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Das Münchner Residenzteater startet hochpolitisch in die Saison

Nach der Spielzeiteröffnung mit Friedrich Schillers "Die Räuber" am Freitagabend, inszenierte gestern im Cuvilliéstheater Intendant Martin Kusej persönlich Jean-Paul Sartres "Die schmutzigen Hände". Von Sven Ricklefs

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Es beginnt, wie es beginnen muss bei Martin Kusej: der Unheilssound, der die Blackouts vor und zwischen den Szenen taktet, ist schon seit Jahren nicht mehr aus den Inszenierungen des Regisseurs wegzudenken. Und dann flasht das Bild auf, eindringlich und düster. Diesmal sind es zwei ineinander gestapelte Gefängniskäfige im fahlen Licht. In der Mitte hängt eine Bahre schräg im Raum, darauf wird gleich der tote Körper von Hoederer liegen, die Arme zur Seite hängend, wie gekreuzigt. Martin Kusej liebt starke Bilder. Und immerhin ist Hoederer, der politische Taktiker mit den schmutzigen Händen, ja tatsächlich umgebracht worden: Von Hugo, dem jungen Intellektuellen aus guten Hause, der als gewaltbereiter Anarchist seine Herkunft vergessen will. Der Auftrag kam von der Partei, die die Reinheit der Idee in Gefahr sieht, weil Hoederer im Kampf um die Macht und zum Verhindern von Blutvergießen durchaus auch zum Pakt mit dem politischen Feind bereit ist. Jean-Paul Sartre ließ sein Stück zwar in einem fiktiven Staat aber durchaus in der konkreten Situation der letzten Jahre des 2. Weltkriegs spielen. Und so stehen sich Idealismus und Pragmatismus unvereinbar gegenüber:

Hugo: Ich bin in die Partei gekommen, weil sie für die gerechte Sache eintritt. Und ich werde sie verlassen, wenn sie das nicht mehr tut. Und was Menschen angeht: Nicht wie sie sind interessiert mich, sondern, was sie werden können.
Hoederer: Und ich liebe sie so wie sie sind. Mit all ihren Sauereien, mit all ihren Lastern. Ein Mensch mehr oder weniger auf der Welt: für mich zählt das Hugo. Das ist kostbar!

Dass Martin Kusej seinem Residenztheater in den gegenwärtigen brisanten Zeiten eine bewusst politische Note geben will, ist ihm hoch anzurechnen. Einen Paukenschlag kann Kusej bereits verbuchen, denn eröffnet wurde die Spielzeit bereits am Freitag mit Schillers „Räubern“ in der Inszenierung von Ulrich Rasche.

Nicht die Welt ist verloren, wir haben die Welt verloren. Und verlieren sie unaufhörlich. Nicht die Welt wird bald zu Ende gehen. Wir sind am Ende….

Mehr zu diesem und weiteren Themen aus der Kultur hören Sie gleich ab 12.35 Uhr auf B5 aktuell.