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"Das Kraut bin ich": Jamaikanischer Reggae-Star Bunny Wailer tot | BR24

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Bunny Wailer

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    "Das Kraut bin ich": Jamaikanischer Reggae-Star Bunny Wailer tot

    Er gründete 1963 mit Bob Marley und Peter Tosh "The Wailers" und machte den Reggae-Sound weltweit populär. Ohne Hut und Bart war Neville Livingston, wie er mit bürgerlichem Namen hieß, nicht denkbar. Jetzt ist er mit 73 Jahren in Jamaika gestorben.

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    Von
    • Peter Jungblut

    Er kiffte nach eigenen Angaben seit seinem 17. Lebensjahr, machte sich darüber lustig, dass Ex-Präsident Bill Clinton niemals "inhaliert" haben wollte und war gläubiger Rastafari, verehrte also seine "Göttlichkeit", den 1975 verstorbenen äthiopischen Kaiser Halie Selassie: Bunny Wailer, der am 10. April 1947 als Neville O’Reilly Livingston in der jamaikanischen Hauptstadt Kingston geboren wurde, gehörte zu den Reggae-Urgesteinen und zelebrierte Glauben, Mode und Musik des rot-gold-grünen Lifestyles bis ins hohe Alter. 2018 hatte er einen Schlaganfall überlebt, im vergangenen Juli einen zweiten. Seitdem soll er nach Angaben des "Rolling Stone" im Krankenhaus gelegen haben. Jetzt ist er nach Mitteilung der jamaikanischen Kulturministerin Olivia Grange im Andrew's Memorial Hospital in Kingston gestorben. Über die genaue Todesursache gab es keine näheren Angaben: "Was Bunny Wailer, als einer der Pioniere und Fahnenträger der Musik unseres Landes, für den Reggae getan hat, lebt weiter."

    In seiner Heimat Jamaika eine Legende

    Mit Bunny Wailer verschied das letzte überlebende Mitglied des legendären Trios der "Wailers". Bob Marley war bereits 1981, Peter Tosh 1987 gestorben. Inspirator der drei Reggae-Ikonen war Joe Higgs, der "Vater" dieses Musikstils, der damals in Trench Town, einem heute furchtbar heruntergekommenen Stadtteil von Kingston, unterwegs war und Tosh das Gitarre spielen beibrachte. Ihre Instrumente bauten sich die Musiker zunächst aus Bambus-Rohr, Elektrokabeln und Konservendosen, so erinnerte sich Wailer.

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    Relaxt und gläubig: Bunny Wailer

    Higgs sorgte nach der Gründung der "Wailers" Ende 1963 dafür, dass die Musiker nicht länger "rumschrien", sondern einen gesunden Ehrgeiz entwickelten, Arrangements bastelten und bei Clement Seymour "Sir Coxsone" Dodd in dessen Studio One vorspielten. Zunächst im Ska-Stil, später im Reggae-Sound landete die Band schnell einige Erfolge, ab 1973 erlebten die "Wailers" mit dem Hit "Get Up, Stand Up" und ihrem Album "Catch a Fire" ihren weltweiten Durchbruch. Bunny Wailer kümmerte sich dabei vor allem um den richtigen Sound, wirkte also anders als Marley und Tosh mehr im Hintergrund.

    Doch unmittelbar vor einer großen US-Tour verließ Wailer die Band, wie auch Peter Tosh, genervt von Marleys Launen und Allüren. Vor allem aber wollte Bunny Wailer in der Nähe seiner Familie bleiben, Jamaika nicht verlassen und hatte keinen Bock auf langwierige Tourneen, schon gar nicht durch Nordamerika, auch deshalb, weil er lieber meditierte und relaxte. Er startete mit seinen "Solomonic Records" eine Solokarriere mit dem Album "Blackheart Man", das heute als Klassiker des Genres gilt. Er wurde mit drei Grammy Awards ausgezeichnet, 1991 für "Time Will Tell: Eine Hommage an Bob Marley", 1995 für "Crucial! Roots Classics" und 1997 für "Hall of Fame", eine Hommage zu Bob Marleys 50. Geburtstag. 2017 wurde Wailer von der jamaikanischen Regierung mit dem Order of Merit ausgezeichnet und gehörte zu den viel bewunderten Musik-Stars seiner Heimat.

    Kritisch gegenüber Cannabis-Industrie

    Bunny Wailer galt als charismatisch, authentisch und religiös: "Die Leute müssen mal begreifen, dass der Vater uns für einander geschaffen hat und bevor wir das nicht akzeptieren, werden wir einen Riesenhaufen Ärger mit dem Beharren auf unseren Unterschieden anrichten statt das Privileg anzunehmen, einander ähnlich zu sein, da wir alle zur menschlichen Familie gehören."

    Was das bei Reggae-Anhängern obligatorische Kiffen betrifft, machte Wailer durchaus feine Unterschiede. So lehnte er jede Art des Rauschgifthandels kategorisch ab und beschränkte sich auf den "Eigenanbau". Überhaupt zeigte er sich tief enttäuscht über die Industrialisierung des Cannabis-Geschäfts und über die Verwüstungen, die härtere Drogen anrichten. Gefragt, wo es "Kraut" zu kaufen gebe, antwortete er lachend: Das Kraut, das sei doch er selbst.

    "Ich bin stolz, Teil der Reggae-Bewegung gewesen zu sein", bilanzierte Wailer sein Leben. Der jamaikaische Premierminister Andrew Holness betrauerte ihn als "großen Verlust" für Jamaika und der Bassist der "Red Hot Chili Peppers", Flea, rief ihm nach: "Oh Mann, Gott möge Bunny Wailer segnen. Was für ein echter Rocker und nobler Kerl. Ich liebe ihn."

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