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Das Museum der Bayerischen Geschichte eröffnet | BR24

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In Regensburg wird das Museum der Bayerischen Geschichte eröffnet. Den Besuchern werden Höhepunkte aus den vergangenen 200 Jahren der Geschichte Bayerns präsentiert. Der Neubau am Regensburger Donaumarkt entstand in vier Jahren Bauzeit.

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Das Museum der Bayerischen Geschichte eröffnet

In Regensburg wird das Museum der Bayerischen Geschichte eröffnet. Den Besuchern werden Höhepunkte aus den vergangenen 200 Jahren der Geschichte Bayerns präsentiert. Der Neubau am Regensburger Donaumarkt entstand in vier Jahren Bauzeit.

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Dem neuen Museum der Bayerischen Geschichte haben Handwerker in den vergangenen Tagen den letzten Schliff verpasst - jetzt wird eröffnet. Gründungsdirektor Richard Loibl spricht von einem der modernsten Museen Europas. Bau und Ausstattung haben etwa 95 Millionen Euro gekostet. Zu sehen sind rund 1.000 Exponate, die zur Hälfte aus der Bevölkerung zur Verfügung gestellt wurden. Das Haus verfügt außerdem über einen Museumsladen und ein eigenes Wirtshaus.

Die Dauerausstellung "Wie Bayern Freistaat wurde und was ihn so besonders macht" zeichnet auf 2.500 Quadratmetern den Weg Bayerns zum modernen Staat nach, vom Beginn des Königreichs 1806 bis heute. Bayerns Kunstminister Bernd Sibler (CSU) ist voller Vorfreude:

"Endlich ist es soweit: Mit dem Museum der Bayerischen Geschichte realisieren wir in einem beeindruckenden Bau ein Museum zu ganz Bayern, wie wir es heute kennen. Dieses Museum ist die Schatzkammer unserer Geschichte." Kunstminister Bernd Sibler

Von blutigen Kriegen bis zum Verfassungsstaat

Die Dauerausstellung ist chronologisch und thematisch gegliedert. Los geht es mit der Zeit Bayerns unter Napoleon, eine Zeit blutiger Kriege mit Tausenden Todesopfern. Es folgt der Wechsel zum Verfassungsstaat, Bayerns Könige schwören von nun an auf die Verfassung und zeigen damit: Bayern ist eine konstitutionelle Monarchie mit einer begrenzten Macht des Königshauses.

Der Prunkschlitten Ludwigs II. erinnert an den Märchenkönig, seine Taschenuhr zeigt - möglicherweise - dessen Todeszeitpunkt. Der König trug die Uhr bei sich, als er im Starnberger See ertrank. Sie blieb am Todestag im Juni 1886 um 18.54 Uhr stehen.

Der Erste Weltkrieg sorgt für eine scharfe Zäsur. Das Maschinengewehr 08/15 steht im Museum symbolisch für den Krieg, dem zehn Millionen Menschen zum Opfer fallen. Ein weiteres Kapitel ist dem Nationalsozialismus gewidmet, der in München seinen Anfang nahm. Die Schreibmaschine, auf der die Mitglieder der "Weißen Rose" ihre Flugblätter tippten, erinnert an den NS-Widerstand.

Das Hemd eines Überlebenden des Konzentrationslagers in Dachau haben dessen Nachkommen dem Museum zur Verfügung gestellt. Es folgen: das Wirtschaftswunder, die Olympischen Spiele in München, die Wendejahre.

BR-Moderator Christoph Süß führt durch Bayerns Geschichte

Während sich die Dauerausstellung ausschließlich der Entwicklung Bayerns von 1800 bis in die Gegenwart widmet, ist das Erdgeschoss des neuen Museums der gesamten, gut 2000-jährigen Geschichte Regensburgs und Bayerns gewidmet. BR-Moderator Christoph Süß schlüpft hier für einen 20-minütigen Animationsfilm in die Rollen zahlreicher historischer Figuren.

© Haus der Bayerischen Geschichte

Das große Panoramafenster im Obergeschoss des Museums erlaubt einen spektakulären Ausblick auf die Domtürme und die Altstadt.

© Museum der Bayerischen Geschichte

Im Museum der Bayerischen Geschichte gibt es über 1.000 Exponate zu sehen. Darunter der Further Drache...

© Museum der Bayerischen Geschichte

... die Kältemaschine von Carl Linde ...

© Museum der Bayerischen Geschichte

... eine Lokomobile aus dem Jahr 1921 ...

