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Die Schere zwischen Arm und Reich: Der griechische Autor Petros Markaris hat einen Krimi geschrieben, in dem sich die Armen friedlich zusammenschließen, um sich Gehör zu verschaffen. Doch dann wird ein ausländischer Investor tot aufgefunden.

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"Das Lied des Geldes" von Petros Markaris

Die Schere zwischen Arm und Reich: Der griechische Autor Petros Markaris hat einen Krimi geschrieben, in dem sich die Armen friedlich zusammenschließen, um sich Gehör zu verschaffen. Doch dann wird ein ausländischer Investor tot aufgefunden.

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Von
  • Anja Keber

Wut als Inspirationsquelle.

"Wenn ich wütend bin, dann sage ich mir: Jetzt musst Du Dir etwas einfallen lassen." Petros Markaris.

In diesem Buch ist es die Ungleichheit zwischen Arm und Reich, die immer größer wird, die den Autoren wütend macht. Und so beginnt die Geschichte mit einer Demonstration: Ein paar Menschen, die nicht viel haben in ihrem Leben, tragen mitten in Athen die Linke zu Grabe. Organisiert hat das ein enger Freund von Kommissar Kostas Charitos – und zwar Sissis, der Leiter eines Obdachlosenasyls und eben neuerdings Kopf der Protestbewegung der Armen.

Immer mehr Arme in der Stadt

Wie Sissis auf die Idee kam, eine solche Bewegung in Gang zu bringen?

"Es waren die vielen Anfragen im Obdachlosenheim gewesen, die wir ablehnen mussten. Dabei ging es nicht um irgendwelche Anliegen unserer Bewohner, sondern um Menschen, die an unsere Tür klopften und bei uns aufgenommen werden wollten. Doch wir hatten kein Bett mehr frei und mussten sie wieder auf die Straße schicken." Zitat aus dem Buch

Und auf der Straße ziehen sie dann mit hängenden Köpfen stumm davon. Das ist der Ausgangspunkt des Romans. Kommissar Charitos steht zu seinem Freund und seiner Bewegung, fürchtet jedoch, dass es Zusammenstöße und Ärger jeglicher Art geben könnte.

Doch bald hat er ganz andere Sorgen: Ein Toter wird gemeldet, ein Mann, offenbar ermordet. Der Fundort liegt im Küstengebiet, in der Nähe der Flüchtlingsunterkunft, doch die Kleidung des Mannes, das fällt den Ermittlern gleich auf, muss ein Vermögen gekostet haben. Ein Investor, der Land aufkaufen wollte.

Investoren als Opfer

Er bleibt nicht das einzige Opfer – bald wird ein weiterer Mord gemeldet. Wieder jemand mit viel Geld, das er gewinnbringend investieren wollte – auch in Immobilien.

Der Roman "Das Lied des Geldes“ ist kein Krimi, bei dessen Lektüre man nachts noch einmal schnell unterm Bett nachschaut – keine Gruselmomente, kein Fürchten im Dunkeln. Es ist vielmehr ein Text, der nachdenklich stimmt und die Leser auf Tatsachen aufmerksam macht, die sie eigentlich schon wissen, mit denen sie sich aber noch nicht beschäftigen wollten. Was aber nicht heißt, dass es keine spannenden Momente gibt – ganz im Gegenteil. Schritt für Schritt kommt Charitos dem Mörder auf die Schliche. Dabei ist er kein einsamer Wolf, wie er in vielen Krimis vorkommt.

Der Kommissar: Ein reflektierender Familienmensch

Charitos verbringt viel Zeit bei seinem Freund Sissis und seiner Familie, isst und diskutiert mit Tochter, Frau und Schwiegersohn, freut sich über das Enkelkind und reflektiert über die Situation der Menschen in seiner Stadt.

Eines war seinem Schöpfer dabei diesmal besonders wichtig:

"Ich habe diesen Roman eigentlich als eine Art Epilog zur Finanzkrise in Athen 2010 in Griechenland geschrieben. Und ich wollte im Roman zeigen, wie schwer der Mittelstand von der Finanzkrise betroffen war. Wie stark die Menschen vom Mittelstand gelitten haben und immer noch leiden. Was ich nicht voraussehen konnte, war natürlich, dass die Pandemie das Werk der Finanzkrise komplettieren würde." Petros Markaris

Und so verwundert es nicht, dass das nächste Buch ein Pandemieroman wird.

Und wenn der so realitätsnah und stimmig geschrieben ist, wie "Das Lied des Geldes", heißt es auch: lesen.

Der Roman "Das Lied des Geldes" ist beim Diogenes Verlag erschienen und kostet 24 Euro.

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