puzzle der Welt hat 45.000 Teile und kostet 400 Euro.

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