© Museum der Bayerischen Geschichte

oder der Wandteppich aus dem ehemaligen Landtag.

© Museum der Bayerischen Geschichte

Theo Waigel (Mitte) übergibt Maastricht-Füller an Richard Loibl und an Kunstminister Bernd Sibler (rechts).

© BR/Andreas Wenleder

Bayerns Könige in einer Galerie

© BR/Andreas Wenleder

Die Quer-Marionetten Ilse Aigner und Markus Söder

© BR/Andreas Wenleder

Der erste Pizzabäcker im Bayerischen Wald

© BR/Andreas Wenleder

Mit diesem Transparent sind WAA-Gegner auf die Straße gegangen.

30 Bühnen für Bayerns Historie

Angelegt ist die Präsentation der "Dauerausstellung" als ein Geschichtstheater mit 30 Bühnen und multimedialen Installationen. Darunter finden sich auch acht Kulturkabinette, in denen speziell bayerische Phänomene dargestellt werden: etwa die Sprachen, die Feste und der Glaube. Das schwerste Exponat ist mit fünf Tonnen Gewicht den Angaben zufolge das 1921 gebaute Lokomobil der Firma Lanz. Das technische Gefährt wurde in der Landwirtschaft eingesetzt.

Das Wirtschaftswunder der 1950er-Jahre wird von einer Flotte bayerischer Automobil-Ikonen repräsentiert: vom Goggomobil über den roten "Spatz" der Victoria-Werke Nürnberg bis hin zum BMW-Barockengel, in dem einst Ministerpräsident Alfons Goppel chauffiert wurde. Auch jene Gondel und die Hülle des Ballons, der zwei Familien aus der DDR 1979 die Flucht aus der DDR nach Naila bei Hof ermöglichte, wurden aufgenommen.

Ex-Bundesfinanzminster Theo Waigel stiftete seinen Füllfederhalter, mit dem er 1992 den Maastricht-Vertrag unterzeichnete, das Gründungsdokument der Europäischen Union. Klaus Wolfermann, Speerwurf-Olympiasieger 1972, in München , überließ dem Museum Speer, Trikot und Medaille. Erhalten haben sich auch alte Bühnenelemente des Schlierseer Bauerntheaters, das Ende des 19. Jahrhunderts Erfolge mit einer US-Tournee feierte.

Führungen schon weit im Voraus gebucht

Nach heftigen Debatten in Regensburg um die Architektur des Museumsbaus scheint nun die Neugierde der Menschen zu überwiegen. Jedenfalls sind Führungen schon weit in den Sommer hinein gebucht worden, wie Direktor Loibl sagte. Ursprünglich hätte das Museum schon im November 2018 fertig sein sollen. Doch ein Brand auf der Baustelle im Sommer 2017 hatte den Zeitplan durchkreuzt und einen Millionenschaden verursacht.

© BR

Woher kommen die Exponate im neuen Museum? - Vor einiger Zeit haben wir die Museumsmacher quer durch bayerische Keller und Dachstühle begleitet. Manches Fundstück von damals ist nun in Regensburg bei der Eröffnung zu sehen.

💡 Der Bayerische Rundfunk als Kulturpartner

Seit Juli 2017 sind der Bayerische Rundfunk und das Haus der Bayerischen Geschichte Kulturpartner. Im Rahmen dieser Partnerschaft hat der BR knapp 140 Multimedia-Ausstellungsstücke aus seinen Archiven zur Verfügung gestellt. Die Original-Töne und Filmausschnitte des BR dienen als Quellen zu vielen historischen Ereignissen.

Der BR unterstützt damit Medienstationen in der Dauerausstellung sowie den Aufbau der Bavariathek, in der bayerische Geschichte multimedial und innovativ erzählt wird. Die historischen Bestände werden digital in einem Medienarchiv gespeichert und über ein eigenes Online-Portal für Recherche und Dokumentation öffentlich zugänglich gemacht. BR24, die digitale Informationsmarke des BR, steuert etwa die #BR24Zeitreise bei – Schätze aus den Fernseharchiven des BR, digitalisiert und den jungen Sehgewohnheiten als Web-Videos angepasst.

Die Bavariathek gibt es aber nicht nur virtuell, sondern auch ganz konkret vor Ort in Regensburg: Neben dem Museum entstehen am Donaumarkt Medienräume mit moderner technischer Ausstattung, die als Schulungszentrum dienen. Dort können Schulklassen ihr Wissen in Geschichte vertiefen und zugleich ihre Medienkompetenz ausbauen – ein Feld, auf das der BR großen Wert legt.