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Das Poetenfest in Erlangen ist ein Fest für Literatur-Entdecker | BR24

© Bayern 2

Die Hauptveranstaltung auf dem Erlanger Poetenfest ist die Revue der Neuerscheinungen im Schlossgarten, bei der jedes Mal 20 neue Bücher mit Lesungen und Autorengesprächen präsentiert werden. Dort begeisterte vor allem die Debütantin Karen Köhler.

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Das Poetenfest in Erlangen ist ein Fest für Literatur-Entdecker

Die Hauptveranstaltung auf dem Erlanger Poetenfest ist die Revue der Neuerscheinungen im Schlossgarten, bei der jedes Mal 20 neue Bücher mit Lesungen und Autorengesprächen präsentiert werden. Dort begeisterte vor allem die Debütantin Karen Köhler.

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"Ich war schon von Anfang an so hässlich, dass meine eigene Mutter mich lieber hier abgelegt hat, statt mich zu behalten. So eine wie ich, sagen sie, so eine kann nicht von hier sein, so hässlich ist hier niemand, solche Mütter gibt’s hier nicht." Karen Köhler liest aus ihrem Debütroman "Miroloi". Wenn man ihr, der ausgebildeten Schauspielerin, zuhört, wie sie in einer archaischen, einfachen, aber nicht simplen und sehr rhythmischen Prosa vom Ausbruch einer jungen Frau aus einer fundamentalistischen Dorfgemeinschaft erzählt, dann versteht man plötzlich, wieso sie ihren Text nicht in Kapitel, sondern in Strophen unterteilt hat und ihren Roman auch einen Gesang nennt. Und wie sehr ihre Theatertexte ihre Prosa beeinflussen.

Shooting-Star Karen Köhler begeistert auf dem Poetenfest

Köhlers Vortrag war einer der Höhepunkte der gestrigen "Revue der Neuerscheinungen", auch das anschließende Gespräch war ein Publikumsmagnet, und die Autorin von so viel Zuspruch hörbar begeistert: "Mein Buch ist ja jetzt sehr frisch auf dem Markt, dann sind diese ersten Kontakte mit Publikum natürlich sehr besonders, weil man nicht weiß, wie es ankommt", sagt Karen Köhler. "Das finde ich auch besonders, dass ich das Erlanger Publikum als sehr aufgeschlossen und wissbegierig empfunden habe."

© Julia Klug

Die Autorin Karen Köhler

Von Ablehnung beim Erlanger Poetenfest jedenfalls keine Spur, auch nicht bei der Jury des Deutschen Buchpreises, die Köhlers Roman auf die Longlist gesetzt hat, aber viel Ablehnung bei einigen Literaturkritikern überregionaler Zeitungen, die den Roman als misslungen oder zu selbstzufrieden verrissen haben, was der Autorin, wie sie im Interview zugibt, schon an die Nieren geht: "Gegenwind ist immer schwierig, gerade wenn man so an einem verwundbaren Punkt ist von Veröffentlichung, also: erster Roman – die ersten Stimmen kamen raus, bevor das Buch überhaupt erschienen ist. Da musste ich mich schon anschnallen."

"Ein bisschen so wie ein barockes Fest für demokratische Bürger"

Freilich – auch Kritiker können irren. Im direkten Vergleich mit Köhlers extravaganter Prosa wirkte jedenfalls selbst die Sprache anderer Autoren eher bieder, wobei Birgit Birnbachers mit dem Ingeborg Bachmann-Preis ausgezeichnete Erzählung "Der Schrank" dank präziser Charakterzeichnung auch bei Birnbachers zweiter öffentlicher Lesung überzeugte und Burkhard Spinnen seinen solide erzählten Roman "Rückwind" einfach hinreißend vortragen kann.

© Erich Malter

Das Poetenfest in Erlangen

Burkhard Spinnen ist ein Veteran des Erlanger Poetenfests – viermal war er schon eingeladen, hat 2002 mit einem engagierten Artikel für die Weiterführung geworben, als der Stadtrat den Festivalzuschuss einsparen wollte und charakterisiert sein Lieblings-Literaturfestival so: "Es ist ein bisschen so wie ein barockes Fest für demokratische Bürger – und das ist sicherlich sehr attraktiv, es ist alles eng in einem Bereich. Sie müssen nicht so wie in Leipzig mit dem Taxi oder mit der S-Bahn unterwegs sein und außerdem ist ja offenbar immer und immer und immer schönes Wetter dabei."

Ein Fest für Literatur-Entdecker

Das Erlanger Poetenfest ist tatsächlich ein Fest der Literatur, bei dem nicht der der Vergleich oder der Wettbewerb im Mittelpunkt steht, sondern das Erleben, das sich Einlassen, das immer wieder neu Entdecken von Literatur. Heute zum Beispiel die Lyrikerin Maren Kames mit ihren Mondanrufungen, die von ihrem Umzug aufs Land berichtende Lola Randl oder den kurdischen Autor Bachtyar Ali. Dessen schon 1998 verfasster Roman "Perwanas Abend" ist erst jetzt auf Deutsch erschienen, aber seine Beschreibung einer durch religiöse Fundamentalisten kontrollierten Gesellschaft ist aktueller denn je.

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