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Das Kunstfest Weimar startet mit einem Reichstag-Reenactment | BR24

© Bayern 2

Heute beginnt das Kunstfest Weimar. BürgerInnen, SpitzenpolitikerInnen, SchülerInnen und SchauspielerInnen stellen zum Auftakt Höhepunkte parlamentarischer Debatten bis 1933 nach. Ein hochpolitischer Auftakt – kurz vor der Wahl in Thüringen.

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Das Kunstfest Weimar startet mit einem Reichstag-Reenactment

Heute beginnt das Kunstfest Weimar. BürgerInnen, SpitzenpolitikerInnen, SchülerInnen und SchauspielerInnen stellen zum Auftakt Höhepunkte parlamentarischer Debatten bis 1933 nach. Ein hochpolitischer Auftakt – kurz vor der Wahl in Thüringen.

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1919, vor 100 Jahren fand die Wahl zur Deutschen Nationalversammlung statt – die erste reichsweite Wahl nach der Novemberrevolution von 1918. Nach der Niederlage des Ersten Weltkriegs und dem Ende der Monarchie war das Ziel, eine demokratisch legitimierte Regierung zu bilden – auch mit den Stimmen der zum ersten Mal wahlberechtigten Frauen in Deutschland. Monate später wurde in Weimar, wo sich die Nationalversammlung konstituierte, die erste demokratische Verfassung Deutschlands verkündet. Mit zwiespältigem Erfolg, denn die Weimarer Republik hat die historisch undankbare Aufgabe, die krisenhafte Zeit zwischen zwei Weltkriegen zu markieren.

© picture alliance/akg-images

Eröffnung der Verfassungsgebenden Deutschen Nationalversammlung im Nationaltheater in Weimar am 6. Februar 1919.

Reichstagsdebatten und Reden inszeniert als soziale Skulptur

Zur heutigen Eröffnung des Kunstfests gedenkt man in Weimar dieser historischen Marke in einem "Reichstags-Reenactment" unter der Regie von Nurkan Erpulat. Sein Plan: Weimarer BürgerInnen und SchülerInnen, Erwachsene aus Deutschland und den Nachbarländern, Geflüchtete und Ensemblemitglieder des Deutschen Nationaltheaters stellen an zwei Tagen Höhepunkte parlamentarischer Debatten bis 1933 nach. Auch PolitikerInnen werden an dem Reenactment teilnehmen, darunter Gregor Gysi und Bodo Ramelow von den Linken, Mike Mohring und Birgit Diezel (CDU) und Katrin Göring-Eckardt von den Grünen. Rolf C. Hemke, der Leiter des Kunstfests, erklärt im Interview, was er sich davon verspricht: "Da war natürlich der Grundgedanke, dass es interessante Reibungen geben könnte, wenn Politiker von heute in irgendeiner Form Stellung nehmen und sich damit auseinandersetzen, was die politischen Vorfahren gesagt und gedacht haben."

© Candy Welz

Kunstfest-Leiter Rolf C. Hemke

Der erste Abend soll eine Art "Feier der Demokratie" werden – er endet mit der Vereidigung von Friedrich Ebert. "Am zweiten Tag werden dann einfach die Polarisierungen spürbar, in denen sich der Reichstag gerade gegen Ende der 1920er-Jahre verloren hat", sagt Hemke. Und da gehe es dann schon sehr stark um die Frage, wo Parallelen zu heute zu sehen sind und wo die Unterschiede liegen.

"Die Unterschiede sind eklatant, die Parallelen liegen aber auch auf der Hand. Was zum Beispiel die Frage nach dem Umgang mit Antisemitismus angeht, was die Frage nach dem Umgang mit Minderheiten angeht, was die Frage nach dem Umgang mit dem, was man heute LGBT nennt, angeht. Themen, die von einer hohen Aktualität sind. Da werden wir dann auch an der einen oder anderen Stelle zum Beispiel Redebeiträge von Goebbels zitieren, die aber von Schauspielern des Nationaltheater-Ensembles gelesen werden. Das sind dann doch Passagen, die so heikel sind, dass wir sie unseren professionellen Kollegen anheim gestellt haben."

Heute Abend startet das Kunstfest Weimar mit einem Reichstags Reenactment, einem hochpolitischen Auftakt. Außerdem gibt es Projekte aus Musiktheater, Schauspiel und Tanz, sowie Filme und Konzerte. Am 07. September endet das Kunstfest.

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